Sonntag, Oktober 26, 2008

Fern wie die Zeit (X)

Der Weg von den Klippen brachte mich zurück in bekannte Gefilde. Herunter von den Felsen wuchsen wieder Eiben und Haselsträucher, und nach kurzer Zeit führte mich der Pfad vor Fanny Gros‘ Haus. Ich konnte ebenso gut hineingehen, bevor ich mich zu Jenkins aufmachte, also ging ich hinein. Fanny Gros werkelte in der Küche und grunzte mir nur zu, ohne sich umzudrehen, als ich hinter ihrem Rücken an der Tür vorüberging. Es schien noch keine anderen Gäste zu geben.
Ich nahm mein Haar vom Türrahmen, schloss auf und trat ein und schnappte mir den zweiten Pullover, den in Schwarz und mit Rollkragen, der in der Nacht warmhielt. Außerdem packte ich die schwarze Wollmütze und die Taschenlampe zum Taschenmesser und dem Bourbon in den Lederbeutel. Dietriche hatte ich keine eingepackt für die Reise, im Fall des Falles würde ich mir irgendwie behelfen müssen. Bisher war mir immer was eingefallen. Ich klopfte auf Holz am Türrahmen und hoffte, dass es so blieb.
Fanny Gros war noch immer in der Küche, als ich nach der üblichen Prozedur an meiner Tür durch den Flur zurückging. Kurzentschlossen trat ich ein. Ich sah jetzt, was sie machte: Sandwiches nämlich und eine Kanne Tee. Mein Magen meldete sich merkbar. Mit einem Mal hatte ich einen Wolfshunger. Meine Bauchregion nahm das Stichwort auf und knurrte gefährlich. Fanny Gros gehört es ebenfalls.
„Wollen sie mitessen?“, warf sie über die Schulter.
„Da sag ich nicht nein, Mam.“
„Ich setz es ihnen auf die Rechnung.“
Was für eine Überraschung. Sie deckte den kleinen Küchentisch mit zwei Tassen und zwei Tellern, an denen die Emaille absprang. Ich nahm Platz und bemühte mich, nicht zu schlingen wie ein Galeerensklave nach dem Anlegen. Es gelang mir nicht ganz. Ich muss allerdings hinzufügen, dass die Sandwiches wunderbar waren. Alle Nahrung war nach einem langen Tag im Wald wunderbar.
Fanny Gros mümmelte an einem Sandwicheck und trank den heißen Tee in kleinen Schlucken. Wir sprachen kein Wort, sondern widmeten uns dem Essen. Ich war hungrig. Sie war vielleicht einfach nur gelangweilt.
Wir verputzten den gesamten Teller Sandwiches. Ich war gespannt, was sie mir dafür in Rechnung stellen würde. Wahrscheinlich würde ich mein Zahngold versetzen müssen. Sie wusste, wie sie ihren Laden führen musste. Ich war eine veritable Goldgrube, noch jedenfalls. In dieser Funktion sprach ich sie an:
„Gibt’s hier eigentlich ne Gelegenheit, wo man sein Geld ausgeben kann?“
Sie stellte ihre Tasse ab und sah auf. Sie hatte das Codewort gehört.
„Wie meinen sie das?“, fragte sie zurück, und in ihrer Stimme waren zur einen Hälfte Überraschung und zur anderen Hälfte Geldscheine.
„Naja, so’n kleines Souvenir, das man mit nach Hause nehmen kann. Ich war heut im Wald und an der Küste unterwegs, und mir gefallen die Gegend und das Dorf. Es ist ein schöner Fleck.“
„Und an was haben sie gedacht, junger Mann?“
„Ein Bild oder ne Postkarte wären schön, die die Gegend einfangen, damit ich mich erinnern kann zurück in der Stadt“, antwortete ich mit meinem anmutigsten Lächeln. Postkarten würden sie von diesem Kaff nicht haben, da war ich mir sicher.
„Ich weiß nicht“, antwortete sie ratlos. Ihre Augenbrauen verschoben sich nach oben, und Grübelfalten erschienen zwischen den Altersrunzeln auf ihrer Stirn. Sie blickte auf die Tischplatte, als suchte sie dort nach einer guten Idee.
„Sie haben doch gesagt, es gäb da ne Galerie hier im Dorf, oder?“, setzte ich obendrauf.
Sie blickte auf. Es war ein ganz normaler Blick der plötzlichen Erkenntnis, des Wiedereinfallens, und ohne jede Missbilligung oder Vorsicht, wie ich sie bei Jenkins gesehen hatte. Sie antwortete mir, ohne zu zögern:
„Sie möchten ein Bild von Tuft kaufen? Woher wissen sie, dass er das Dorf und die Umgebung malt?“
„Jenkins hat erwähnt, dass er malt. Und sie erwähnten die Galerie, erinnern sie sich?“
„Hab ich wohl, ja.“
„Meinen sie, er würde mir seine Bilder zeigen? Vielleicht für nen kleinen Obolus?“
„Wofür soll er sie ihnen zeigen?“
Ich musste einen Moment nachdenken, bevor ich begriff, dass das Wort Obolus ihr nichts sagte.
„Einen Groschen. Ein kleines Trinkgeld, wenn sie verstehen, was ich meine. Soll sich ja für ihn lohnen, auch wenn ich vielleicht kein Bild finde.“
Sie nickte und leckte sich die Lippen. Sie ging ganz in dem Thema auf. Sie wusste nur noch nicht genau, wo sie da ins Spiel kommen konnte. Die Verwirrung und das Bemühen, am Ende an der richtigen Stelle zu stehen, waren ihr anzusehen. Ich wollte es ihr leicht machen und sagte:
„Wenn sie da vielleicht ein gutes Wort für mich einlegen können, dann soll’s zu ihrem Schaden nicht sein, Mam.“
Sie blickte mir direkt ins Gesicht und sah mich an. Ich blickte unschuldig zurück. Bestimmt zwanzig Sekunden verharrten wir so. Dann fing sie unvermittelt an zu lachen, laut und schallend wie eine Verrückte.

Ich saß da und starrte sie an. Sie kriegte sich nicht mehr ein. Tränen begannen, ihr aus den Augen zu rollen. Langsam wurde mir selbst nach Lachen zumute. Es war ansteckend, und ich grinste mir einen.
„Mam“, sagte ich.
Sie holte tief Luft.
„Ich soll ein gutes Wort bei Richard Tuft für sie einlegen?“ Sie lachte nochmal herzlich, aber weniger verrückt jetzt und eher wie ein nachträglicher Gedanke.
„Legen sie ihr gutes Wort lieber selbst ein, junger Mann. Fragen sie ihn selber. Das nützt ihnen mehr.“
Sie stand auf und wandte sich ihrer Spüle zu. Das Gespräch war für sie zu Ende.
„Mam, haben sie ein Problem mir Tuft?“
Sie bemühte sich, ein paar bereits sehr saubere Teller noch sauberer zu bekommen.
„Mam?“
„Junger Mann, ich setze ihnen die Sandwiches auf die Rechnung. Lassen sie mich jetzt meine Hausarbeit machen, ja?“
Abrupt stellte sie den Teller wieder weg, dreht das Wasser ab und schnappte sich einen Staubwedel. Sie war schneller aus der Tür und die Treppe in den ersten Stock hinauf, als ich „Fertig, Los!“ rufen konnte. Ich hörte sie oben rumoren.
Ich stand auf und ging hinaus ans untere Ende der Treppe.
„Mam“, rief ich noch einmal. Aber es kam keine Antwort.
Es war nicht meine Art, alte Damen an die Wand zu drücken, und mit meiner Lizenz konnte ich soviel wedeln wie ich wollte - hier draußen am Ende der Welt würde mir auch das wenig nutzen. Wenn sie nicht reden wollte, wollte sie nicht reden, und es hatte wenig Sinn, sie gegen mich aufzubringen indem ich ihr eine Pistole auf die Brust setzte, die ich gar nicht hatte. Ich hörte ihr noch ein bisschen beim Werkeln zu, ob sie es sich nicht noch anders überlegte, aber da erschien kein geständiges Gesicht oben am oberen Ende der Treppe, und so nahm ich meinen Lederbeutel und machte mich auf. Es gab genügend Leute in diesem Dorf, die ich gegen mich aufbringen konnte. Warum also mit Fanny Gros anfangen. Es gab lohnendere Ziele.

