Verdummungswarnung: Professor ohne Ahnung, ohne Aufrichtigkeit
Professor Doktor Gerhard Schulze verbreitete in der WELT seine bescheidene Meinung zum Klimawandel (>>). Er war Soziologe. Damit mochte er gut aufgestellt sein, um etwas über die Gesellschaft zu sagen. Der Klimawandel hingegen gehörte vermutlich nicht zu seinen Kernkompetenzen. Das war erstmal nicht schlimm. Ich war ja auch nur ein Psychologe und kein Klimaforscher. Ernst wurde es erst dann, wenn man mit seinem legitimen Nichtwissen nicht umzugehen wusste – und in dieser Kategorie war Herr Schulze ein Musterbeispiel, Doktor hin und Professor her. Tatsächlich war der Artikel in der WELT so schlecht, dass ich ihn hier mit Freude sezieren wollte als Beispiel für unlauteren Journalismus und, nein, nicht schlechte Wissenschaft, sondern absolute Unwissenschaftlichkeit per se. Schade drum. Von einem Professor für Empirische Sozialforschung sollte man Besseres erwarten können. Aber sei’s drum. Man sollte, bei Licht besehen, auch von Bundeskanzlern und gewählten Volksvertretern Besseres erwarten können. Man tat’s aber nicht mehr, und man hatte seine Gründe.
Herr Schulze begann mit einer großen Gesamtschau:
Nach all diesen falschen Pseudobeispielen, die seine folgende Aussage stützen sollten, dies aber nicht taten, schloss Herr Schulze (für die bessere Wirkung hier wiederholt) mit den Worten:
Immerhin gab Herr Schulze seine Unbelecktheit in diesem Thema zu:
Der folgende Abschnitt entlarvte Herrn Schulze endgültig als einen, der entweder keine Ahnung hatte oder, schlimmer noch, eine solche sein eigen nannte, sie wider besseres Wissen aber für sich behielt:
95 Prozent des Kohlendioxids in der Erdatmosphäre waren nicht menschengemacht. Sie waren vielmehr der „natürliche“ Umschlag dieses Gases, freigesetzt durch Flora, Fauna und Geologie (Vulkane beispielsweise). Die anderen fünf Prozent waren das Problem, denn diese kamen von uns, durch Industrie, Verkehr und Landwirtschaft. Für die Einfachheit des Arguments sei an dieser Stelle angenommen, dass sie linear waren, also jedes Jahr mehr oder minder fünf Prozent hinzu kamen. Diese fünf Prozent sammelten sich an, denn sie blieben in der Atmosphäre. Die natürlichen CO2-Senken, also jene Orte, in denen die „natürlich“ erzeugten 95 Prozent des CO2s endeten, waren für sie nicht ausgelegt. Wälder und Ozeane konnten nur soviel Kohlendioxid aufnehmen, irgendwann war Schluss – besonders, wenn man die Wälder nach wie vor abholzte, anstatt sie zu erhalten, aus welchen Gründen auch immer. Wenn man nun zu einem System Jahr um Jahr fünf Prozent von etwas hinzufügte, so sah das dann aus:
Das nannte
sich eine Exponentialfunktion. Herr Schulze hatte sicherlich schonmal von so einer gehört. Wenn man sich entsprechend die Entwicklung des menschengemachten Kohlendioxidanteils in der Atmosphäre dachte, war das noch der Flügelschlag eines Schmetterlings? Oder nicht eher ein Schlag mit dem Vorschlaghammer?
Zum CO2 an dieser Stelle aber erst folgendes: Kohlendioxid war einfach eines der potentesten Treibhausgase, die es in der Atmosphäre gab. Vom Wasserstoff gab es mehr, aber der stammte nicht von uns Menschen; Methan und Ozon waren stärkere Treibhausgase, aber in der Menge (noch) im direkten Vergleich verschwindend gering. Der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre hingegen entwickelte sich laut Datenlage wie folgt:
Das Argument mit der angeblichen Pause des Klimawandels war hingegen schon so oft wiedergelutscht worden, dass man annehmen sollte, inzwischen hätte sich herumgesprochen, dass nichts daran war. Aber als Strohmannargument diente es offenbar noch immer vorzüglich. Die vollständige Widerlegung des Pseudoarguments gab es hier auf RealClimate (>>).
