Dienstag, Dezember 23, 2008

Know what you got

And outside of specific policy measures, two years from now, I want the American people to be able to say, "Government's not perfect; there are some things Obama does that get on my nerves. But you know what? I feel like the government's working for me. I feel like it's accountable. I feel like it's transparent. I feel that I am well informed about what government actions are being taken. I feel that this is a President and an Administration that admits when it makes mistakes and adapts itself to new information, that believes in making decisions based on facts and on science as opposed to what is politically expedient."
That is why I'm so relieved about the Obama-win. Because this is the most reflected take on what politics should be about I've heard from any politician, ever.

Labels: , ,

Bookmark and Share
Eingestellt von MwaH Am/um 0 Kommentare Links zu diesem Post

West of Hollywood

Es gab zwei Arten zu denken: Alltags-Denken und Hollywood.
Was ich damit meinte: Alltags-Denken war gar kein bewusstes Denken an sich, sondern das Sich-Treiben-Lassen in den Alltäglichkeiten meines Lebens, ohne besondere Aufmerksamkeit, alles hinnehmend, wie es eben gerade geschah. Ich erlebte mich dann als Erleidenden, die Dinge stießen mir zu. Ich unternahm nichts, und ich trieb nichts voran. Meine letzten Monate bei der SEgroup hatten diesen Geschmack gehabt und waren unter diesen Vorzeichen vergangen. Es war immer ein Leben umsonst, wenn ich in diese Geisteshaltung lebte. Soll heißen: Es war vergebens. Ich vegetierte wie eine Primel auf dem Hinterhof in der Sommerhitze.


Das andere war das Hollywood-Denken. Soll heißen, Denken wie in einem Film. Ich war dann Hauptdarsteller in (m)einem Drama, mit wechselnden Handlungssträngen, auf- und abgehenden Nebendarstellern und großen und kleinen Höhe- und Spannungspunkten. Im letzten Sommer, als S. zum ersten Mal am See gewesen war, war es so gewesen. Teilweise jetzt, diesen Sommer am See (es war lange her). Es bedeutete ein anderes Bewusstsein meiner selbst, eine Abart jenes Bewusstseins, das George Clooney wahrscheinlich die ganze Zeit über von sich hatte, wie ich ihm unterstellte: eine Bewusstheit der eigenen Bedeutung, der Einzigartigkeit des eigenen Lebens und der Dinge, die man in und mit diesem Leben erreichen wollte und konnte. Alle Dinge waren erreichbar; jede Handlung hatte das Gewicht eines bedeutenden Aktes, und jedes Wort die Schwere eines geschliffenen Dialogs. Ich sprach anders zu jenen Zeiten; ich ging und bewegte mich anders. Und ich sah mich anders: es war in einem gewissen Sinn die Tarnidentität eines Frank Powers‘, die dann in den Vordergrund rückte. Ich war dann selbstbewusst, und ich nahm kein Blatt vor den Mund. Nichts konnte mich verwunden, und nichts konnte mich, mein Dasein und dessen Bedeutung verringern. Ich war unzerbrechlich und unzerstörbar, außer durch Wasser. Mein Blick bekam eine andere Intensität: es war in diesen Momenten, in denen andere wie magisch von mir angezogen wurden und mir ihre Grüße entboten, diese Momente, in denen ich mich in ihre Leben einbrannte.


Diese beiden Arten über mich selbst zu denken bestimmten mein Leben, die eine zu oft, die andere nicht oft genug.

Labels: , ,

Bookmark and Share
Eingestellt von MwaH Am/um 0 Kommentare Links zu diesem Post

Fern wie die Zeit (XVII)

Aus meinem Zimmer drang kein Laut. Mich zurück nach draußen zu schleichen und durchs Fenster zu spähen konnte ich vergessen. Die Haustür hatte mich bereits verraten. Also holte ich den Schlüssel heraus und probierte ihn im Schloss. Er drehte sich schwerfällig und knirschend, und der Riegel knackte. Es war abgeschlossen. Ich öffnete die Tür und trat ein. Was sollte ich sonst tun.
Drinnen wartete niemand auf mich. Der Zimmer war leer und ruhig und dunkel. Ich ging zum Fenster, zog die Vorhänge vor und machte Licht.
Es fehlte nichts, aber in meinen Sachen hatte jemand geschnüffelt. Da ich wusste, wonach ich suchen musste, merkte ich es. Auf den ersten Blick fehlte nichts, aber wahrscheinlich nur deshalb, weil mein Besuch nicht wusste, wonach er gesucht hatte. Ich ließ mich auf alle viere nieder und sah nach meinem Geld unter dem Bett. Das Portmonee war noch immer am dritten Lattenrost, wo ich es mit etwas Klebeband befestigt hatte, und besser noch: es war noch alles darin. Ich klebte es wieder zurück und setzte mich. Das alles wurde langsam ein bisschen viel. Ich holte eine Zigarette hervor, nahm einen Zug und sah dann dem Rauch zu, wie er sich durch die Luft davonmachte. Ich tippte auf Fanny Gros, da die Tür wieder verschlossen worden war und niemand auf mich geschossen hatte. Tante Emmas Warnung kam mir wieder in den Sinn. Die gute Fanny schien gewissen Versuchungen nicht widerstehen zu können.
Was machte ich aus diesem Tag? Ich war unter anderem beschossen worden, hatte Hendrichs Spur wiedergefunden, und hatte einen Typen in Hendrichs Hütte gesperrt, von dem ich nicht mal den Namen wusste. Großartiger Tag. Ich wollte gar nicht wissen, was der nächste brachte.
Gedankenverloren rauchte ich die Zigarette zu Ende, stellte den Stuhl gegen die Türklinke und ging ins Bett. Ich stand nur noch einmal auf, um noch ein paar Notizen zu machen, die ich auf dem Schreibtisch liegen ließ. Am Horizont ritten die ersten Vorboten des kommenden Morgens ein.