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Freitag, Oktober 24, 2008

Fern wie die Zeit (IX)

Vom Waldläufer wurde ich zum Bergsteiger. Die Klippen ragten zwanzig, dreißig Meter auf, und den Pfad hinauf konnte man kaum so nennen. Er war einfach eine Strecke, auf der die Steine weniger spitz und das gelegentliche Gras niedergetreten waren. In den Spalten und Ritzen der Felsen wuchsen Gräser und dürres Gebüsch im ewigen Wind, und Möwen und Basstölpel kreisten über mir am Himmel und schrien ihre Kakophonie. Ich kam wieder ordentlich ins Schwitzen, und mein Kopf wurde leer. Ich konzentrierte mich auf den nächsten Tritt, den nächsten Handgriff, und schließlich stand ich oben, den kargen Boden unter meinen Füßen, und mit einem weiten Blick über das Meer. Der pfeifende Wind drang jetzt mit Leichtigkeit durch meinen Pullover, und mir wurde kalt. Ich schlug ein scharfes Tempo an und bewegte mich wieder in Richtung Dorf, soll heißen Richtung Westen, wo jetzt die Sonne stand. Ich wusste nicht, wie das alles hier zusammenhing, aber ich wusste, was ich als Nächstes tun musste, und dass von jetzt an Vorsicht geboten war. Falls das alles mit Hendrichs zusammenhing, lag jemandem verdammt viel an ihm. Jedenfalls mehr als an mir.

In der Ferne auf den Klippen blitzte ein Leuchten. Es veränderte sich mit meinen Bewegungen. Im Näherkommen nahm ich eine eckige Form hinter und um das Blitzen war. Wegen der blendenden Reflexe war es zuerst kaum zu erkennen, aber schließlich entpuppte es sich als Haus, ein großes Haus mit einem weit ausladenden Dach und einer großen Fensterfront, die auf das Meer hinausging und das Sonnenlicht reflektierte. Es war ein Riesenkasten, und er hing über der Steilwand wie ein nachträglicher Einfall eines betrunkenen Architekten. An schlechten Tagen brandete wahrscheinlich der Gischt durch die Fenster, und an guten Tagen sah man vom Frühstückstisch bis zum Horizont. Mit einem Mal wurde mir klar, was ich da vor mir hatte: Das musste Tufts Haus sein. Die Galerie über den Wellen. Eine Viertelstunde noch zu Fuß entfernt. Wer immer dort saß hatte mich auf dem Präsentierteller, und das Meer war nahe.

Dessen ungeachtet kam ich dem Haus ungehindert näher, und immer mehr Details des alten Kastens wurden sichtbar und gewannen Kontur. Zweigeschossig, mit benagten Außenwänden von einem verwaschenen Grau. Kein Garten und kein Zaun, nur ein kurzer Weg aus verwitterten Steinplatten vor der Tür, der sich nach wenigen Metern im kurzen Gras verlor. Die Haustür war in einem hellen Rotton gestrichen, vom feuchten Wind und dem Salz der Luft angefressen. Keine Klingel und kein Name, und kein Willkommensschild irgendwo. Allerdings ein Messingbriefkasten neben der Pforte, der leuchtete wie der Türknopf eines Bordells und sich gegen das Gesamtensemble ungefähr so passend ausnahm wie eine Federboa auf einem Trauermarsch. Alles in allem wirkte der Kasten von Nahem wie eine mittelalterliche Trutzburg, wären da nicht die weiten Fenster auf der abgewandten Seite gewesen, die jedoch unzugänglich über dem Meer hingen. Die Fenster auf der Landseite jedenfalls gingen gerade noch als Schießscharten durch, und jene, durch die ein Schlangenmensch sich hätte quetschen können, waren mit Gitterstäben versehen. Sehr einladend das Ganze, ungefähr so sehr wie Alcatraz, und ungefähr so abgelegen. Es fehlte nur noch ein Burggraben mit Krokodilen und Zugbrücke. Naja, vielleicht sparte er noch.
Ich würde Tuft später auf die Pelle rücken. Für den Moment brauchte ich etwas zu essen, und ich kannte bisher nur einen Ort, wo ich das bekommen konnte. Es traf sich gut, dass ich sowieso dort hin musste. Es war an der Zeit, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

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Donnerstag, Oktober 23, 2008

Fern wie die Zeit (VIII)

Eine Kanone hatte ich nicht dabei. Ich sollte Hendrichs nur finden, nicht erschießen, verdammt nochmal. Jetzt schoss man erstmal auf mich.
Innert eines Sekundenbruchteils ließ ich mich gänzlich fallen und rollte unter einen der Büsche. Ich konnte nur hoffen, dass der Schütze nicht mitdachte. Schweiß brach mir am ganzen Körper aus. Ich lag regungslos und lauschte. Zwischen dem Knall und dem Einschlag über meinem Kopf hatte keine Sekunde gelegen. Das bedeutete, dass der Schütze nicht allzu weit entfernt sein konnte. Hier in diesem Dickicht war das allerdings egal – und das war meine einzige Chance.
Ein zweiter Knall, und eine zweite Kugel landete irgendwo im Dickicht mit einem dumpfen Tock. Es ging ein ziemlicher Wind gerade. Es war gar nicht so einfach, richtig zu zielen. Der Schütze musste auf gut Glück geschossen haben. Ich lag regungslos und spitzte meine Ohren wie ein deutscher Schäferhund. Und hörte nichts. Ein wenig Rascheln, das von allem Möglichen kommen konnte, aber kein weiterer Schuss, und keine schweren Schritte. Wer immer da draußen war, er bewegte sich entweder auf Kreppsohlen – oder er wartete ebenfalls.
Auf Knien und Ellenbogen kroch ich langsam ein paar Zentimeter. Der Wind war stärker jetzt, und das ganze Gebüsch wogte fröhlich vor sich hin. Kein Mensch konnte meine Bewegung von den Bewegungen des Windes unterscheiden. Ich kroch weiter, den Weg zurück zum Hauptpfad, Zentimeter um Zentimeter, langsam und sorgfältig wie eine Riesenschnecke. Spuren auf diesem Teil des Weges konnte ich jetzt vergessen, aber das war egal. Ich hatte eine Eins-A-Bestätigung dafür, dass ich auf einer Spur war. Ich fragte mich, ob das auch dem Schützen klar war.