Ich kürzte nun ein bisschen ab, neue Argumente von Seiten Herrn Schulzes kamen sowieso nicht mehr. Er endete schließlich mit den pathetischen Worten:
„Ach nö, die ist ja scheiße, die Vorhersage. Die stimmt doch sicher eh nicht“, „Mein Onkel/Schwippschwager/Freund eines Freundes meint, dass das sowieso nicht stimmen kann (eigentlich: darf)...“, „Und dann nich mehr Auto fahren oder was?“, „Belastungen der deutschen Industrie sind mit mir nicht zu machen“, und so weiter und so fort.
Sicherlich, wir konnten uns dafür entscheiden, und falsch zu entscheiden. Scheiß aufs Klima, scheiß auf den Rest der Welt, war ja alles nicht erwiesen (wenn man sich dafür entschied, die Fakten zu ignorieren), Rotwein für alle, auch in Schweden, und weiter wie bisher! „Nach uns die Sintflut!“ – und vermutlich ahnte wieder mal keiner, wie Recht er oder sie damit letztendlich haben würde...
Das Klima war nämlich ein selbstregulierendes System, sicherlich - nur leider nicht mit einem anthropozentrischen Balancepunkt. Auch zu Zeiten der Dinosaurier war es hier auf Erden gemütlich - für die Dinosaurier.
Artikel wie dieser Essay Gerhard Schulzes leisteten einen wertvollen Beitrag zu dieser sich der Realität verschließenden Realitätsauffassung (>>). Im Nachgang muss man jedenfalls feststellen: Herr Schulze hatte sich entweder
Herr Schulze begann mit einer großen Gesamtschau:
In den Gewässern Europas kann man unbesorgt baden, verspricht der Badegewässerbericht der Europäischen Kommission von 2007. In der ehemaligen Chemiekloake Bitterfeld trifft man auf Erholung suchende Touristen. Sogar im Ruhrgebiet hat die Luft beste Kurortqualität. Das Waldsterben ist ausgeblieben. Die Sahara dehnt sich nicht mehr aus, an ihren Rändern wachsen neue Bäume, die Wüste ergrünt. Es ist etwas wärmer geworden auf der Welt, und das ist auch gut so! Warmzeiten waren erdgeschichtlich immer gute Zeiten: Reiche Ernten, Artenvielfalt, mehr Fortschritt und ein leichteres Leben für alle.Leider hatte das erstere mit dem letzteren nichts zu tun. Garnichts. Die Gewässerqualität Europas hängt nicht an einer Erwärmung, sondern an Kläranlagen, am Umweltschutz also. Gleiches gilt für Bitterfelder und ruhrgebietliche Erholungsluft, und das Ausbleiben des Waldsterbens. Hier waren es der Niedergang der Stahl- bzw. Chemieindustrie und die Einführung des Katalysators, aber nicht die globale Erwärmung. Die Sahara dehnte sich übrigens noch immer aus. Und die Bäume, die dort dennoch wuchsen, wuchsen nicht aus einer Laune der Natur und weil es dort so schön warm war, sondern weil die Menschen dort versuchten, der fortschreitenden Desertifikation Einhalt zu gebieten (>>). Sie waren von Menschen gepflanzt, diese Bäume, nicht vom guten Wetter.
Nach all diesen falschen Pseudobeispielen, die seine folgende Aussage stützen sollten, dies aber nicht taten, schloss Herr Schulze (für die bessere Wirkung hier wiederholt) mit den Worten:
Es ist etwas wärmer geworden auf der Welt, und das ist auch gut so! Warmzeiten waren erdgeschichtlich immer gute Zeiten: Reiche Ernten, Artenvielfalt, mehr Fortschritt und ein leichteres Leben für alle.Genau, richtig doch! Einen Platz an der Sonne für jeden! Wen interessierten schon die klimatischen Folgen für Ernten in Indien und China oder irgendwo in Afrika! Please! Hier gab es ja genug zu essen und zu trinken. Sonnenschein und ein kühles Bier, so mochte auch der Herr Soziologe seinen Sommer am liebsten! Aber weiter im Text.
