Dienstag, September 22, 2009
Montag, Juni 22, 2009
Porsche in Bietigheim
Sonntag, Juni 14, 2009
On Iran
No one outside Iran is currently sure what's going on inside - some media plainly speak of an Ahmadinejad-win, others are more skeptical. If you were to ask the people in Tehran, a different picture forms - everyone's convinced the election was rigged. Another one of those pivotal moments in history, as if we hadn't had enough of those already these days. But the acceleration of everything seems to continue, and politics are no exception there. Another people fighting for its freedom, as it seems, having been cheated upon once too often.
The incidents in Iran are almost non-existent in the German internet-based media, safe for a few platitudes copied from news agencies, but excellent coverage on the events can be found on the Huffington Post, as well as at Andrew Sullivan's, although he's a little slower and mire sparse today than yesterday. A lot of additional links can be found there as well.
Whatever is going on in Iran right now, we should know about it - if another Tiananmen were to take place, which God forbade, at least the world should know... Peace to the Iranian people, and perhaps even freedom, at last.
[Picture from Tehranlive.org]
Samstag, Februar 07, 2009
Paris hat kein Ende
Nun war es 2009. Wieder ein Jahr des Neuanfangs, und wieder lag die Zukunft in ihrem fernen Nebel, einem Nebel, den nur meine eigene, anhaltende Arbeit langsam würde lüften können, um zu entdecken, welche fernen Gestade dieses Mal hinter dem Horizont lagen.
Hemingway schrieb damals, „Paris hat kein Ende“, und ich dachte, ich wüsste inzwischen, was er damit gemeint hatte. Paris hatte tatsächlich kein Ende, und auch viele andere Dinge endeten eigentlich nie, wenn man es auf sich nahm, ihnen nachzuspüren.
Labels: factual, meditations, Paris, places, writing
Donnerstag, Januar 24, 2008
Samstag, Januar 12, 2008
Alltag.
Es war mal wieder keine Zeit für das Schreiben. Ich fand keine Worte, und ich hatte kaum etwas, was festzuhalten wert gewesen wäre, das dachte ich jedenfalls. Ich lebte ein Leben, von dem ich nicht sicher war, ob es meines war, aber ich hatte es jedenfalls, und ich versuchte das Beste daraus zu machen.
Berlin. Samstag. Und nichts zu tun. Ich verschwendete einen kompletten Tag mit Internet-Surfen und Computerspielen. Nicht gerade etwas, auf das ich stolz sein konnte. Eigentlich hatte ich Schreiben wollen, es dann aber wie immer nicht auf die Reihe gekriegt. Vielleicht war ich auch einfach noch nicht soweit. Ich wusste diese Tage sowieso nicht genau, woran ich mit mir war. Ich tat eine Arbeit, die ich mir nie hatte träumen lassen, arbeitete 9to5 und verbrachte müde und zufriedene Abende mit S., ruhige Abende, wenn nicht gerade mein Nachbar wieder einen seiner Fernseh-Anfälle hatte. So vergingen die Tage, Woche für Woche, und nichts änderte sich außer den Details meines Arbeitstages, die Bars und Kneipen, in die wir abends gingen, und die Strecke des dünnen Lichts am Abend mit dem vergehenden Winter.
Es war ein altes Haus, und es war ein großes Haus. Die Innenhöfe waren eng und düster, und es stand an einer Schnellstraße und den Bahngleisen, die es von seiner Umgebung abschnitten, vom Park des nahen Schlosses, vom Fluss. Die Farbe der Wände war ein verwittertes Grau, wie das Grau des Betons alter Luftschutzbunker. Efeu überwucherte den einen gesamten Innenhof und zog sich gierig die Fassade empor und drang in die Ritzen und Fensterrahmen. Von den unteren Stockwerken konnte man den Himmel nur sehen, wenn man die Fenster öffnete und sich weit hinauslehnte und die Hauswand emporblickte. Sonst konnte man ihn nur ahnen, getragen von den letzten Fühlern seines Lichts, die herunter drangen.
Es war ein altes Haus. Die Balken waren morsch und trocken geworden, ihr Holz spröde, und die Wände und Decken waren so dünn, dass man dachte, mit einem Finger hindurchstoßen zu können, und aufpassen musste, wo man seine Füße hinsetzte.