Die frühen Stunden des Tages waren die Stunden der wiedergewonnenen Unschuld. Die Dinge begannen noch einmal von vorne, und noch war keine Bitterkeit in der Welt, keine Schuld und kein Hass, außer dem, den man selbst mitgeschleppt hatte. Die ersten Stunden flüsterten das Versprechen des Neubeginns, und seine Anzeichen waren überall um einen herum. Erstes Tauglitzern auf den Gräsern, die ersten Stimmen der Vögel, die freudig den neuen Tag begrüßten, und die ersten Sonnenstrahlen, die neugesponnenes Gold über alles streuten. Die Sünden der letzten Nacht waren vergessen, die Taten vergeben. Vergangene Liebe und zerronnene Hoffnung existierten noch nicht, man war mit sich selbst, und das war alles, was war. Die anderen Menschen wälzten sich noch in ihren Träumen, und alles, was der Tag bringen würde, lag noch in weiter Ferne. Die Schmerzen, die Intrigen, die Verbrechen und der Verrat kämen erst später. Die ersten Stunden des Tages waren die Stunden der wiedergewonnenen Unschuld. Ich ehrte sie schlafend. Ich hörte nicht einmal den verdammten Hahn.

Es war am Spätvormittag, als ich mich gewaschen und angezogen hatte. Richtig fit war ich noch immer nicht, aber die kalte Dusche hatte mich aufgemöbelt und wenigstens den gröbsten Nebel aus meinem Hirn vertrieben. Die Ereignisse der vergangenen Nacht kamen mir vor wie ein schlechter Traum. Allerdings klingelte der Hüttenschlüssel in meiner Hosentasche.
Fanny Gros war in der Küche zugange. Ich trat ein und tippte mir an den Hut.
„Morgen, Mam“, sagte ich. Sie hantierte weiter mit einer Pfanne, ohne sich umzudrehen, und fragte:
„Möchten sie Frühstück, junger Mann?“ Neben ihr am Herd stand ein Teller mit Pfannkuchen darauf, die noch dampften und nicht schlecht dufteten.
„Jaa“, sagte ich gedehnt, „und nen Kaffee, wenn sie haben.“ Ich setzte mich auf einen der Stühle am Küchentisch und wippte nach hinten, dann zog ich eine Zigarette aus der Packung und zündete sie an. Fanny Gros protestierte nicht. Ich nahm zwei tiefe Züge und blickte zum Küchenfenster hinaus aufs Meer. Noch waren die Reste vom Morgennebel da draußen, und alles war wattig und gedämpft.
„Was gefunden?“
Sie tat, als habe sie mich nicht gehört, aber ihr Körper versteifte sich für eine Sekunde, und fast wäre ihr der Pfannkuchen beim Wenden zu Boden gefallen. Sie ruckte ihn wieder in der Pfanne zurecht, und schien nicht recht zu wissen, ob und wie sie reagieren sollte.
„Mein Geld hab ich nicht im Zimmer. Falls sie fas gesucht haben sollten.“
Jetzt drehte sie sich um, und in ihrem Gesicht war sowas wie der Versuch der Empörung.
„Junger Mann, ich habe keine Ahnung, wovon sie reden. Wenn sie denken, dass ich...“
„Ich hab ein paar Vorsichtsmaßnahmen ergriffen“, unterbrach ich sie. „Ich weiß, wenn jemand in meinem Zimmer war. Und gestern Abend war jemand drin. Wer kann das gewesen sein außer ihnen? Die Tür war abgeschlossen.“
Sie stellte die Pfanne ab, aber nicht ohne den Pfannkuchen zu den anderen auf den Teller zu legen. Dann stemmte sie die Hände in die Hüften.
„Sie sind unverschämt! Ich gehe nicht in die Zimmer meiner Gäste. Ich weiß nicht, was für ‚Vorsichtsmaßnahmen‘ sie ergriffen haben, junger Mann, aber ich war nicht in ihrem Zimmer. Das kann ich ihnen versichern.“
„Da hab ich aber was Anderes gehört“, verriet ich ihr. Ich stand auf und holte mir Kaffee von der Kanne auf dem Herd, wobei ich an ihr vorbeigreifen musste. Sie schien im Moment nicht daran zu denken, mir einen einzuschenken.
„Ich weiß nicht, was sie von wem in diesem vertratschten Dorf gehört haben, aber ich weiß, was ich getan habe und was nicht, und ich weiß, was ich ihnen sage. Ich sollte sie bitten, sofort auszuziehen!“
Das Gespräch ging nicht ganz in die Richtung, die ich mir vorgestellt hatte. Sie war zäher im Nehmen als gedacht. Ich hatte angenommen, dass ein bisschen auf den Busch Klopfen bei ihr seine Wirkung tun würde, und sie mit der Sprache rausrückte. Es hatte ja auch nichts gefehlt. Ich wollte nur wissen, wer in meinen Sachen herumgeschnüffelt...
Ich stand von meinem Stuhl wieder auf. „Einen Moment, Mam.“ Schon war ich durch die Tür und ließ sie in der Küche stehen. An meiner Kommode war ich in Nullkommanichts. An meinem Geld war niemand gewesen – vielleicht, weil es auch niemand gesucht hatte. Die Notizen von gestern Abend lagen auf der Tischplatte, wo ich sie hingelegt hatte. Ich öffnete die verdammte Schublade und fischte nach dem Umschlag mit dem H, und diesmal machte ich ihn auch auf. Die Notizen waren gelesen worden. Sicher, sie waren noch vollständig, aber das änderte nichts daran, dass sie sich jemand zu Gemüte geführt hatte. Ich wusste, wovon ich sprach. Ich hatte überall meine Haare.