Immerhin gab Herr Schulze seine Unbelecktheit in diesem Thema zu:
Wie kann ein einfacher Soziologe den Klimawandel herunterspielen, wo wir doch Milliarden dafür ausgeben, ihn endlich in den Griff zu bekommen? Will er als ahnungsloser Laie etwa abstreiten, dass die Malediven im Meer versinken, die Polkappen schmelzen und die ganze Welt sich langsam in einen Glutofen verwandelt?Ein ahnungsloser Laie, sehr richtig. Si tacuisses, philosophus mansisses. Leider hielt die Bescheidenheit nicht lange an, sondern schlug unversehens um in einen weiteren Versuch, den existierenden Konsens über globale Erwärmung und ihre Realität ins Lächerliche zu ziehen:
Wenn wir nicht endlich etwas tun, werden Monsterwellen New York unter sich begraben, da sind besorgte Filmemacher und Experten sich einig. Der Mensch killt die Erde, weil er eine Industrie betreibt, weil er Auto fährt, Städte bewohnt, Fernreisen macht, Wohnungen heizt und Glühbirnen benutzt.Nein, Filmemacher und Experten waren sich da nicht einig. Roland Emmerich hätte wohl zugestimmt, aber den Experten einen solchen Stuss in den Mund zu legen, war mindestens unredlich, und im Übrigen schlichtweg falsch, man konnte auch sagen: eine Lüge. Der Rest des Absatzes entsprach hingegen vermutlich den Tatsachen, denn was Herr Schulze da aufzählte, war nun einmal das, was man landläufig „Zivilisation“ nannte und mit sogenannten Klimagasen (vulgo CO2) zusammenhing, und das war, wiederum im Konsens jener Wissenschaftler, die sich damit auskannten, einer der Gründe für den Klimawandel.
Der folgende Abschnitt entlarvte Herrn Schulze endgültig als einen, der entweder keine Ahnung hatte oder, schlimmer noch, eine solche sein eigen nannte, sie wider besseres Wissen aber für sich behielt:
Jeder einigermaßen kluge Kopf kann sich an einem Wochenende mit dem Hauptargument der Klimaschützer vertraut machen. In den letzten 150 Jahren hat sich der CO2-Gehalt der Luft von 0,028 auf 0,038 Prozent erhöht, also um etwa 0,01 Prozent der Atmosphäre. Auf die Frage, warum eine so winzige Menge Bedeutung haben soll, gibt uns die Chaostheorie eine fast schon volkstümliche, wegen ihrer Poesie allseits beliebte Antwort: Weil der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Taifun auslösen kann.Wer immer wenigstes ein wenig von Chaostheorie verstand, dem war der Ausdruck des „Tipping Points“ (frei übersetzt als „Umschlagpunkt“) ein Begriff. Wenn man davon nichts wusste, dann vielleicht wenigstens Dinge wie exponentielle Funktionen und exponentielles Wachstum, wovon man als Professor für Empirische Sozialforschung wenigstens schon einmal etwas gehört haben sollte, im Vorübergehen gewissermaßen. Um solche handelte es sich hier nämlich, bei diesen „lächerlichen“ Mengen von 0,01 Prozent der atmosphärischen Gase. Mit Schmetterlingen und ihren Flügelschlägen hatte das nichts zu tun, außer man wollte den Problemkomplex als Ganzes ins Lächerliche ziehen; eher mit natürlichen CO2-Senken und deren Erschöpfung.