Was das Haus füllte, war Lärm. Der Lärm von hundert unterschiedlichen Leben, die hier nebeneinander und alle zugleich über die Bühne gingen. Aus der Wohnung von unten plärrte der Fernseher den ganzen Tag und die halbe Nacht, aus dem Flur tönte laute Musik, über einem renovierten sie ein Zimmer und bohrten Löcher in die Wand (mit einer Bohrmaschine, nicht mit dem Finger); überall herum redeten und husteten und lachten und schrieen und weinten und stritten und liebten sich Menschen. Das Haus war ein Ameisenhaufen, in den man ein Stöckchen gebohrt hatte. Und wie ein Ameisenhaufen kannte es keine Ruhepausen. Irgendetwas geschah immer als nächstes und verschaffte sich Gehör. Es war kein Haus für die Ewigkeit. Aber es war der Ort, an dem ich vorerst lebte.
Sonntag, Oktober 28, 2007
Out of the Past
Things kept on changing. This time, this was a good thing. I returned to the lake, the place where everything had started a long time ago, and where all of these things now came to their end, in order for a new beginning at another place. I walked through my town, beneath a foggy sky, but in the light of a life lived well, and looked out over the water, and remembered things. It had been a good time, and it had been the best of places, and now it was time for me to move on and go somewhere else and start another life, and become even more who I was and had to be.
Montag, September 17, 2007
Dejà-Vu
Labels: factual, places, the autumn of my life
Freitag, August 24, 2007
Ein ferner, fremder Ort
Ich saß erst an der Place de la Contrescarpe und trank ein überteuertes Bier, und dann wechselte ich die Straßenseite und das Café und und trank einen ebenfalls überteuerten Café Crème. Aber ich war in Paris, und es war nicht mein eigenes Geld, was ich ausgab, und so regte sich mein schlechtes Gewissen nicht besonders. Die meisten hier hielten mich für einen Franzosen, jedenfalls bevor ich den Mund aufmachte, und wenn ich allein unterwegs war, wie ich es gerade war, und so saß ich hier und war recht zufrieden. Ich war an einen fernen, fremden Ort gereist, und dort machte ich das Gleiche, was ich sonst auch immer machte, und wälzte meine Gedanken und sah den schönen Frauen hinterher, und von beiden gab es hier eine ganze Menge, und so hatte ich gut zu tun.Ich saß auf der Terrasse des Café de la Contrescarpe, und mein Café Crème war noch heiß und ich trank ihn und rauchte dazu eine Zigarette. Der Springbrunnen unter den Bäumen in der Mitte des Platzes plätscherte. Wolken zogen langsam auf. Es wurde kühl. Das gute Wetter war vorbei. Aber um mich herum redeten die Menschen Französisch, und tranken Kaffee, und noch leuchteten ein paar letzte Strahlen der Sonne, und daher war ich glücklich. Mädchen liefen auf der Straße vor der Terasse vorbei, und ihre Augen blitzten und ihre Lippen leuchteten, und ihre hohen Absätze klackten, erst laut und dann leiser, und schließlich verlor sich das Klacken irgendwo in der Rue Mouffetard. Die Französinnen waren sehr schön. Sie waren so schön, dass sie mich fast um den Verstand brachten, und sie hätten mich um den Verstand gebracht, wenn ich nicht ein Mädchen gehabt hätte, das mich liebte und das ebenso schön war wie sie.
Es war eine Stadt für Träumer und Träume, und es war noch immer eine wunderschöne Stadt, auch wenn es keine billige Stadt mehr war, wie sie es einst gewesen war. Ich trank meinen Kaffee und dachte an die Liebe und an die Menschen und an Paris, und an sonst nicht viel. Die Stadt jedenfalls war inzwischen sehr teuer, aber sie war auch immernoch leicht und schwerelos, und ich mochte sie sehr. Es war ein Ort, an den man allein oder zu zweit reisen konnte, und in beiden Fällen hielt er viel für einen bereit. Ich war alleine an diesem Ort, jedenfalls ohne ein Mädchen, und so verbrachte ich keine langen Morgende im Bett, ihren warmen Körper an mich gekuschelt, und ich küsste sie nicht unter den Bäumen des Jardin du Luxembourg, und ich schlenderte nicht mit ihr entang der Seine oder durch die Gassen der Île de Saint-Louis, und ich schlief nicht mit ihr in der Nacht im schmalen, französischen Bett auf dem Hotelzimmer. Diese Zeiten würden kommen, ein andermal. Unterdessen fand ich Mittel und Wege, mich selbst zu beschäftigen.
