Freitag, November 13, 2009

Meinungsmache in Berlin

Ein friedlicher Donnerstagabend in Berlin. Albrecht Müller stellte sein neuestes Buch vor (>>): "Meinungsmache" (>>). Das klang erstmal recht beschaulich, wurde es aber nicht. Schon eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung war die Schlange vor dem Palais in der Kulturbrauerei lang, und der Saal selbst wurde gerammelt voll. Es gab ja auch interessante Beteiligung: Mit am Start an diesem Abend waren außer dem "großen Kritiker" Albrecht Müller der "große Populist" Oskar Lafontaine und der "große Neoliberale" Hans-Ulrich Jörges, das alles mehr oder minder moderiert von Sabine Adler, der Hauptstadt-Korrespondentin des Deutschlandfunks.

"Mehr oder weniger" in Sachen Moderation deshalb, weil es recht unmittelbar sofort beinhart zur Sache ging. Es gab da oben auf dem Podium aber auch alles, was eine gute Story braucht: einen hehren Helden in verzweifelter Mission (Albrecht Müller), einen üblen Bösewicht (Hans-Ulrich Jörges, der die Rolle eigentlich gar nicht wollte, sich dank Publikum und seiner eigenen unversöhnlichen Impulsivität aber dennoch sehr bald in dieser wiederfand und sie dann auch vorzüglich ausfüllte), einen strahlenden Ritter in weißer Rüstung (Oskar Lafontaine, der tatsächlich eine Glanzleistung ablieferte und auch eingefleischte SPD-Mitglieder im Publikum zu begeistern wusste (ich saß neben einem)), und eine Frau (Sabine Adler), als Quotenerfüllung sozusagen, ähnlich wie in jedem Katastrophenfilm. Zu moderieren hatte sie nämlich nicht viel, das erledigten die drei Herren gleich selbst, allen voran Hans-Ulrich Jörges, der besonders dadurch auffiel, dass er die anderen nicht ausreden lassen wollte, sondern immer noch verbal inkontinent ein paar Tröpfchen der eigenen Meinung nachschieben musste. Sein Mikrophon in Tateinheit mit seiner sonoren Stimme waren auch am lautesten, so dass es ihm allzu oft gelang.

Albrecht Müller präsentierte seine bekannten Thesen (nachzulesen unter anderem auch hier (>>), auf den Nachdenkseiten), die durch die ständige Wiederholung leider immer noch nichts an ihrer Aktualität eingebüßt hatten. Lafontaine war wohl vorgesehen als Kronzeuge, entzog sich dieser Rolle jedoch durch wiederholtes (und in meinen Augen sehr angenehmes) Verweisen auf die Meta- oder Strukturebene der Probleme: Ja, sicherlich könne man sich beklagen über die Medienbarriere gegenüber der LINKEn, über die Hetze gegen seine Person, über diesen oder jenen einzelnen Sachverhalt, ABER... darum ginge es ja gar nicht. Es ging ihm viel mehr um die Struktur von Macht in unserer Gesellschaft, frei nach dem Motto "cui bono" und warum es jenen so leicht gemacht wurde. Er wollte sich nicht beklagen, er wollte tatsächlich zum Nachdenken anregen, uns, das Publikum, und das gelang ihm recht gut. Ehrlich gesagt, es war für mich der erste Politiker, der mich tatsächlich zum Nachdenken aufforderte und nicht nur mit Worthülsen um sich schmiss. Das tat er nämlich nicht. Je älter Lafontaine wurde, umso staatsmännischer wirkte er auf mich und verhielt er sich auch - ein ganz schöner Effekt, den man einigen der anderen Greise an der Spitze anderer politischer Parteien auch wünschen würde bzw. gewünscht hätte, aber dort war Alterssturheit die verbreitetere Ausprägung des Silberhaars.