Hinter mir rührte sich nichts. Wer immer auf mich geschossen hatte, verharrte in stiller Untätigkeit. Ich kroch ein wenig schneller, und nach weiteren fünfhundert Metern wagte ich es, mal meinen Kopf hochzustrecken. Nichts. Wild wogten die Wipfel, und etwas weniger wild klopfte mein Herz, und mit einem Mal kam ich mir ziemlich alt und müde vor. Ich schlich den Rest des Weges zurück zum Pfad, der bald und plötzlich wieder vor mir auftauchte, und dort drückte ich mich hinter ein paar dichte Büsche und hielt still. Ich war schweißgebadet unter meinem dicken Pullover, und der Wind ließ mich frösteln. Die Bourbon-Flasche glitt wie von alleine in meine Hand, und nach einem letzten Blick umher genehmigte ich mir einen Schluck. Dass das Ding heil geblieben war in diesem Durcheinander war ein Zeichen, ein Zeichen dafür, dass ich was trinken sollte. Also genehmigte ich mir noch einen. Dann überlegte ich mir, was ich tun sollte. Zurück den Pfad entlang konnte ich gerade nicht gut. Ich konnte nur annehmen, dass da noch immer ein schießwütiger Kerl im Hinterhalt lag. Warum eigentlich gleich so grob? Warum gleich nach mir ballern? Ich war doch Argumenten zugänglich. Naja. Einen dritten Schluck kippte ich nicht mehr, sondern saß erstmal nur da. Der Whiskey brannte in meinem leeren Magen, und der Wind ging noch immer. Ich sah auf die Uhr: kurz nach drei. Ich hatte nicht die richtige Ausrüstung dabei. Immer war ich falsch ausgerüstet. Zurzeit war ich wirklich nicht auf der Höhe. Ich ermittelte so selten im Wald. Daran lag das wohl.
Der Pfad ging zu meiner Linken Richtung Meer. Nach einigen Minuten ging ich ihn auch. Mein Herz schlug schon wieder ganz regelmäßig. Ich wünschte, ich hätte das von meinen Gedanken ebenfalls sagen können.

Es waren bloß noch zwölf Minuten bis zu einem Hohlweg um den Rand der Klippen herum, zwölf Minuten, in denen sich die Felsen immer höher zwischen und über den Bäumen auftürmten und das Geschrei der Seevögel erst leise hörbar und dann immer lauter wurde. Die Bäume wurden mit einem Mal lichter, und der sandige Boden durchsetzt mit Flecken, die für mich wie Granit aussahen, und dann war ich plötzlich am Rand des Waldes und zwischen den Felsen, und dann am Strand, und vor mir das Meer. Es war ein seltsamer Wechsel, als ob ich vor die Tür eines Hauses getreten wäre, in dem ich mich stundenlang bewegt hatte. Plötzlich war der Himmel wieder weit, und der Horizont ganz fern, und just in diesem Moment kam die Sonne zum Vorschein, dem starken Wind sei Dank, und die letzten Fetzen Nebel verloren sich rasch in dem starken Blau. Es war ein wunderbarer Herbstnachmittag am Meer, salzig und würzig und frisch, und man hatte auf mich geschossen und mich verfehlt, und alles in allem ging es mir gut. Solange ich lebte, war ich noch nicht tot, und ich hatte sowas wie eine neue Spur, und noch eine Drittelflasche Whiskey bei mir. Ich machte mich daran, den Feldweg die Klippen hinauf zu erklimmen.

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Montag, Oktober 20, 2008

Fern wie die Zeit (VII)

Sie hatten alles Mögliche, da in dem Wald, für jeden Geschmack etwas. Die ersten Hütten, auf die ich traf, konnten noch als solche durchgehen. Sie waren viereckige Angelegenheiten, innen vermutlich mit einem großen Raum, und außen mit drei oder vier Fenstern, mit Läden und einfachen Schlössern verrammelt, und einer groben Tür, an der dicke, aber simple Vorhängeschlösser hing. Die Schornsteine auf den Dächern wiesen auf Kanonenöfen hin, und das Holz an der Hüttenwand, knapp unter dem überhängenden Dach, ebenfalls. Die Reifenspuren neben der Hütten, falls vorhanden, gehörten sicherlich zu einem Jeep oder Landrover, und es waren einfache Jagdhütten, in die wochenendweise irgendwelche Jagdpächter aus der Stadt oder sonstwoher einfielen, einfach und staubig und verschlossen, und ihre Öfen waren kalt und die Schlösser von Spinnenweben verklebt. Mein Mann steckte dort nicht, in keiner von ihnen.
Dann gab es die nächsthöheren Behausungsklassen. Diese Häuser waren noch immer aus Holz, aber es waren keine Hütten in dem Sinne mehr. Ihrer Größe nach besaßen sie mehrere Räume, und nach den Fernseh-Antennen auf den Dächern zu schließen einen Generator, und Kühlschrank und Boiler und weiß der Kuckuck was noch alles, da hinter den verschlossenen Türen. Statt Kanonenöfen hatten sie gemauerte Kamine an den Rückwänden, zweifellos mit einer gigantischen Feuerstelle innen, und über der hingen schon die Strümpfe für den Weihnachtsmann. Manche der Fenster waren vergittert, und ich konnte einen Luchs hineinwerfen in den Dämmer, und was ich an Unterhaltungselektronik und Mobiliar sehen konnte, das erklärte die wuchtigen Riegel und Gitterstäbe und Schlösser. Es waren Wochenend- und Ferienhäuser, und was den Komfort anging, den sie zu bieten hatten, schlugen sie vermutlich meine Wohnung in der Stadt um Längen. Die Reifenspuren vor diesen Häusern sahen mir nicht nach Jeep aus, sondern nach Jaguar oder BMW, und wenn ich statt des Taschenmessers meine Dietriche dabei gehabt hätte, hätte ich in Versuchung kommen können, in der dunklen Räumen nach dem Eisschrank und einem kühlen Bier zu suchen. Aber die Häuser waren auch alle leer, die Generatoren abgeschaltet und still, die Schornsteine kalt, und die Zugänge verriegelt wie die Tore von Fort Knox.

Der Wald entpuppte sich immer mehr als ein verdammtes Labyrinth. Er war jedenfalls keine Vorstadt-Siedlung, in der die Hütten und Häuser geordnet entlang der Avenue gestanden hätten. Kleine Hohlwege und Trampelpfade zweigten immer wieder von meinem Weg ab und schlugen sich durch die Büsche, und wenn ich ihnen ein paar Minuten folgte, tauchte irgendwann eine Hütte auf oder auch nicht, und dann musste ich wieder zurück. Die Pfade verzweigten sich auch immer wieder, und das machte die Sache nicht einfacher. Einmal suchte ich zehn Minuten nach dem richtigen Weg, und nach allem, was ich wusste, konnte der Hauptpfad gleich hinter den nächsten Bäumen sein, aber ich sah ihn nicht, nirgends. Der Wald war hier viel weniger ordentlich als zu Beginn, die Bäume weniger alt und das Unterholz dichter und buschiger, und alle Naselang standen Haselnusssträucher und andere Gewächse im Weg herum. Ich versuchte, mich am Stand der Sonne zu orientieren, aber die war hinter einem Nebelparavent verschwunden, und das Meer konnte ich hier auch nicht hören – Fanny Gros hatte in dieser Hinsicht Recht gehabt. Schließlich folgte ich einem der Wege einfach auf gut Glück, und am Ende kam ich zu einer der Hütten, die direkt am Weg lagen. Sie kam mir irgendwie bekannt vor. Tatsächlich war ich hier schon einmal gewesen, vor einer halben Stunde. Ich ärgerte mich, dass ich mir für dieses Dickicht keinen Kompass besorgt hatte. Aber wer hätte ahnen können, dass ich mich durchs Unterholz würde schlagen müssen. Ich hatte es nicht geahnt.

Schließlich wurde der Weg schmaler. Links und rechts begannen kleine Böschungen, die ihn zu einem Hohlweg machten, und wer immer mit dem Auto unterwegs war, musste es hier zurücklassen. Ich war zu Fuß, also ging ich einfach weiter. Ich musste jetzt langsam in den Bereich der Steilküste kommen, wie es Jenkins geschildert hatte. Ich sah auf meine Uhr: zwei am Mittag. Das erklärte das Rumpeln in meinem Magen. Ich war seit sechs Stunden in diesem Wald unterwegs, gut eine Stunden länger schon, als Jenkins angenommen hatte. Die Umwege und Hütten hatten mich Zeit gekostet. Ich sah auf die Strichliste, die ich angefangen hatte: vierundzwanzig Striche, vierundzwanzig Hütten. Vierundzwanzigmal nichts. Langsam zweifelte ich daran, noch irgendeinen Hinweis hier draußen zu finden. Die Saison war vorüber, die Hütten waren versperrt, und ihre Besitzer waren woanders. Sie genossen den Herbst in der Stadt. Hier hatte ich Herbst im Wald, und außerdem hatte ich nicht die leiseste Ahnung, wo ich weitermachen sollte, wenn ich nichts fand. Viele Möglichkeiten gab es nicht mehr. Den Weg in Richtung Steilküste ging ich in dieser Stimmung und grübelte vor mich hin.