95 Prozent des Kohlendioxids in der Erdatmosphäre waren nicht menschengemacht. Sie waren vielmehr der „natürliche“ Umschlag dieses Gases, freigesetzt durch Flora, Fauna und Geologie (Vulkane beispielsweise). Die anderen fünf Prozent waren das Problem, denn diese kamen von uns, durch Industrie, Verkehr und Landwirtschaft. Für die Einfachheit des Arguments sei an dieser Stelle angenommen, dass sie linear waren, also jedes Jahr mehr oder minder fünf Prozent hinzu kamen. Diese fünf Prozent sammelten sich an, denn sie blieben in der Atmosphäre. Die natürlichen CO2-Senken, also jene Orte, in denen die „natürlich“ erzeugten 95 Prozent des CO2s endeten, waren für sie nicht ausgelegt. Wälder und Ozeane konnten nur soviel Kohlendioxid aufnehmen, irgendwann war Schluss – besonders, wenn man die Wälder nach wie vor abholzte, anstatt sie zu erhalten, aus welchen Gründen auch immer. Wenn man nun zu einem System Jahr um Jahr fünf Prozent von etwas hinzufügte, so sah das dann aus:
Das nannte
Auch andere Faktoren, also sozusagen andere Schmetterlinge verändern seit Jahrmillionen das Klima, wahrscheinlich sogar sehr viel mehr, aber man weiß es nicht genau. Das Klimageschehen ist komplex und weitgehend unerforscht. Das ist jedem bekannt, der sich mit der Materie beschäftigt. Trotzdem bleiben beim Klimaschutz alle Faktoren außer CO2 unberücksichtigt. Warum ist das so?Auch hier offenbarte Herr Schulze vor allem anderen eine hervorragende Unkenntnis verfügbarer Quellen. Ja, es gab andere Faktoren. Doch, man wusste bereits einiges darüber. Ja, das Klimageschehen war komplex (man denke nur an den täglichen Wetterbericht, oder gar die -vorhersage). Und nein, es blieben nicht alle anderen Faktoren unberücksichtigt.
Zum CO2 an dieser Stelle aber erst folgendes: Kohlendioxid war einfach eines der potentesten Treibhausgase, die es in der Atmosphäre gab. Vom Wasserstoff gab es mehr, aber der stammte nicht von uns Menschen; Methan und Ozon waren stärkere Treibhausgase, aber in der Menge (noch) im direkten Vergleich verschwindend gering. Der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre hingegen entwickelte sich laut Datenlage wie folgt:
Die CO2-Konzentration in den letzten 10.000 Jahren blieb relativ konstant bei 280 ppm. Die Bilanz des Kohlenstoffdioxidkreislaufes war somit in dieser Zeit weitgehend ausgeglichen. Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre auf bislang 385 ppm (2008). In den Jahren von 1960 bis 2005 stieg der CO2-Anteil im Mittel um 1,4 ppm pro Jahr. In den 10 Jahren von 1995 bis 2005 betrug die jährliche Anstiegsrate 1,9 ppm. Einer Untersuchung des Global Carbon Projects aus dem Jahr 2008 zufolge ist in den Jahren 2000 bis 2007 der CO2-Ausstoß viermal schneller gestiegen als noch im Jahrzehnt davor.Zusammengefasst: Der CO2-Gehalt stieg. Das Gas wurde von uns in signifikanten Mengen produziert. Die natürlichen Kohlenstoff-Senken konnten es nicht aufnehmen. Es akkumulierte in der Atmosphäre. Der Planet wurde langsam, aber sicher (und exponentiell) wärmer. Also warum zum Kuckuck sollte man nicht versuchen, den CO2-Ausstoß zu regulieren? Mein Gott, sogar Schulze kapierte das, wenigstens das:
(Quelle: Wikipedia)
Eine Antwort ist: Der Mensch kann die anderen Faktoren, zum Beispiel Sonne, Wolken, Schnee oder kosmische Strahlung, nicht beeinflussen. Was er beeinflussen kann, ist der CO2-Ausstoß - den Flügelschlag eines Schmetterlings im komplexen Klimasystem der Erde.Yeah, und es war kein Schmetterling, sondern ein Vorschlaghammer. Also warum nicht das Ding nehmen und beiseite legen, anstatt eine Wand nach der anderen einzuhauen? Ja, warum eigentlich nicht?