Soviel Vernunft konnte und wollte sich auch Hans-Ulrich Jörges nicht verschließen, vorneherum jedenfalls. In vielen Einzelheiten stimme er Albrecht Müller zu, Oskar Lafontaine habe ja politisch auch schon viele Erfolge errungen, etc. pp., und man fragte sich anfangs, warum dieser Mann als "Neoliberaler" in die Runde eingeführt worden war. Den Grund dafür bemerkte man dann allerdings doch noch sehr schnell, denn bei allem Nachgeben in Einzelfragen war Jörges doch um so ideologiefester in grundsätzlichen Dingen, egal, wie empirisch belegt und nachprüfbar sie sein mochten - was in seinen Augen Geltung hatte, war oft und zuvörderst die ideologische Linie: die Rente KONNTE nicht sicher sein, die Medien KONNTEN "das Volk" nicht manipulieren, das Land HATTE nach Links zu rutschen *), und wenn vorsichtige und nicht ganz so vorsichtige Nachfragen aus dem Publikum seine Strohmann-Argumente ins Wanken brachten, überschüttete er den Fragesteller und die diesen unterstützenden anderen Zuhörer mit Hohn und Schmähungen. Ein guter Stil war das beileibe nicht, sondern eher wie bei einem Kind, dem man die Lebenslüge wegnehmen will. Am Ende hatte er das Publikum fast geschlossen gegen sich, und wenn man beobachtete, wie er sich weiterhin entrüstete, dann konnte man sich des Eindrucks nicht verwehren, dass hier einer nach der Devise "viel Feind, viel Ehr'" verfuhr. Als Besetzung für den Bösewicht war er jedenfalls vorbildlich.

Albrecht Müller, Oskar Lafontaine und Sabine Adler bemühten sich nach Kräften, die loose cannon Jörges versöhnlich wieder einzufangen, und tatsächlich endete der Abend, ohne dass jemand verletzt worden wäre. Lafontaines Personenschützer konnten die Hände in den Taschen lassen, und auch Hans-Ulrich Jörges soll heute morgen schon wieder in den Büros des STERNs gesichtet worden sein, die Hände seinerseits in den Hosentaschen und verbittert vor sich hin murmelnd.
Das wirklich Interessante, wiederum an der Person Jörges', war allerdings Folgendes: Charakterlich mochte er Mängel haben, jedenfalls wenn seine gestrige Darbietung seinem alltäglichen Benehmen entsprach, aber ein böser Mensch war er sicher nicht, und genausowenig war er dumm. Er schrieb auch gute Artikel, in Einzeldingen wich seine Meinung nicht viel ab von der Albrechts und Lafontaines, da gab es einen gemeinsamen Nenner zwischen Links und Rechts - jedoch schien er nicht imstande, den alles bedeutenden zusätzlichen Schritt zurück, hinter die Dinge zu machen und seine Grundannahmen selbst zu hinterfragen: Brauchen wie diese Form von Staat? Brauchen wir diese Form der Organisation? Brauchen wir tatsächlich diese Werte? Dieses Unvermögen war umso bedauerlicher, als viele im Publikum zu dieser Leistung imstande waren und mit ihren Fragen auch in diese Richtung gingen, und natürlich fragten sie Jörges als angenommenen Vertreter des "Systems", der jedoch wiederum vollkommen außerstande war, auch nur die Fragen zu verstehen, was jedes Mal in einem hochroten Kopf und den angesprochenen Schimpfkanonaden gipfelte.

Alles in allem ein wunderbarer Abend, und bessere Unterhaltung (und zu einem geringeren Preis) als jeder Kinofilm. Das Grundproblem blieb jedoch das gleiche: dass auch jene in der Verantwortung, in Führungspositionen, an der Spitze von Zeitungen, Unternehmen und Verbänden, offenbar allzu oft unfähig waren, die richtigen Fragen zu stellen, sie zu verstehen und in letzter Konsequenz auch zu beantworten. Jene also, von denen man es noch am ehesten verlangen zu können meinen sollte. Mehr als ein variiertes Weiter-So und Mehr-desselben war von diesen Figuren nicht zu erwarten. Man musste sich ja neben Jörges nur die aktuelle Regierungsriege
und das Gedöns der Regierungserklärung anschauen.

In Berlin also nichts Neues.

- - - - -
*)Zu all diesen Fragen bieten die Nachdenkseiten (>>) eine Menge Material.

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Dienstag, September 22, 2009

Was für ein Wahlkampf, oder: Not gegen Elend

Es ist ja nicht so, als ob die Bundesrepublik in ihrer Geschichte nicht schon ein paar ordentliche und teils sogar originelle Wahlkämpfe erlebt hätte, Richtungskämpfe und Schicksalsentscheidungen quasi par excellence - der momentane hingegen stellt wohl sowas wie den absoluten Tiefpunkt des nachkriegsdeutschen Demokratieversuchs dar: Man besehe sich die obigen corpus delicti, angetroffen auf einem ganz normalen Berliner Spaziergang.

Please: "Unser Land kann mehr" - was mehr? Mehr als Herr Steinmeier? Gut möglich, das hoffe ich sehr. Jedenfalls ist das die erste Interpretation, die mir zu Bewusstsein kommt. Wer immer diesen Text verbrochen hat, sollte keine zweite Gelegenheit dazu bekommen.