Ein letzter Pfad zweigte vom Weg ab. Das Rauschen der Wellen war mittlerweile wieder zu hören. Es konnte nun nicht mehr viel kommen auf den letzten Metern bis zur Küste. Mehr aus Pflichtgefühl denn aus der Erwartung, noch etwas zu finden, bog ich noch einmal vom Weg ab und bahnte mir meinen Weg durch die Büsche, die von beiden Seiten über den schmalen Pfad wucherten. Dann blieb ich stehen. Etwas hatte meine Aufmerksamkeit erregt. Ich sah mir den Busch, an dem ich gerade vorbeigegangen war, ein wenig genauer an. Zweige waren abgeknickt, und die Bruchstellen des dünnen Holzes waren noch grün. Ich ging in die Hocke und sah mir den Boden an. Ich meinte, Stiefelabdrücke erkennen zu können. Jemand hatte etwas Schweres hier entlang getragen – entweder das, oder er war sehr dick gewesen und wog, nach den Abdrücken zu urteilen, an die dreihundert Pfund. Ich ging ein Stückchen zurück und sah mir die anderen Büsche an: auch hier heruntergedrückte Zweige. Es wäre nicht unbedingt nötig gewesen, aber ich untersuchte auch hier den Boden nach Spuren. Das war mein Glück. Ein Schuss knallte, und noch bevor ich überhaupt reagieren konnte, schlug eine Kugel in den Stamm des nächsten Baumes, genau dort, wo vor ein paar Sekunden noch mein Kopf gewesen sein musste.

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Freitag, Oktober 17, 2008

Fern wie die Zeit (VI)

Ein Hahn krähte. Ein Hammer krachte mir auf den Hinterkopf. Mein Schädel brummte, und ich zog mich für ein paar Minuten wieder dorthin zurück, von wo ich kam. Der Hahn krähte immernoch. Ich schlug die Augen auf. Zwielicht füllte das Zimmer wie eine trübe Suppe den Suppentopf. Ein Topf Hühnersuppe, mit dem verdammten Hahn darinnen. Ich bewegte mich nicht, sondern lauschte nur dem Krawall. Meine Augen schweiften durch den kleinen Raum und streiften die Dinge mit ihrem Blick. Den Schrank. Die Waschschüssel voller Zigarettenstummel. Eine halbe Flasche Bourbon.
Ich schlug die Decke zurück und brachte mich in die Senkrechte. Es erforderte Willenskraft, und ich hatte lange nicht mehr soviel davon wie früher. Es war ein hartes Leben, und ich hatte schon ein paar Sprünge und Kratzer bekommen und war ein bisschen ausgeleiert. Früher hätte ich die ganze Flasche gesoffen und wäre trotzdem aus dem Bett gesprungen wie mit der Feder geschnalzt. Heute war ich einfach nur müde.
Ich zog die Vorhänge zurück und blickte hinaus. Draußen war die gleiche graue Suppe wie in meinem Zimmer. Der Hahn hatte seine Pflicht erfüllt und war nun verstummt. Es war auch wahrlich kein Tag zum Eierlegen, sondern ein düsterer Herbsttag in einem verlorenen Kaff an der Meeresküste. Ich öffnete das Fenster, und kalte Luft drang herein, und ich hörte die Wellen in der Ferne dröhnen. In meinem Kopf dröhnte es auch.
Ich stellte mich dem Tag. Es blieb mir nichts anderes übrig. Ich zog eine Jeans und meinen dicken Seemannspullover und Stiefel aus meinem Koffer und ließ den Anzug im Schrank. Er würde mir heute nichts nützen. In den Wald ging man nicht mit Stadtklamotten. Ich entschied mich aus einer Laune heraus für den Wald und die Hütten. Tuft und seine ominöse Galerie wollte ich erst noch einen Tag zurückstellen. Kein Grund, schlafende Hunde zu wecken. Ich packte die Bourbon-Flasche in eine kleine Ledertasche, die ich mitnehmen würde, zusammen mit meinem treuen Taschenmesser. Bevor ich mich anzog, ging ich in das kleine Badezimmer um die Ecke, um zu duschen. Der Warmwasserhahn gab kein Wasser. Ich blickte mich um. An der Wand war ein kleiner Kasten mit einem Schlitz oben dran. Er verlangte nach Jetons, die ich nicht hatte. Also duschte ich kalt, und ich duschte schnell. Es war trotzdem schrecklich, solange es dauerte, aber es möbelte mich auch auf. Ich verließ das Bad als ein neuer Mensch in der alten Hülle.

Von Fanny Gros war weit und breit nichts zu sehen, aber ich suchte sie auch nicht. In der Küche stand dafür eine Kanne mit Kaffee auf dem Herd, ein Gasherd mit eigener Gasflasche. Der Herd war aus, aber der Kaffee war noch warm. Fanny Gros konnte also noch nicht lange ausgerückt sein. Sogar so früh am Morgen kombinierte ich noch. Wie spät war es eigentlich? Der Blick auf meine Uhr sagte mir kurz nach acht. Ich trank zwei Tassen Kaffee, dann verließ ich das Haus, nicht ohne mein Zimmer abgesperrt und ein weiteres meiner Haare geopfert zu haben. Die Luft auf der Straße war feucht, aber der Nebel lüftete sich bereits, soll heißen, er stieg nach oben und wurde zu Hochnebel, der wohl den ganzen Tag begleiten würde, alle Farben dämpfte und die Sonne schluckte. Großartig.