Die vermessene Idee, um beinahe jeden Preis die globale Durchschnittstemperatur regulieren zu wollen, enthält drei Grundannahmen, die mir nicht einleuchten.Die Argumentation als solche war Unsinn: Welchen Sinn hatte es, das Steuer eines Wagens herumzureißen, um an einem entgegenkommenden Baum vorbeizusteuern, wenn auf den Straßen andere Fahrzeuge, Lastwagen gar, unterwegs waren, die wir nicht beeinflussen und die uns jederzeit rammen und ums Leben bringen konnten? Tja, wozu überhaupt noch handeln? Tatsache war, dass der Anstieg der CO2-Konzentration und die Realität der globalen Erwärmung wissenschaftlicher Konsens waren, und dass es Mittel und Wege gab, dagegen anzugehen. Besser als das wurde es nicht. Mehr Sicherheit konnte man nicht erlangen, und nur deshalb gegen eine erkannte Gefahr nicht vorzugehen, weil es noch viele andere gab und diese vielleicht auch ihre Finger im Spiel hatten, war Unsinn. Es war sogar mehr, es war zutiefst fahrlässig. Und auch für fahrlässige Tötung konnte man in den Knast gehen.
Erstens: Wir verursachen den Klimawandel, also können wir ihn auch wieder abstellen. Was ist in diesem Fall mit den anderen Faktoren, die eine Rolle spielen? Auch sie sind, um im Bild zu bleiben, Schmetterlinge, die mit den Flügeln schlagen. Halten die alle still, nur weil wir die Welt retten wollen?
Zweitens: Wer die Klimaerwärmung seit Beginn der Industrialisierung pathologisch nennt, muss eine Vorstellung davon haben, was normal ist. Was ist ein normales Klima? Diese Frage muss offenbleiben, denn normal ist nur eines: Das Klima ändert sich fortwährend. Seit Jahrmillionen, auch ohne menschengemachtes CO2.Auch das war so irrelevant, wie es richtig war. Sicherlich änderte sich das Klima fortlaufend. Im Devon-Zeitalter war es lauschig warm, im Pleistozän eher kalt. Im einen von beiden zu leben würde allerdings keinen großen Spaß machen. Der Verweis auf natürliche Klimavariation war Unsinn, denn um diese ging es hier nicht: Es ging vielmehr um die Möglichkeit, 6,8 Milliarden Menschen recht und schlecht überleben zu lassen, und wenn man diesen Ansatz zugrundelegte, dann nützten Klimavarianz und Konsorten gar nichts, dann musste man zusehen, dass der Meeresspiegel bleib, wo er war, im Großen und Ganzen zumindest, und genügend Nahrung zur Verfügung stand (was schon wieder ein ganz anderer und ebenso schlimmer Problemkomplex war). Aber so zu tun, als könne man sowieso nichts machen, war wiederum nichts Anderes als fahrlässig oder zumindest faul, und von beidem hatte keiner was, nicht einmal der Faule selbst.
Drittens: Trotz aller Freiheiten, die das Klima sich nimmt, haben viele Klimaschützer einen ganz bestimmten Bezugspunkt, und das ist die Zeit vor Beginn der Industrialisierung. Damals, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, endete in Europa die vorläufig letzte Kaltperiode, die sogenannte Kleine Eiszeit. An ihr scheiterte die Expedition Sir John Franklins auf der Suche nach der Nordwestpassage, von ihr erzählt die Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts. Sie sorgte in ganz Europa für Hunger und Not. Die Winter waren lang und kalt, die Sommer verregnet, die Ernten schlecht. Vor dieser Eiszeit begünstigte eine lang andauernde Warmzeit die Geschicke Europas. Sie brachte eine nie da gewesene kulturelle und wirtschaftliche Blüte, sie erlaubte bis in den hohen Norden hinauf den Weinbau und andere Annehmlichkeiten. Würden Klimaschützer diese Warmzeit in ihr Normalitätsmodell mit einbeziehen, hätten wir kein Problem. Es wäre nicht wärmer, als es schon einmal war, und niemand müsste sich Sorgen machen.Die Kleine Eiszeit als globale Erscheinung war mittlerweile umstritten, umstrittener jedenfalls als die globale Erwärmung. Wen es genauer interessierte, der mochte auf Wikipedia nachlesen (>>). Aus der Perspektive der Nordhalbkugel war wärmer sicherlich ganz toll: Wein für alle, schneefreie Winter und Kulturelle Blüten! Wie großartig. Was Herr Schulze geflissentlich ausblendete, waren die vorliegenden Daten, die als solche nicht disputabel waren:
Seit wenigstens 650.000 Jahren lag der Anteil jedoch immer unterhalb von 280 ppm. Die CO2-Konzentration in den letzten 10.000 Jahren blieb relativ konstant bei 280 ppm. Die Bilanz des Kohlenstoffdioxidkreislaufes war somit in dieser Zeit weitgehend ausgeglichen. Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre auf bislang 385 ppm (2008).Das CO2 war da. Sein Anstieg fiel mit der Industrialisierung zusammen. Es wurde mehr. Wir kannten den verdammten Mechanismus des Triebhauseffekts, und man konnte extrapolieren, wie sich die Temperaturen verändern würden. Das bedeutete nicht nur Wein in Schweden, es bedeutete auch schmelzende Gletscher, schmelzendes Eis an den Polarkreisen, auftauende Tundra-Permafrostböden, freigesetzt werdendes Methan (ein Treibhausgas, gegen das CO2 ein billiger Witz war), steigende Meeresspiegel, all solche Dinge. Aber Hauptsache, Europa hatte es warm und gemütlich. Mir fehlten die Worte angesichts solcher Unverfrorenheit.