Ich war an einen fernen, fremden Ort gereist, aber so fern und fremd war er mir garnicht. Er schien mir sehr vertraut, und ich fand mich bald zurecht, und es war mir wie ein alter, bekannter Ort, und ich war sehr glücklich.
Freitag, August 17, 2007
Contribute a Verse
Ich musste an Walt Whitman denken, und an die Poesie des Lebens und an all die seltsamen Menschen dieser Welt, sie und mich eingeschlossen - dass die meisten die meiste Zeit einfach nur versuchten, ihr Bestes zu tun... Und ich war verliebt in die Welt, in diesem Augenblick, und ich war verliebt in sie, und die Zuneigung zu ihr war es, die den Augenblick überdauerte.
O ME! O LIFE! (Walt Whitman)
O me! O life! of the questions of these recurring,
Of the endless trains of the faithless, of cities fill’d with the foolish,
Of myself forever reproaching myself, (for who more foolish than I, and who more faithless?)
Of eyes that vainly crave the light, of the objects mean, of the struggle ever renew’d,
Of the poor results of all, of the plodding and sordid crowds I see around me,
Of the empty and useless years of the rest, with the rest me intertwined,
The question, O me! so sad, recurring – What good amid these, O me, O life?
Answer.
That you are here - that life exists and identity,
That the powerful play goes on, and you may contribute a verse.
Und alle Verse, die ich gerade beitragen mochte zum "mächtigen Spiel", trugen sie in sich...
Labels: factual, general thoughts, meditations, places
Sonntag, Juni 24, 2007
Mal wieder nach langer Zeit
Die letzten zwei Tage war ich krank. Ich wachte am Morgen des 22. auf, stürmte, von einem gnädigen Instinkt getrieben, ins Bad und schiss die Toilette voll. Danach alle zehn Minuten das gleiche. Dann wurde mir heiß und kalt, und mir wurde schwindlig. Mittags konnte ich mich kaum noch auf den Beinen halten. Also legte ich mich ins Bett, deckte mich zu bis zu den Ohren und fiel in eine Art Ohnmacht, die mich gnädig und freundlich bis zum Abend umfing. Ich war am Ende. Ich hatte Fieber, Schüttelfrost und Magenkrämpfe. Ich wurde zu schwach zum Gehen und zum Stehen, Liegen bekam ich gerade noch so hin, auch wenn mir jeder Muskel meines Körpers schmerzte. Ich aß nichts und trank nichts. Es ging mir beschissen. Ich dämmerte vor mich hin und wartete, dass irgendetwas anders wurde.
Das war dann wohl auch das Schlaueste, was ich machen konnte. Die Nacht verging unruhig, in schweißgetränkten Laken und mit viel Weh und Ach. Ich jammerte gerne, besonders wenn es Grund zum Jammern gab. Aber am nächsten Morgen war ich zwar nicht fit, aber wieder soweit hergestellt, dass ich feste Nahrung zu mir nehmen und, unter Einsatz einer Packung Immodium, auch bei mir behalten konnte. Am Abend spielte ich einen Gig in Freiburg, und ich spielte ihn nicht einmal schlecht. Der perfekte Musiker: Stöpselt mich erstmal ein, begraben könnt ihr mich später. Schickt den Scheck an meine arme Mutter. Wenn es denn einen Scheck gegeben hätte.
Letzte Nacht in Freiburg träumte ich dann von C. Nichts Besonderes, gerade genau die Dinge, die uns auch in unserer Beziehung immer so gefesselt hatten. Es ging um irgendeine Auseinandersetzung mit ihr und meinen Eltern oder so etwas. Das Übliche also. Dennoch dachte ich oft an sie. Sie fehlte mir sogar – der Mensch, der sie vor ihrer Arbeit gewesen war, der fehlte mir. Es hätte wohl niemals und unter keinen Umständen gut ausgehen können, das dämmerte mir langsam. Aber es war trotzdem eine traurige Geschichte, und wir hatten viele gute Zeiten und Dinge erlebt, auch wenn die im Trott des immer gleichen Zwistes zuletzt etwas untergegangen waren. Dennoch verdankte ich ihr viel, so wie sie mir viel verdankte. Und ich dachte an sie und war traurig, denn es war eine gute Zeit gewesen, und wir hatten uns einmal geliebt, und dann waren wir gute Freunde gewesen, und nun waren wir gar nichts mehr.