Labels: , ,

Bookmark and Share
Eingestellt von MwaH Am/um 0 Kommentare Links zu diesem Post

Samstag, Dezember 06, 2008

Lesen

Die Menschen lasen nicht mehr. Jeder vierte von ihnen. Die Vielleser waren eine verschwindend geringe Minderheit geworden: 50 Bücher im Jahr machten nicht viele mit.
Ich fragte mich, ob ich Vielleser war. Ich las 50 Bücher. Allerdings immer wieder die gleichen.

__________________________________________________________________

Henry Miller, Der Koloss von Maroussi
Henry Miller, Der klimatisierte Alptraum
Henry Miller, Big Sur und die Orangen des Hieronymus Bosch
Henry Miller, Land der Erinnerung
James Salter, Dämmerung
James Salter, Verbrannte Tage
James Salter, In der Wand
Rafi Zabor, Der Bär kommt heim
Jack Kerouac, On the Road
Robert M. Pirsig, Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten
Raymond Chandler, Der große Schlaf
Raymond Chandler, Der lange Abschied
Raymond Chandler, Die Tote im See
Raymond Chandler, Die kleine Schwester
Raymond Chandler, Das hohe Fenster
Raymond Chandler, Lebwohl, mein Liebling
Raymond Chandler, Der König in Gelb
Richard Brautigan, Trout Fishing in America
Richard Brautigan, In Watermelon Sugar
Ernerst Hemingway, In einem anderen Land
Ernerst Hemingway, Fiesta
Ernerst Hemingway, Wem die Stunde schlägt
Ernerst Hemingway, Der alte Mann und das Meer
Ernerst Hemingway, Schnee auf dem Kilimandscharo
Ernerst Hemingway, Paris - ein Fest fürs Leben
Max Frisch, Homo Faber
Douglas Coupland, Generation X
Haruki Murakami, Tanz mit dem Schafsmann
Haruki Murakami, A Wild Sheep Chase
Haruki Murakami, Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede
Haruki Murakami, Gefährliche Geliebte
Haruki Murakami, Naokos Lächeln
Haruki Murakami, Der Elefenat verschwindet
Kakuzo Okakura, Das Buch vom Tee
Patrick Leigh Fermor, Die Zeit der Gaben
Patrick Leigh Fermor, Zwischen Wäldern und Wasser
Bruce Chatwin, Auf und davon nach Timbuktu
Andrzej Stasiuk, Die Welt hinter Dukla
Halina Poswiatowska, Erzählung für einen Freund
Sol Stein, Über das Schreiben
Natalie Goldberg, Writing Down the Bones
John Kabat-Zinn, Full Catastrophe Living
Walt Whitman, Leaves of Grass
Eugen Herrigel, Zen in der Kunst des Bogenschießens
Daisetz T. Suzuki, Die große Befreiung
Hermann Hesse, Siddharta
Elias Canetti, Die Provinz des Menschen
Kim Stanley Robinson, Red Mars
Kim Stanley Robinson, Green Mars
Kim Stanley Robinson, Blue Mars

__________________________________________________________________

Ab und an mischte sich ein anderes Buch darunter, aber im Großen und Ganzen waren sie das - die Bücher, die ich las, immer und immer wieder. Das Seltsame war, dass sie mir jedesmal noch immer etwas gaben, wie alte Freunde, zu denen ich zurückkehrte und mit denen ich an einem Kaminfeuer und mit einem Glas Whisky beisammensaß.

Labels: ,

Bookmark and Share
Eingestellt von MwaH Am/um 1 Kommentare Links zu diesem Post