Schlimmer geht aber immer: "Wir wählen die Kanzlerin." Wer, wir? Die CDU? Ja davon bin ich ausgegangen, das überrascht mich nicht. Falls ich mich in diesem zugemuteten "Wir" allerdings impliziert selbst wiederfinden soll, so möchte ich Einspruch einlegen - über meine Stimme bestimme noch
immer ich, wenn vielleicht auch über sonst nicht mehr viel. Oder, die interessanteste Fassung, vielleicht ist es ein königliches "Wir", ganz klassisch à la "Wir, Majestät von Gottes Gnaden" - das erklärte einiges andere und scheint, angesichts der Selbstzufriedenheit der Hauptdarstellerin auf obigem Plakat, vielleicht sogar eine valide Deutung.

Nun, es entscheide ein jeder für sich selbst (das nennt sich Demokratie). Aber gerade bei unseren beiden "Volxparteien" erscheint's dieses Mal wahrhaftig wie eine Wahl zwischen Not und Elend, und sei es nur auf den Plakaten.

*UPDATE*:
Wirklich interessant allerdings, dass weder bei CDU noch SPD der Name des/der Kandidaten/in auf dem Plakat prangt, und das in Zeiten der angeblich absoluten Personalisierung - wo "Willy Brandt muss Kanzler bleiben!" anno '72 wenigstens noch den Charme des persönlichen Bezugs hatte (vom Charme Willy Brandts ganz zu schweigen), da haben wir heute - nichts. Da hat das "Spitzenpersonal" beider Parteien offenbar - ebenfalls nichts. Es geht entweder über Funktionen ("Kanzlerin") oder über - na, nichts! Damit ist es sozusagen offiziell: Wir haben einen Nullwahlkampf.

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Polizeibrutalität im Bud-Spencer-Remix

Drüben bei Telepolis (>>) gibt's das Für und besonders das Wider in Hinblick auf Polizistenprügel bei der Anti-Überwachungs-Demo am 12.09.2009 in Berlin hervorragend aufbereitet.

Die remixte Fassung des Beweisstücks A gibt es allerdings auf Youtube (das Original hier (>>)):



Was soll ich sagen - so schlimm ich den Sachverhalt finde, so lustig (und natürlich politisch so was von unkorrekt) ist in meinen Augen des schlechten Geschmacks das Terence-Hill-Voice-over, aber ich finde ja auch die ersten beiden Filme der Nackte-Kanone-Trilogie wirklich und ehrlich komisch.
Mein ehrliches Beileid gilt dem Herrn in Blau. Vielleicht (wenn auch unwahrscheinlich) kommt einer der Grünen ja dafür in den Bau.

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Great Places to Work (I): Buchkantine in Berlin-Moabit

Books on the walls, cold beer in the fridge, wireless for free, 10 minutes from home. Priceless. (>>)




(Picture by Buchkantine.de)

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Sonntag, September 28, 2008

Zeit des Erwachens

Sonntag.
Es gab eine Zeit des Endens, eine Zeit des Schlafes und eine Zeit des Wiedererwachens. Ganz unspektakulär und sanft fand ich mich nun im dritten Zeitalter wieder.

Es war ein Sonntag, wie er im Buche stand. Es war ein weiterer Herbst meines Lebens. Wir saßen in der Kastanie, einem Gartenlokal in der Schlossstraße in Charlottenburg, und genossen den letzten Sonnentag, denn die nächste Woche sollte kalt und nass werden, jedenfalls hier oben im Norden. Ich schwelgte in meiner Vergangenheit und las „Der Herbst meines Lebens“, und es passte auch hier und heute wie die Faust aufs Auge: Es war eine Beschreibung nicht mehr nur der Vergangenheit, sondern auch des heutigen Tages und der jetzigen Zeit. Gerade jetzt war es ein weiterer solcher Herbst, und das alleine war schon fast zuviel Glück und ein Zuviel an Gnade, um es fassen zu können.
Der Dunst des scheidenden Jahres lag über der klaren Luft. Alles war beglänzt. Die farbigen Blätter der Bäume taumelten langsam zur Erde, und die Spree wälzte sich grün und leuchtend an ihren Ufern.