Life was the hardest thing.
Alles Leben war Leiden. Alles Erleben war Leiden. Ich wusste es, aber es änderte keinen Deut an dem, was ich fühlte und was ich erlitt. Es waren nicht einmal große Katastrophen, die mich bestürmten, nur kleine Alltäglichkeiten, wie sie in jedem Leben auf dieser Erde dutzendfach auftraten. Doch mit den großen Katastrophen konnte man anders umgehen, ihre Einmaligkeit rechtfertigte das Leid, das man empfinden mochte. Die kleinen Katastrophen jedoch machten uns hilflos. Wir litten, und nichts rechtfertigte unseren Schmerz, außer der Tatsache, dass wir am Leben waren. Und das änderte sich selbst dann nicht, wenn die Katastrophen eigentlich unserem Leben dienlich sein mochten.
Noch dazu war ich zwischen zwei Städten hin- und hergerissen. Meine Heimat mochte in Konstanz sein, einstmals und wieder, doch auch in Freiburg hatte ich es in meiner kurzen Zeit dort geschafft, so etwas wie ein Leben aufzubauen. Ich hatte es gestern Abend gemerkt. Ich spielte den Gig nicht einfach nur mit irgendwelchen Musikern, sondern ich spielte mit Freunden, denen ich mich verbunden fühlte und die Anteil nahmen. Diese Verbundenheit war der letztliche Grund gewesen, warum ich den Weg über den Schwarzwald auf mich genommen hatte; ihre Anteilnahme gab mir die Standhaftigkeit, den Abend durchzustehen.
Auch die Stadt selbst rührte mich jedes Mal, wenn ich wieder dort war. Es war ein wunderbarer Ort am Ende der Welt. Wo Konstanz eine Öffnung und ein Beginn gewesen war, oder, wie jetzt, ein Zwischenstadium, da war Freiburg zwar eine Sackgasse – für mich und mein Leben war es das tatsächlich in jeder Hinsicht gewesen. Doch war es eine der schönsten Sackgassen der Welt, und ich genoss es, über den Schwarzwald dorthin zurückzukehren, am Tag über die KaJo zu schlendern oder an der Dreisam zu flanieren und am Abend durch die Kneipen zu ziehen. Ich kannte die Straßen und Wege und meine alten Orte und die Ansichten, die sich mir boten. Nichts überraschte mich, und alles war bekannt. Ich ging durch die Stadt und hatte das Gefühl von Zuhause. Nicht von Heimat, wie am See, aber von jener tiefen Vertrautheit, die sich manchmal in unseren Herzen einstellt, wenn wir einen Ort einmal in jenen Bereich einlassen, der sonst den Menschen vorbehalten ist. Freiburg war ein wunderbarer Ort, und eigentlich war an ihm nichts verkehrt gewesen. Es war nur das falsche Leben an diesem Ort gewesen.
Ich war nun vorerst wieder Konstanzer, daran war nicht zu rütteln, noch wollte ich es. Aber ich hatte nun noch einen weiteren Ort in meinem Leben, und ich würde ihn auch noch kennen und schätzen, wenn ich in zwanzig Jahren dorthin zurückkehren würde, und das war eine verrückte Sache.
Montag, Dezember 04, 2006
Erwachsenwerden in Amerika
Ich jedenfalls fühlte mich wohl an diesem Ort. Das tägliche Sankt Georgen war ungemein ländlich. Bei Nacht lag es einsam und isoliert in den Weiten der endlosen Prärie der Seele, so wie die Menschen nachts alleine auf den Planeten ihres eigenen Seins durch die Unendlichkeit des eigenen Geistes rotierten. Vielleicht war es bei Nacht ein Spiegel, der mir die weiten Strecken zwischen den Stationen meines eigenen Herzens zeigte.