Jenkins war in der Küche beschäftigt, wo ich ihn rumoren hörte, und das Café ansonsten leer und still. Der kalte Tabakrauch des letzten Abends hing noch in der Luft und trotzte der leichten Brise, die durch die geöffneten Fenster wehte. Zusammen mit dem Salz- und Tanggeruch des Meeres gab das ein wunderbares Aroma aus Mensch und Natur, Verfall und Geburt, ganz genau wie die Stimmung, die über diesem seltsamen Dörfchen lag.
Ich ging zum Tresen und lugte in die Küche. Jenkins war weder erfreut noch verärgert, mich zu sehen – weder entzückt noch überrascht noch übellaunig. Er nahm mich einfach hin. Ich bestellte ein Frühstück und setzte mich an einen Tisch. Schließlich verzehrte ich Spiegeleier und Schinken und Brot, und ich hatte schon schlechter gefrühstückt. Dazu trank ich noch eine Tasse Kaffee.
„Wo geht’s denn hier in den Wald?“, fragte ich ihn, als er das Geschirr von meinem Tisch abräumte.
„Wollen sie ihren Freund suchen?“, fragte er zurück.
„Nich unbedingt. Wenn ich ihn finden sollte, gut. Aber vor allem will ich mich ein bisschen umsehn, die Umgebung kennenlernen. Heut ist es ja eh grau, da kann ich auch in den dunklen Wald.“
„Kann ein paar Tage anhalten, wenn sie Pech haben, der Nebel.“ Er räusperte sich.
„Den Wald können sie nicht verfehlen. Der beginnt hier überall gleich hinter den Häusern. Ist ja offensichtlich. Aber wenn sie den geschicktesten Weg suchen, dann gehn sie’n Stück die Landstraße raus, ne Viertelstunde etwa, und dann von der Küste weg und den kleinen Weg lang, der mit nem Wanderschild gekennzeichnet ist. Ist’n Rundweg einmal ums Dorf, aber in einiger Entfernung. Ist aber ziemlich breit, weil da auch manche mit dem Auto langfahren, meistens die Städter zu ihren Hütten, und der Förster.“
„Wie lang dauert denn das zu Fuß, so etwa?“
„Wird sie wohl so vier Stunden kosten, wenn sie dem Weg ganz folgen. Am Ende wird er enger und ist dann nur noch’n Wanderweg, und dann kommen sie unterhalb der Steilküste wieder raus und müssen ’n bisschen klettern, sozusagen. In fünf, fünfeinhalb Stunden sind sie wieder hier im Dorf. Dann hab ich auch längst das Mittagessen fertig.“
Ich dankte ihm und zahlte das Frühstück und verließ das Café. Ich konnte spüren, wie er mir hinterher blickte, aber ich konnte nicht spüren, ob es ein misstrauischer oder mürrischer oder überhaupt was für ein Blick es war. Von draußen winkte ich ihm nochmal zu, und er winkte zurück, ohne großen Ausdruck, und ging wieder in seine Küche. Ich ging die Hauptstraße lang. Kein Mensch war unterwegs. Das Dorf war wie ausgestorben. Am Hafen waren die meisten Boote weg gewesen, unterwegs auf Fischfang, wie ich annahm. Vergnügungsfahrten waren bei dem Wetter eher unwahrscheinlich. Auch die Seestern hatte nicht mehr am Steg gelegen. Wer hier arbeitete, stand offenbar früh auf. Für die hiesigen Verhältnisse war ich wahrscheinlich ein Langschläfer.
Um kurz vor neun war ich auf der Landstraße und stiefelte voran unter dem verhangenen Himmel.

Es war genau, wie Jenkins gesagt hatte. Nach einer knappen Viertelstunde tat sich linker Hand eine kleine Lücke im Wald auf, der an dieser Stelle fast nur aus Tannen und Kiefern bestand, und ein holpriger Weg führte ins Dunkel hinein. Ein kleines Schild mit früher einmal bunten Punkten und verwaschener Schrift stand am Wegesrand und wies den Weg zu unleserlichen Orten. Der Weg war ungeteert, rohe, festgestampfte Erde, die ab und zu von Baumwurzeln aufgeworfen war, und gerade breit genug für einen Wagen. Der Tag war kühl, aber mit meinem Pullover war mir warm, und das Gehen hatte mich auch gewärmt. Es ging kein Wind, und der Wald war dicht und tief, und so würde es drinnen auch nicht so kalt werden. Ich trat auf den neuen Weg, und ein bisschen war es, als beträte ich eine Höhle oder einen unterirdischen Gang. Die Zweige der Bäume beschirmten ihn wie ein festes Dach, und nur Zwielicht schaffte es durch die dunklen, buschigen Äste. Es war ein stiller Wald, je weiter ich voranging, und kaum einmal ein Vogelzwitschern erfüllte die Luft. Ab und an raschelte ein kleines Tier in der Ferne, aber insgesamt schien es, als habe sich der Wald mit allem darin bereits zur Ruhe gebettet für den kommenden Winter. Am Ende der Welt im verwunschenen Wald, hinter den sieben Bergen bei einem Haufen Zwergen, und mitten darunter ich, der Oberzwerg. So sang ich leise vor mich hin auf meinem Weg hinein in den Zauberwald.

Der Wald war sehr alt an dieser Stelle, und die Bäume standen schon lange so, wie sie standen. Das merkte ich daran, dass es kaum Unterholz gab, und ich unter dem dunklen Dach weit blicken konnte, oder jedenfalls so weit, wie es das Zwielicht zuließ. Mein Eintritt in den Wald lag nun schon ein Weilchen zurück, und gerade schien es, als würde sich der Nebel doch noch den Weg für ein bisschen Sonne freimachen, aber hier unten konnte ich das schlecht sehen, und so war ich mir nicht sicher. Ich bildete mir ein, dass der Dämmer ein paar Grautöne heller wurde, aber vielleicht hatten sich auch nur meine Augen daran gewöhnt.
Dann änderten sich die Bäume, und der ganze Charakter des Waldes wurde plötzlich ein anderer. Der Boden wurde sandiger an dieser Stelle, und unter den Nadelbäumen fanden sich immer mehr Laubbäume, deren buntes Gefieder zwischen dem stoischen Dunkelgrün glänzte. Der Himmel wurde mit einem Mal weiter, und ich konnte sehen, dass der Nebel tatsächlich dünner wurde und erste Speere von Licht durch das Dickicht und durch die Blätter drangen. Es tat gut, die Sonne wiederzusehen.
Der Weg war hier noch immer eine Wagenbreite breit, und ein paar hundert Meter voraus konnte ich einen dunklen, rechteckigen Schatten zwischen den Stämmen sehen. Ich war jetzt eine halbe Stunde in den Wald hinein, und ich stand vor der ersten von fünfundzwanzig Hütten, die ich an diesem Tag untersuchen sollte, und wie die nächsten dreiundzwanzig sollte sie sich als verschlossen und still und leer erweisen. Aber das wusste ich natürlich noch nicht.

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Montag, Oktober 06, 2008

Fern wie die Zeit (V)

Ich ließ erstmal Gras über die Sache wachsen. Soll heißen, ich machte mich nach meinem Bourbon auf an die frische Luft, ohne nochmal auf Jenkins zuzugehen. Egal was ich ihn noch gefragt hätte, es wäre eine Frage zuviel gewesen in diesem Moment.
Er nickte mir immerhin zu, als ich die Türe öffnete, um hinauszugehen, und ich nickte zurück und trat hindurch. Das war so die Kommunikationsweise in diesen Dörfern: endloses Nicken mit ernsten Gesichtern, ausgeführt von schweigsamen Männern, die harte Arbeit verrichteten oder auch nicht, und ihre Frauen zuhause in den Wahnsinn trieben mit ihrer Schweigsamkeit. Männer, die Krebs und Hass und Verzweiflung in sich hineinfraßen und immer tiefer hineinfraßen, nach außen verschlossen wie die Zellentrakte von Sing-Sing, bis sie irgendwann explodierten oder an ihrem eigenen, angesammelten Gift erstickten. Ich kannte das Leben auf den kleinen Dörfern. Darum hatte es mich in die Stadt gezogen.
Aber jetzt war ich wieder auf einem Dorf, und eine heiße Spur von meinem Mann hatte ich noch immer nicht, nur die lauwarme Fährte, die mich hierher geführt hatte, und die schien mir derzeit keinen Schuss Pulver mehr wert. Vielleicht war ich aber auch nur einfach schlecht gelaunt gerade.

Es war sternklar draußen und bereits stockdunkel. Die Nacht fiel mittlerweile wie ein Stein. Ein Blick auf das Meer zeigte, dass der Nebel begonnen hatte, wieder landeinwärts zu rollen, aber es würde noch ein Weilchen dauern, bis er hier ankäme. Also beeilte ich mich nicht besonders, in meine Luxuspension zurückzukehren, sondern schlenderte so vor mich hin, die dunkle Straße wieder runter. Ich zündete mir eine Zigarette an und trank den Rauch tief hinunter, und ich fühlte mich wieder ein bisschen wohler und begann schon wieder, Pläne zu schmieden.
Dass ich Tuft auf den Zahn fühlen musste, war klar. Das war ein bisschen zuviel Zufall für meinen Geschmack, auf der Suche nach einem Superauge gleich noch einem über den Weg zu laufen. Wie auch immer Tuft und Hendrichs miteinander verbunden waren, auf irgendeine Art und Weise verbunden waren sie. Das hatte ich im Gefühl. Wenn man sonst nichts hatte, worauf man sich verlassen konnte, musste man sich wenigstens auf seinen Bauch verlassen. Guter alter Bauch.
Ich tätschelte mir den Bauch und spazierte weiter. Die Galerie ging mir auch nicht aus dem Kopf, als was auch immer das Ding sich schließlich entpuppen würde. Schien ja eine Privatangelegenheit zu sein. Vielleicht sollte ich Fanny Gros nochmal ein bisschen plaudern lassen, wenn ihr danach war. Für sie schien die Galerie ja immerhin keine große Sache. Und was hatte es mit Tufts Besuchern auf sich, die sie erwähnt hatte?