(Quelle: Wikipedia)
Der von den Klimaschützern erwartete dramatische, unheilvolle, katastrophale Klimawandel beruht auf Prognosen, Computersimulationen und einer selektiven Auswahl von CO2-Messwerten, wie Kritiker ebenfalls beklagen.Worauf sollten sie denn sonst beruhen, Himmelherrgott? Sollten wir warten, bis die Hütte unbestreitbar brannte, bevor wir uns Gedanken über die Feuerwehr machten? Benutzten Sie Ihr Hirn, Schulze! Es befand sich vermutlich irgendwo zwischen Ihren Ohren!
Mithilfe solcher spekulativen Daten wird dann zum Beispiel vorausgesagt, dass die Malediven demnächst im Meer versinken. Aktuell sind sie jedoch nicht vom Untergang bedroht, da der Meeresspiegel viel geringfügiger ansteigt als vorausgesagt. Auch der Klimawandel selbst macht seit einigen Jahren eine Pause, es wird nicht mehr wärmer.Wieder das gleiche: Weil ich es jetzt nicht sehen kann, wird es auch in der Zukunft nicht eintreten. Das war lineares Denken, und es war einer der größten denkbaren logischen Kurzschlüsse. Was kümmerte mich die Sintflut morgen! War doch hier und jetzt noch alles in Ordnung mit dem verdammten Ding! Die Malediven gingen jetzt nicht unter, also würden sie es auch morgen nicht tun. Wer wollte einer solchen Logik widersprechen?
Das Argument mit der angeblichen Pause des Klimawandels war hingegen schon so oft wiedergelutscht worden, dass man annehmen sollte, inzwischen hätte sich herumgesprochen, dass nichts daran war. Aber als Strohmannargument diente es offenbar noch immer vorzüglich. Die vollständige Widerlegung des Pseudoarguments gab es hier auf RealClimate (>>).
Trotz aller berechtigten Zweifel an der Idee des Klimaschutzes findet ein Diskurs nicht statt. Aber wie lange noch lässt sich eine Diskurskultur fortführen, in der Skepsis beschimpft und offen gefragt wird, ob Demokratien überhaupt geeignet sind, den Herausforderungen des Klimaschutzes zu begegnen?Die „berechtigten Zweifel“ waren, wie wir gesehen hatten, unberechtigt. Ein Diskurs fand statt: ein Blick in die entsprechenden Journals und Veranstaltungen sollte genügen, um das zu erkennen. Skeptiker wurden nicht beschimpft, sondern durften offenbar sogar in der WELT publizieren. Und die Frage nach der angeblichen Eignung oder Nicht-Eignung von Demokratien war reine Augenwischerei, dazu gedacht, den Diskurs aus dem Bereich wegzunehmen, wo der Autor Schulze verlieren musste, nämlich dem Reich der Fakten, und ihn ins wertend-politische zu überführen, wo man weiterhin hervorragend um den heißen Brei reden konnte. Kein Klimaforscher forderte eine Klima-Diktatur, und nicht einmal der kleine Mann auf der Straße. Das war alles, was es zu diesem Phantasiegebilde Schulzes zu sagen gab.
