West of Hollywood
Es gab zwei Arten zu denken: Alltags-Denken und Hollywood.
Was ich damit meinte: Alltags-Denken war gar kein bewusstes Denken an sich, sondern das Sich-Treiben-Lassen in den Alltäglichkeiten meines Lebens, ohne besondere Aufmerksamkeit, alles hinnehmend, wie es eben gerade geschah. Ich erlebte mich dann als Erleidenden, die Dinge stießen mir zu. Ich unternahm nichts, und ich trieb nichts voran. Meine letzten Monate bei der SEgroup hatten diesen Geschmack gehabt und waren unter diesen Vorzeichen vergangen. Es war immer ein Leben umsonst, wenn ich in diese Geisteshaltung lebte. Soll heißen: Es war vergebens. Ich vegetierte wie eine Primel auf dem Hinterhof in der Sommerhitze.
Das andere war das Hollywood-Denken. Soll heißen, Denken wie in einem Film. Ich war dann Hauptdarsteller in (m)einem Drama, mit wechselnden Handlungssträngen, auf- und abgehenden Nebendarstellern und großen und kleinen Höhe- und Spannungspunkten. Im letzten Sommer, als S. zum ersten Mal am See gewesen war, war es so gewesen. Teilweise jetzt, diesen Sommer am See (es war lange her). Es bedeutete ein anderes Bewusstsein meiner selbst, eine Abart jenes Bewusstseins, das George Clooney wahrscheinlich die ganze Zeit über von sich hatte, wie ich ihm unterstellte: eine Bewusstheit der eigenen Bedeutung, der Einzigartigkeit des eigenen Lebens und der Dinge, die man in und mit diesem Leben erreichen wollte und konnte. Alle Dinge waren erreichbar; jede Handlung hatte das Gewicht eines bedeutenden Aktes, und jedes Wort die Schwere eines geschliffenen Dialogs. Ich sprach anders zu jenen Zeiten; ich ging und bewegte mich anders. Und ich sah mich anders: es war in einem gewissen Sinn die Tarnidentität eines Frank Powers‘, die dann in den Vordergrund rückte. Ich war dann selbstbewusst, und ich nahm kein Blatt vor den Mund. Nichts konnte mich verwunden, und nichts konnte mich, mein Dasein und dessen Bedeutung verringern. Ich war unzerbrechlich und unzerstörbar, außer durch Wasser. Mein Blick bekam eine andere Intensität: es war in diesen Momenten, in denen andere wie magisch von mir angezogen wurden und mir ihre Grüße entboten, diese Momente, in denen ich mich in ihre Leben einbrannte.
Diese beiden Arten über mich selbst zu denken bestimmten mein Leben, die eine zu oft, die andere nicht oft genug.
Was ich damit meinte: Alltags-Denken war gar kein bewusstes Denken an sich, sondern das Sich-Treiben-Lassen in den Alltäglichkeiten meines Lebens, ohne besondere Aufmerksamkeit, alles hinnehmend, wie es eben gerade geschah. Ich erlebte mich dann als Erleidenden, die Dinge stießen mir zu. Ich unternahm nichts, und ich trieb nichts voran. Meine letzten Monate bei der SEgroup hatten diesen Geschmack gehabt und waren unter diesen Vorzeichen vergangen. Es war immer ein Leben umsonst, wenn ich in diese Geisteshaltung lebte. Soll heißen: Es war vergebens. Ich vegetierte wie eine Primel auf dem Hinterhof in der Sommerhitze.
Das andere war das Hollywood-Denken. Soll heißen, Denken wie in einem Film. Ich war dann Hauptdarsteller in (m)einem Drama, mit wechselnden Handlungssträngen, auf- und abgehenden Nebendarstellern und großen und kleinen Höhe- und Spannungspunkten. Im letzten Sommer, als S. zum ersten Mal am See gewesen war, war es so gewesen. Teilweise jetzt, diesen Sommer am See (es war lange her). Es bedeutete ein anderes Bewusstsein meiner selbst, eine Abart jenes Bewusstseins, das George Clooney wahrscheinlich die ganze Zeit über von sich hatte, wie ich ihm unterstellte: eine Bewusstheit der eigenen Bedeutung, der Einzigartigkeit des eigenen Lebens und der Dinge, die man in und mit diesem Leben erreichen wollte und konnte. Alle Dinge waren erreichbar; jede Handlung hatte das Gewicht eines bedeutenden Aktes, und jedes Wort die Schwere eines geschliffenen Dialogs. Ich sprach anders zu jenen Zeiten; ich ging und bewegte mich anders. Und ich sah mich anders: es war in einem gewissen Sinn die Tarnidentität eines Frank Powers‘, die dann in den Vordergrund rückte. Ich war dann selbstbewusst, und ich nahm kein Blatt vor den Mund. Nichts konnte mich verwunden, und nichts konnte mich, mein Dasein und dessen Bedeutung verringern. Ich war unzerbrechlich und unzerstörbar, außer durch Wasser. Mein Blick bekam eine andere Intensität: es war in diesen Momenten, in denen andere wie magisch von mir angezogen wurden und mir ihre Grüße entboten, diese Momente, in denen ich mich in ihre Leben einbrannte.
Diese beiden Arten über mich selbst zu denken bestimmten mein Leben, die eine zu oft, die andere nicht oft genug.
Labels: general thoughts, George Clooney, meditations