Dergestalt stolperte ich vor mich hin, die Zigarette schon wieder abgebrannt und nur noch als toter Stummel zwischen den Fingern, links das Dorf, rechts die Bucht und der kleine Hafen und das Meer, als mich ein Geräusch aus meiner Denkerei hochfahren ließ. Ich blieb stehen und duckte mich instinktiv, was in der Stadt vielleicht manchmal ganz klug war, auf dem Dorf aber ziemlich blöde. Wo ich gerade stand war es so dunkel, dass mich kein Mensch sehen konnte, wenn er nicht fast in mich hineinrannte. Also stand ich wieder auf und spitzte die Ohren, die ein Klappern hörten, und schärfte die Augen, die erstmal gar nichts sahen, und dann einen Schatten auf einem der Kutter. Da schleppte einer Dinge durch die Gegend, und er hatte sich ausgerechnet die Stille der Nacht dazu ausgesucht. Jetzt war der Schatten auf dem kleinen Steg und gegen den Himmel plötzlich gut zu erkennen, als Schattenriss, und nahm sich eine Kiste oder etwas anderes Großes, Schweres, und hievte es an Bord. So ging das ein paar Minuten, während derer ich mich nicht rührte und interessiert zusah. Warum ich so stocksteif dastand, wusste ich selbst nicht, aber in diesem Dorf schien mir mittlerweile nicht alles immer das zu sein, was es auf den ersten Blick schien, und so hielt ich mich erstmal raus. Währenddessen wurden meine Augen in der Dunkelheit besser. Der Typ – eine Frau konnte es nicht sein, dafür schienen die Kisten zu schwer, die Geräusche zu laut und die Bewegungen zu ungelenk – hatte wildes Haar und trug offenbar schwere Stiefel. Seine Augen konnte ich nicht sehen.
Bevor ich mich entschieden hatte, ob ich nun abwarten oder ihn ansprechen sollte, nahm er mir die Entscheidung ab. Er war mit dem Verstauen seiner Sachen fertig und ging über den Steg zurück an Land. Ich drückte mich in einen Busch und atmete flacher, aber er war viel zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, um mich zu bemerken. Er ging relativ dicht an mir vorüber und dann weiter in Richtung des Cafés. Leuchtende Augen hatte er keine. Wilde, strähnige Haare, aber ansonsten ein Allerweltsgesicht. Trotzdem kam er mir bekannt vor, und irgendeine kleine Glocke in meinem Kopf bimmelte. Aber es war keine wichtige Glocke.
Ich stand wieder auf und sah ihm nach, und konnte erkennen, dass er am Café in der Ferne und seiner Beleuchtung vorbeiging und weiter in Richtung des anderen Endes des Dorfes, bis ihn die Dunkelheit und die Schatten verschluckten. Die Nacht war wieder ruhig und klar, und ich stand alleine hier am Hafen rum.
Eine Minute später war ich am Kutter, aber hier gab es nichts von Interesse. Das kleine Bootshaus war verschlossen, und die Kisten und Fässchen waren vernagelt und verriegelt wie nur was und auf dem Deck verzurrt, als sei es für die Ewigkeit. Ich hatte nicht mal ein Taschenmesser dabei im Moment, geschweige denn ein Brecheisen, und so konnte ich mir nur die Kistendeckel anschauen und mir meinen Reim darauf machen. Er klang nicht besonders. Vorne auf dem Bug des Kutters stand wenigstens ein Name: die Seestern. Und warum auch nicht.
Mit einem letzten Blick über die Szene und das Meer und den Nebel löste ich mich von der Seestern und strebte unter den Sternen des Himmels meinem schmalen Bett zu. Statt einfacher Antworten gab es bisher nur mehr Rätsel. Genug für einen Tag. Alles was Recht war.

Die Türe quietschte wie eine angestochene Wildsau. Ich fuhr zusammen und fluchte leise, weil ich daran nicht mehr gedacht hatte. Aber das Haus blieb so dunkel wie es war. Fanny Gros hatte offenbar einen tiefen Schlaf.
Vor meiner Zimmertür bückte ich mich und suchte mit einem Streichholz nach meinem Haar. Es klebte noch immer über Tür und Rahmen, und die Tür war auch immernoch verschlossen. Ich schloss auf und trat ein und ließ fallen. Dann holte ich mit einem Seufzen meine Reiseschreibmaschine aus dem Koffer. Nur gewohnheitsmäßig spannte ich noch eine Karte in die Maschine und tippte schnell die Dinge runter, die mir heute zugestoßen und aufgefallen waren. Große Lust dazu hatte ich nicht, aber man erinnerte die Dinge nie mehr so klar wie im ersten Moment. Wer konnte wissen, wozu es noch gut sein würde. Es wurden dann sogar drei Karten, alles in allem.
Ich steckte die Karten in den großen Umschlag mit dem Buchstaben H und verstaute ihn ganz unten in der Kommode unter meinen anderen Sachen, und dann freundete ich mich noch ein bisschen mit meiner Bourbon-Flasche an. Erfreut stellte ich fest, dass sie mehr hielt als versprach. Ich war in guter Gesellschaft.

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Fern wie die Zeit (IV)

Es gab keine große Straßenbeleuchtung im Dorf. Als ich am Café anlangte, machte Jenkins drinnen gerade die Lichter an. Ich ging die Stufen zur Tür hinauf und trat ein. Es saßen noch drei andere an der Theke, jeder mit seinem Getränk bei sich, und jeder mehr oder weniger für sich. Jenkins hob die Hand zur Begrüßung.
„Sind sie wieder da? Haben sie ihr Zimmer gekriegt?“
„Ja, danke. Ich würde gern was zu Abend essen.“
„Sie kriegen den Hackbraten, den ich vorhin in den Ofen geschoben habe. Und ein kaltes Bier dazu.“
Ich nickte, und er strebte durch die Küchentür. Die Gesichter der anderen Kneipensitzer wandten sich wieder ab und ihren eigenen Getränken und Angelegenheiten zu.
Ich setzte mich in einen Nischenplatz und legte mir die weiteren Schritte zurecht, wie ich es gerne tat.
Er war nicht bei Jenkins aufgeschlagen, und auch nicht bei Fanny Gros, jedenfalls wenn sie die Wahrheit sagten, was ja nicht der Fall sein musste. Aber warum sie lügen sollten, und noch dazu so überzeugend, das wusste ich auch nicht.
Also musste er woanders stecken, gerade wenn Jenkins ihn noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Ich schätzte, dass ihm hier nicht viel entging. Eine der Hütten. Ich fragte mich, wie viele von denen es hier so gab. Er kam selten ins Dorf, sondern hielt sich im Wald oder an der Küste auf, je nachdem. Wo lag das Haus von Tuft? Von der Straße vor Fanny Gros‘ Haus hatte ich nichts gesehen, und ich wusste auch nicht, wie weit die Steilküste ging. Aber wenn es weit genug war...
Dann kam Jenkins aus der Küche und brachte mir mein Bier. Ich wollte ihn gerade nach der Steilküste und den Hütten und Tuft fragen, als die Tür zum Café aufging und ein großer, hagerer, schwarzer Mann hereintrat. Ich sagte schwarz, denn er trug einen schwarzen Mantel, einen schwarzen Anzug mit einem schwarzen Hemd, schwarze Schuhe und einen schwarzen Hut. Vermutlich auch eine schwarze Krawatte, wenn ich das in all dem Schwarz noch hätte ausmachen können. Sein Spazierstock war von der gleichen Farbe. Sein Schnurrbart hingegen war weiß und ordentlich gestutzt, und über dem Schnurrbart saß eine aristokratische Nase, gewölbt wie eine Adlerschwinge. Aber Bart und Nase interessierten mich nicht, und auch das Schwarz seiner Kleidung nur insoweit, als es sein Gesicht übertrieben blass wirken ließ und dadurch die Wirkung seiner Augen noch verstärkte, die tief in ihren Höhlen lagen und, ich konnte es nicht besser sagen, mongolisch wirkten, alte Augen, so dass ich, als sein Blick mich teilnahmslos streifte, dachte, den Schauer von Jahrhunderte zu spüren, der mir über den Rücken lief. Vielleicht war es aber auch nur die kalte Luft von draußen.