Es gab eine Zeit des Endens. Ich hatte sie damals erlebt, zum Herbst meines Lebens, und es war sehr traurig und zugleich so sehr erhebend gewesen, dass ich lange gebraucht hatte, sie zu überwinden und anzunehmen und zu einem wirklichen Teil meiner Geschichte zu machen. Dieser Herbst meines Lebens hatte länger angedauert als nur diesen einen Herbst; auch der folgende Winter in Freiburg und der Frühling der Trennung hatten noch dazugehört. Erst dann war alles vorüber, war alles vergraben und zu einem Ende gebracht, und auch all dies anzunehmen dauerte seine Zeit. Der Sommer meines Lebens war eine so kurze wie kurzweilige Angelegenheit, eine Periode kurzer Klarheit, in der ich alles sehen konnte, wie es war, und alles bereits sehen konnte, wie es werden würde. Doch dann kam erst einmal die Zeit des Schlafens. Sie erwischte mich so eiskalt, wie man einen Baseballschläger über den Schädel gezogen bekommt. Sollte heißen, bevor ich genau wusste, wie mir geschah, lag ich bereits am Boden.

Die Zeit des Schlafens dauerte lange. Sie dauerte ein ganzes verdammtes Jahr, und jetzt gerade war ich erst dabei, überhaupt wieder aufzuwachen. Ich mochte Schlaf, Schlafen war eine tolle Angelegenheit, keine Frage. Aber ich hatte ein Jahr meines Lebens versäumt, und das ging mir nach.
Ich wollte ein wenig über dieses Zeitalter ausholen. Ich war nach Berlin gekommen im Herbst des letzten Jahres, der auch warm und golden war, und hatte einen seltsamen Job gefunden und eine große Liebe und ein Loch in einem alten Haus, und dann hatte ich mich darin häuslich niedergelassen und die Augen geschlossen. Oh, ich war zur Arbeit gegangen, in Kneipen und ab und an in einen Jazzclub; ich hatte Freunde getroffen, Bücher gelesen und wunderbare Abende und Wochenenden mit Sabine verbracht. Aber all das hatte ich mich geschlossenen Augen getan. Es war mir quasi zugestoßen, während ich mich in einem Traume wälzte. Aber es war nicht wirklich etwas geschehen. Viel mehr hatte ich mich zur Ruhe begeben und wie in tiefem Schlaf all das verdaut, was mein Leben gewesen war.

Doch schließlich gab es die Zeit des Erwachens.
Eines Morgens schlägst du die Augen auf und findest dich in deinem Bette wieder. Das Fenster ist weit geöffnet, und zusammen mit der frischen Luft dringt blendender Sonnenschein durch die Läden. Dazu noch ein Vorhang, der sich im Winde bauscht, und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee aus der Küche. Es ist ein elektrisierender Morgen, und es hält dich nicht länger im Bett. Du schlägst die Decke zurück und springst aus den Federn, und du fühlst dich erfrischt und zu allem bereit. Wie lange hast du geschlafen?

Wie lange hast du geschlafen?
Ich wusste, wie lange ich geschlafen hatte, und dass es die längste Zeit gewesen war. Ich war in tiefster Ohnmacht gefangen gewesen, doch nun war ich wieder da. Ich war aufgewacht, und ein weiterer Herbst lag vor mir, ein goldener Herbst, dem dieses Mal nicht das Ende vor allem anderen innewohnte, sondern der die Geschichte, meine Geschichte, dort wieder aufnahm, wo ich sie vor zwei Jahren verlassen hatte. Sie hatte auf mich gewartet, und ich konnte mich ihr nun wieder anschließen und sehen, wohin sie mich trug. Dass sie mich tragen würde, wusste ich. Wer ich sein konnte, würde sich wieder zeigen. Das Zeitalter des Schlafens war vorüber. Das Leben hatte mich wieder.

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Dienstag, Mai 27, 2008

Competition Cancelled, Focus On Merger

...according to Stern.de.

Also in the news: Obama to visit Berlin.
I for one would like that.

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Dienstag, Januar 15, 2008

Klimaschutz.

Klimaschutz geht alle an. Zum Glück haben wir tapfere Mitstreiter, die, wenn auch ungeliebt, dennoch in die Emmissions-Bresche springen und sich für die Zukunft unserer Kinder schlagen, gewissermaßen.

Und zum Glück haben wir auch noch jene humorbegabten Unbekannten, die die Dinge wieder geraderücken, hier beobachtet im U-Bahnhof Französische Straße.

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Samstag, Januar 12, 2008

Alltag.