Ich kürzte nun ein bisschen ab, neue Argumente von Seiten Herrn Schulzes kamen sowieso nicht mehr. Er endete schließlich mit den pathetischen Worten:
Wir sind die Geldgeber, und wir sind das Volk. Und je mehr auf dem Spiel steht, je mehr man uns abverlangt, desto mehr sind alle Beteiligten, also Wissenschaftler, Politiker und ihre Wähler zum Diskurs verpflichtet. Dieser findet jedoch nicht statt. Noch tragen wir brav alle Anstrengungen mit, aber die Anzeichen verdichten sich, dass wir unser gutes Geld für eine fixe Idee ausgeben. Es spricht alles dafür, dass das Klima bleibt, was es immer war: ein sich selbst regulierendes System.Ach wie hehr, und ach wie edelmütig. Nochmal: der Diskurs fand statt (beispielsweise hier (>>) ). Auf Politiker und Wähler zu verweisen, hatte wenig Sinn, denn das Problem gestaltete sich insgesamt folgendermaßen: Die Wissenschaft stellte fest, anhand der wissenschaftlichen Methode (>>), die das Beste war, was wir hatten und jemals gehabt hatten, dass die Temperatur stieg. Global. Ebenso wie der CO2-Gehalt der Atmosphäre. Sie überlegte sich, was das bedeuten und nach sich ziehen könnte, und die Folgen waren nicht so toll (siehe oben). Also schlugen sie Alarm, wie der Hahn auf dem Mist. Aufgabe erledigt. Das war es, wozu Wissenschaft da war: die Realität zu untersuchen und systematische Zusammenhänge zu erkennen. Sie war nicht da zum Kaffeekochen, nicht zum Wäscheaufhängen und auch nicht für die politischen Entscheidungen. Sie war dazu uns zu sagen, wie die Realität möglicherweise aussah und was auf uns zukam. Für die Entscheidungen waren wir zuständig, das Volk, und die Flaschen, die wir gewählt hatten. Was aber machten die und wir? Wir führten folgende Diskussion:
„Ach nö, die ist ja scheiße, die Vorhersage. Die stimmt doch sicher eh nicht“, „Mein Onkel/Schwippschwager/Freund eines Freundes meint, dass das sowieso nicht stimmen kann (eigentlich: darf)...“, „Und dann nich mehr Auto fahren oder was?“, „Belastungen der deutschen Industrie sind mit mir nicht zu machen“, und so weiter und so fort.
Sicherlich, wir konnten uns dafür entscheiden, und falsch zu entscheiden. Scheiß aufs Klima, scheiß auf den Rest der Welt, war ja alles nicht erwiesen (wenn man sich dafür entschied, die Fakten zu ignorieren), Rotwein für alle, auch in Schweden, und weiter wie bisher! „Nach uns die Sintflut!“ – und vermutlich ahnte wieder mal keiner, wie Recht er oder sie damit letztendlich haben würde...
Das Klima war nämlich ein selbstregulierendes System, sicherlich - nur leider nicht mit einem anthropozentrischen Balancepunkt. Auch zu Zeiten der Dinosaurier war es hier auf Erden gemütlich - für die Dinosaurier.
Artikel wie dieser Essay Gerhard Schulzes leisteten einen wertvollen Beitrag zu dieser sich der Realität verschließenden Realitätsauffassung (>>). Im Nachgang muss man jedenfalls feststellen: Herr Schulze hatte sich entweder
a) einen Scheißdreck um das Eruieren der vorliegenden Fakten gekümmert, dann ließ er jegliche Sorgfaltspflicht vermissen, um ein Tendenzstück zu konstruieren, oder
b) die Fakten zwar erkannt, sich aus persönlichen oder politischen Gründen jedoch dafür entschieden, sie zu ignorieren und das Gegenteil zu propagieren.Beides war, gelinde gesagt, unlauter und unverantwortlich. Schulze hatte einen einzigen Strohmann-Artikel geschrieben, und kaum eines seiner "Argumente" entsprach der Wahrheit, er drehte sie nur immer so, wie er sie gerade brauchte. Verdummung war für diesen Essay noch gar kein Ausdruck. Aber er stand ja auch in der WELT.
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