Es war nicht Hendrichs. Er war zu alt, und er war zu groß. Ich versuchte, mir mein Erstaunen nicht anmerken zu lassen, aber ich starrte ihn trotzdem an. Der Mann ging durch den Raum zum Tresen und setzte sich unter die anderen und bestellte, wenn ich meinen Ohren trauen konnte, einen Absinth. Zu meiner Überraschung schien Jenkins welchen vorrätig zu haben. Das Glas, das er ihm hinstellte, war jedenfalls grün und wechselte dann die Farbe zu milchig weiß, als er Wasser hinzufügte.
Dann kam mein Hackbraten, und ich hatte etwas, hinter dem ich mich verstecken konnte. Den Hackbraten so zu missbrauchen war eine Schande, denn ich glaube er war hervorragend. Jenkins konnte kochen, keine Frage. Ich aber war mit meinen Gedanken ganz woanders, und ich schmeckte nicht wirklich, was ich aß. Was hatte das zu bedeuten?
Der Mann am Tresen kippte seinen Absinth und dann noch einen in Rekordgeschwindigkeit. Dann griff er die ebenfalls schwarze Ledertasche, die er mit sich hereingebracht hatte, und kramte darin herum, bis er ein Notiz- oder Skizzenbuch oder sowas gefunden hatte, ein schmales Bändchen jedenfalls in einem Wachstuch-Einband. Er winkte Jenkins heran, und die beiden unterhielten sich eine kurze Zeit, wobei sie die Köpfe zusammensteckten und in sein Büchlein sahen, weshalb ich kein Wort verstehen konnte. Danach bestellte der Mann noch einen Schnaps. Ich zollte seiner Trinkfestigkeit innerlich Respekt. Ich konnte nur annehmen, dass er schon gegessen hatte. Danach nämlich stand er auf und machte sich wieder bereit zu gehen. Der Spazierstock klackte, als er festen Schrittes und ohne das leiseste Schwanken den Raum durchquerte. Er streifte mich mit einem beiläufigen Blick und nickte mir kaum merklich zu, eine Geste allgemeiner Höflichkeit. Ich nickte zurück und hustete in mein Taschentuch, sobald die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war. Ich überlegte, ob ich ihm schnell nachgehen sollte, und trank dann doch mein Bier aus und winkte nach Jenkins. Ich brauchte jetzt auch einen Schnaps.
Jenkins räumte mit einem „Hat’s geschmeckt?“ den Teller ab, was ich bejahte und fortfuhr:
„Einen Schnaps hätte ich noch gern. Was war’n das für’n Zeug, das sie dem schwarzen Mann da gerade ausgegeben haben? Sagen sie bloß, sie haben Absinth hier in ihrem Café?“
„Haben tu ich tatsächlich welchen, aber ausschenken tu ich ihn im Allgemeinen nicht. Ich kann ihnen aber jeden anderen Schnaps bringen. Einen Bourbon für sie?“
Ich nickte mein Einverständnis und sagte:
„Wer war denn der schwarze Mann?“
„Das war Richard Tuft. Er ist ein Künstler, der schon lange hier lebt. Hat ein Haus oben an der Steilküste.“
„Das erklärt jedenfalls seinen kleinen Sondervorrat.“ Ein Klischee, wenn ich jemals eines gesehen hatte.
„Ist jemand gestorben, oder warum die Kleidung?“
„Er hat’s gerne eindeutig, wie er sagt. Er trägt seine Kleidung immer in einer Farbe. Heut ist Montag, oder? Dann ist heute schwarz dran. Wie sie ja gesehen haben.“
„Ich hab gehört, er hat ne Galerie in seinem Haus“, sagte ich zu Jenkins, der sich abwandte und zurück zur Küche laufen wollte.
„Wer hat ihnen denn das erzählt?“, fragte er mich, und ich glaube, er war ehrlich verblüfft.
„Ich hab Fanny Gros gefragt, was ich mir hier anschauen könnte, wenn ich schonmal da bin, und da ist ihr seine Galerie eingefallen.“
„Ich weiß nicht, ob sie die sehen können. Sie kommen von außerhalb“, sagte er, und jetzt konnte ich Vorsicht in seiner Stimme hören. In dem Moment winkte ihm einer an der Theke, und mit einer gemurmelten Entschuldigung war er schneller weg als die Miete zum Monatsersten.
Als er mit dem Bourbon wiederkam, etwas anderes blieb ihm ja nicht übrig, sagte ich:
„Wie meinen sie das mit der Galerie und dass ich von außerhalb komme?“
Er seufzte.
„Das ist eher so eine private Angelegenheit, von Tuft, von uns hier. Das geht eigentlich keinen was an. Typisch für Fanny, dass sie ihnen das erzählt hat. Stecken sie ihre Nase nicht in alles rein, und suchen sie lieber ihren Freund.“
Damit ließ er mich sitzen. Ich war verblüfft. Jenkins konnte auch unfreundlich. Ich fragte mich, ob die Dörfler mit Fackeln und Mistgabeln an meiner Türe kratzen würden, wenn ich etwas Falsches täte. Immerhin gab es plötzlich die Möglichkeit, etwas Falsches zu tun. Auch hier auf dem flachen Land, am Ende der Welt. Sieh einer an.

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Sonntag, Oktober 05, 2008

Fern wie die Zeit (III)