Es war mal wieder keine Zeit für das Schreiben. Ich fand keine Worte, und ich hatte kaum etwas, was festzuhalten wert gewesen wäre, das dachte ich jedenfalls. Ich lebte ein Leben, von dem ich nicht sicher war, ob es meines war, aber ich hatte es jedenfalls, und ich versuchte das Beste daraus zu machen.

Berlin. Samstag. Und nichts zu tun. Ich verschwendete einen kompletten Tag mit Internet-Surfen und Computerspielen. Nicht gerade etwas, auf das ich stolz sein konnte. Eigentlich hatte ich Schreiben wollen, es dann aber wie immer nicht auf die Reihe gekriegt. Vielleicht war ich auch einfach noch nicht soweit. Ich wusste diese Tage sowieso nicht genau, woran ich mit mir war. Ich tat eine Arbeit, die ich mir nie hatte träumen lassen, arbeitete 9to5 und verbrachte müde und zufriedene Abende mit S., ruhige Abende, wenn nicht gerade mein Nachbar wieder einen seiner Fernseh-Anfälle hatte. So vergingen die Tage, Woche für Woche, und nichts änderte sich außer den Details meines Arbeitstages, die Bars und Kneipen, in die wir abends gingen, und die Strecke des dünnen Lichts am Abend mit dem vergehenden Winter.

Es war ein altes Haus, und es war ein großes Haus. Die Innenhöfe waren eng und düster, und es stand an einer Schnellstraße und den Bahngleisen, die es von seiner Umgebung abschnitten, vom Park des nahen Schlosses, vom Fluss. Die Farbe der Wände war ein verwittertes Grau, wie das Grau des Betons alter Luftschutzbunker. Efeu überwucherte den einen gesamten Innenhof und zog sich gierig die Fassade empor und drang in die Ritzen und Fensterrahmen. Von den unteren Stockwerken konnte man den Himmel nur sehen, wenn man die Fenster öffnete und sich weit hinauslehnte und die Hauswand emporblickte. Sonst konnte man ihn nur ahnen, getragen von den letzten Fühlern seines Lichts, die herunter drangen.

Es war ein altes Haus. Die Balken waren morsch und trocken geworden, ihr Holz spröde, und die Wände und Decken waren so dünn, dass man dachte, mit einem Finger hindurchstoßen zu können, und aufpassen musste, wo man seine Füße hinsetzte.

Was das Haus füllte, war Lärm. Der Lärm von hundert unterschiedlichen Leben, die hier nebeneinander und alle zugleich über die Bühne gingen. Aus der Wohnung von unten plärrte der Fernseher den ganzen Tag und die halbe Nacht, aus dem Flur tönte laute Musik, über einem renovierten sie ein Zimmer und bohrten Löcher in die Wand (mit einer Bohrmaschine, nicht mit dem Finger); überall herum redeten und husteten und lachten und schrieen und weinten und stritten und liebten sich Menschen. Das Haus war ein Ameisenhaufen, in den man ein Stöckchen gebohrt hatte. Und wie ein Ameisenhaufen kannte es keine Ruhepausen. Irgendetwas geschah immer als nächstes und verschaffte sich Gehör. Es war kein Haus für die Ewigkeit. Aber es war der Ort, an dem ich vorerst lebte.

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Sonntag, Oktober 28, 2007

Out of the Past

Things kept on changing. This time, this was a good thing. I returned to the lake, the place where everything had started a long time ago, and where all of these things now came to their end, in order for a new beginning at another place. I walked through my town, beneath a foggy sky, but in the light of a life lived well, and looked out over the water, and remembered things. It had been a good time, and it had been the best of places, and now it was time for me to move on and go somewhere else and start another life, and become even more who I was and had to be.

Berlin would be a different place, different in every way conceivable. The way it had to be. The past was the past, and the future was the future, and now was now. I had a new job I was looking forward to, for I’d be doing exactly the things I did best, and I had a new city to discover and new places and venues to explore, and I’d be near the person I loved, who was made for me, and all of these things made me happy and graced the days I spent at the lake with the shine of a future glory.

After all, I knew what I had to do, and I knew who I was and would be, and which directions to take. Who could say as much? I knew I could, beside other things: I knew I would return, again and again and for the rest of my life, for my heart would always rest at this place, and I needed to come back from time to time, in order to stay in touch with myself and my soul. I knew I had to leave Constance anyway, in order to grow and to discover those qualities of mine that weren’t of this place. And I knew where I would be going, not in terms of place, but in terms of my heart, in respect to myself and my love. It was a good life. And as it seemed, it was still getting better.

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