Wir hatten an diesem Wochenende unseren ersten Besuch von außerhalb empfangen. Ganz offizielle Gäste in der ganz offiziellen Version unseres ganz neuen Lebens. Es war aufregend, und es war vollkommen neu. Wir taten keine außergewöhnlichen Dinge, entfalteten keine außergewöhnlichen Aktivitäten und standen vor keinen besonderen Herausforderungen – aber wir hatten neue Rollen, wie sie einem im Laufe der Entwicklung des eigenen Lebens zufallen, und wir streckten und dehnten uns in ihren noch ungewohnten Hüllen und versuchten sie auszufüllen, mit einer gewissen Freude und Spannung und einer glücklichen Unruhe in den Herzen. Ich fühlte mich an meine Kindheit erinnert, an jene Wochenenden, jene Abende und Nächte, wenn meine Eltern Freunde aus ihrer Studienzeit einluden, und das ganze Haus voller Erwachsene war, die wir nicht immer kannten und die neu und unbekannt und aufregend waren, und groß gekocht und gegessen wurde; und wenn es dann für uns an der Zeit war, ins Bett zu gehen, öffneten die Erwachsenen noch eine Flasche Wein, und wir hörten durch die geschlossenen Türen unserer Zimmer, wie sie sich unterhielten über Dinge, die wir manchmal verstanden und öfter nicht, und wir hatten diese Ahnung einer anderen Welt, die da in dieser weit entfernten Zukunft lag, uns noch so weit voraus, und die dennoch so spannend und begehrenswert im Grau des Kommenden lockte, jene Welt des lange Aufbleibens, des Weintrinkens, des lauten, glücklichen Lachens über vergangene, geteilte Geschichten, die wir erst noch erleben mussten, und der Gespräche über jene komplizierten Dinge, die Erwachsenwerden bedeuteten.
Als wir am späten Samstagabend bei der zweiten Hälfte einer Flasche Wein und einem hervorragenden Whisky auf dem Sofa in unserem neuen Wohnzimmer beisammen saßen (und, typisch Psychologen, nicht nur über unsere geteilten Geschichten, sondern auch über das komplizierte Verhältnis zwischen dem Weltbild der Systemischen Therapie und des Zen-Buddhismus sprachen, ausgerechnet), da merkte ich, wie wir nun diese Rolle ausfüllten, die unsere Eltern damals gefüllt hatten, dass sie uns an dieser Stelle unseres Lebens in den Schoß zugefallen war, und mit einem Mal kam ich mir ziemlich alt vor – alt genug jedenfalls, um zu sagen, dass die unschuldigen und träumerischen Tage meiner Kindheit nun endgültig vorüber waren.
(Manche merkten das früher. Ich merkte es immer wieder.)
Labels: general thoughts, meditations, places
Donnerstag, November 30, 2006
Kofi-Time
Es war mein erster Besuch überhaupt bei Starbuck’s. Ich hatte eigentlich nie viel von einer solchen Kette gehalten. Solange ich konnte, zog ich das Voglhaus vor. Die Preise waren sowieso die gleichen, und das Flair des Voglhauses unbezahlbar. Jetzt war das Voglhaus allerdings Geschichte, Teil meiner von Tag zu Tag weiter zurückliegenden Vergangenheit. An einem neuen Ort suchte ich neue Orte, und so landete ich heute tatsächlich im Starbuck’s.
Junge Menschen wüteten hinter der Theke mit einer beängstigenden Energie und Entschlossenheit. Eine junge Dame in schwarz und blond nahm meine Bestellung auf, garniert mit einem Lächeln, das mich zurücktaumeln ließ. Es war umwerfend. Sie sah aus, als sei sie von mir entzückt, ihre Augen leuchteten, und ihre Zähne blitzten weiß. Als wollte sie mich auffressen. „Sagen Sie mir Ihren Vornamen?“, fragte sie mich. Verdattert gab ich ihn ihr. Diese Masche war sogar mir neu. Wie hieß sie eigentlich? Wahrscheinlich Miranda oder so ähnlich, ein süßer und ein wenig klebriger Name, anziehend und sündig. Sie ihrerseits bedankte sich mit einer weiteren Variation ihres Lächelns, Sorte „Vertrauensbildend“, und sagte: „Ich werde Sie aufrufen, wenn Ihr Kaffee fertig ist.“ So war das also.
Abgesehen vom Service und den Preisen aus Fantasialand war Starbuck’s nichts Besonderes. Aus versteckt angebrachten Lautsprechern dudelte lockerer Swing und die Einrichtung verströmte das Flair schwedischer Möbelhäuser, aber das hatte ich beides schon zuhause, und besser. Sie hatten allerdings Lounge-Sessel, von denen ich einen ergatterte; ach ja, und der Kaffee war hervorragend. Er war frisch gebrüht und fuhr mir mit seinem Koffein direkt in meine Amygdala oder so ähnlich, ich war mir nicht mehr sicher – aber das machte nichts, ich hatte sowieso immer schon sehr großzügig gezielt.