Am Ende des Dorfes hörte die Straße einfach auf, und nur ein unbefestigter Feldweg schlängelte sich weiter in Richtung Steilküste. Drei Häuser standen an dieser Stelle noch beieinander, als kauerten sie sich zusammen gegen das Meer und die Wälder. Es gab keine Hausnummern, ich wusste sowieso von keiner, und es gab auch keine Namen an den Türen. Auf gut Glück ging ich zum größeren der drei Häuser hinüber. Wer Gäste beherbergen wollte, brauchte schließlich Platz. Wenn „Platz“ auch der falsche Ausdruck für das war, was dieses Haus bot.
Die Wände schienen von außen feucht. Ihr Putz bröckelte in losen Fladen. Das Salz des Meeres hatte das Haus angefressen. Es hatte ein Stockwerk; einige Fenster schienen blankgeputzt, andere waren so blind wie die vielbeschworene Gerechtigkeit. Ich trat zur Tür und klopfte.
In der Zeit, die ich warten musste, hätte ich ohne weiteres noch einen Spaziergang machen können. Nach zwei weiteren Attacken gegen die Tür war ich schon fast so weit, es bei den anderen Häusern zu versuchen – bei einem hing immerhin Wäsche im Garten -, als es schließlich doch noch im Hausflur, oder was immer hinter der Tür lag, zu rumoren anfing.
Die Tür entpuppte sich als unverschlossen. Die Klinke wurde nach unten gedrückt, und quietschend bewegte sie sich in den Angeln. Ich sage das nicht, um den dramatischen Effekt zu erhöhen. Ich sage das, weil die Angeln quietschten wie der Chor der Verdammten am Tag des Jüngsten Gerichts. Eine kleine Frau stand in der Tür. Sie trug ein Kopftuch und eine Kittelschürze, und selbst mit ihren dicken Brillengläsern erkannte ich sie als diejenige wieder, die mit mir im Bus hierher gewesen war.
„Guten Tag, junger Mann.“ Alle hier nannten mich einen jungen Mann. Ich blühte langsam auf. „Was kann ich für sie tun?“
Ihre Stimme hatte am Ende des Satzes eine Tendenz, nach oben zu ziehen. Sie zitterte auch ein bisschen, die Stimme, war aber ansonsten ganz fest. Irgendwie begegnete ich bisher nur alten Leuten.
„Ich suche ein Zimmer, Mam. Ich möchte eine Woche Urlaub machen. Sind sie Fanny Gros? Jenkins schickt mich.“
„Ja, ich bin Fanny Gros.“ Sie musterte mich einen Augenblick lang, ganz schamlos. „Kommen sie rein.“
Sie führte mich durch einen kurzen, engen Korridor, an dessen Ende die Küche lag. Ich konnte den Küchentisch sehen, auf dem ein paar Dutzend Eier lagen.
Das Zimmer war eher ein Besenschrank als etwas anderes. Ein schmales Bett und eine Kommode, auf der eine Waschschüssel stand. Ich hatte nicht gedacht, dass so etwas überhaupt noch existierte.
„Bad und Toilette sind gleich hier rechts. Die Waschschüssel steht nur so da. Ich würde ihnen ja das große Zimmer geben, aber ich bin nicht sicher, ob nicht noch andere Gäste kommen. Ihr Bett müssen sie selber machen. Sie waren mit im Bus vorhin.“
Ich brauchte einen Moment, um zu begreifen, was sie meinte. Es war auch eher eine Feststellung denn eine Frage, also antwortete ich auch nicht. Ich sah stattdessen zum Fenster hinaus, von dem aus man den Himmel und das Meer sehen konnte. Ein salziges, windgepeitschtes Stückchen von etwas, was einmal Rasen gewesen war, erstreckte sich zwischen dem Geröllstrand und dem Haus. Möwen schrien, undeutlich gedämpft durch das schmutzige Fensterglas. Mit einem Mal war es ein gottverlassenes Fleckchen Erde hier. Was zum Kuckuck hatte ich nur hier verloren.
„Zwanzig am Tag. Warmwasser extra. Vierzig vorneweg.“
Ich kehrte mit meinen Gedanken ins Hier und Jetzt zurück. Sie war geschäftstüchtig und wusste, was sie wollte. Und viele Alternativen hatte ich sowieso nicht.
„Fünfzehn“, sagte ich, was bei ihr überhaupt keine Reaktion hervorrief. Sie starrte mich nur weiterhin irgendwie schamlos an, ich kannte kein besseres Wort dafür. Ich dachte an Tante Emmas Ratschlag. Wahrscheinlich würde ich tatsächlich meine Tür abschließen.
„In Ordnung“, sagte ich.
Die weiteren Formalitäten gestalteten sich einfach. Ich gab ihr ihre vierzig, und sie drückte mir einen Schlüssel von Format und Schwere einer Werkzeugfeile in die Hand. Dann wünschte sie mir einen schönen Tag, drehte sich um und ging in die Küche. Ich schloss die Tür, stellte die Taschen ab, hängte Hut und Mantel an den einsamen Haken hinter der Tür und öffnete das Fenster. Das Schreien der Möwen war jetzt deutlich zu hören. Ich krempelte die Ärmel hoch, ließ mich aufs Bett fallen und fischte nach den Zigaretten. Paffend sah ich zur Decke und dann wieder aus dem Fenster. Die Waschschüssel gab einen prima Ascher. Die Sonne senkte sich langsam nieder, und der Nebel in der Ferne begann, wie von innen heraus zu leuchten, erst undeutlich, dann immer stärker, bis er die Sonne schließlich schlucken würde. Es konnte nicht mehr allzu lange dauern. Also stand ich wieder auf, nahm Mantel und Hut und ging aus dem Zimmer.
Draußen befestigte ich mit einem bisschen Spucke ein Haar zwischen Tür und Türrahmen. Einer der ältesten Tricks der Welt. Aber warum nicht. Abschließen tat ich auch noch. Der Schlüssel polterte in meiner Tasche hin und her wie ein Wackerstein.

Als ich auf dem Flur vorbeiging, saß Fanny Gros in der Küche und sortierte ihre Eier.
„Ich bin nochmal aus, Mam. Gibt’s Abendessen bei Jenkins?“
„Sicher, im Café können sie immer essen, wenn sie wollen. Sie können auch hier etwas bekommen. Das kostet sie natürlich ein bisschen extra.“
„Danke, aber ich möchte mir noch einmal das Dorf anschauen, bevor es dunkel wird. Ich hab noch nicht viel gesehen.“ Ich verstummte einen Augenblick, dann fragte ich sie:
„Geht das Geschäft gut mit den Gästen?“
Sie hielt mit ihren Eiern inne und meinte:
„Mal so, mal so, junger Mann. Ich habe öfters Gäste, auch wenn nicht mehr so viele wie früher hierher kommen. Es gab schon Zeiten, da war das Dorf im Sommer voller Touristen und Städter, man kannte sich gar nicht mehr aus. Manche kommen immernoch, aber viele von denen haben inzwischen ihre eigenen Hütten, in denen sie dann bleiben. Seit Jenkins aber aufgehört hat, seine Zimmer zu vermieten, kommen die meisten anderen zu mir.“
„Abseits des Sommers ist aber wohl nicht so viel los? Jetzt gerade zum Bespiel, im Herbst.“
„Der Herbst ist sehr schön hier, wenn der Nebel sich zurückhält. Aber natürlich sind es weniger Leute. Gerade heutzutage.“
Ich musste wohl ein bisschen direkter werden, auch wenn es mir widerstrebte:
„Ich glaube, ein Freund von mir war vor ein paar Wochen auch hier im Dorf zu Besuch.“
„Ein Freund von ihnen?“
„Ja, jetzt wo ich mich erinner – er heißt Hendrichs. Er hat nicht zufällig auch bei ihnen gewohnt?“
„Wer hier wohnt, das geht eigentlich keinen was an. Ich würd’s ihnen nicht unbedingt sagen, wenn er hier gewesen wäre. Aber hier war kein Hendrichs, oder wie er heißt. Wenn er hier im Dorf war, dann nicht bei mir, und dann wahrscheinlich in seiner eigenen Hütte.“
„Vielen Dank, Mam. Ich dacht‘s mir nur so. Ist ja auch nicht wichtig.“
Ich machte mich bereit zu gehen, aber dann fiel mir noch etwas ein und ich fragte sie:
„Mam, können sie mir etwas Besonderes empfehlen?“
„Empfehlen?“ Sie blickte kurz vor sich hin, als käme ihr der Gedanke zum ersten Mal in ihrem Leben.
„Naja, hier im Dorf, was jemandem gefallen könnte, der nicht von hier ist. Schöne Aussichten, besondere Orte, solche Dinge“, half ich ihr auf die Sprünge. „Was sich einer anschauen könnte, der nicht hier geboren ist. Wo man sich gerne aufhalten würde.“
Sie sortierte erst noch ein paar ihrer Eier nach ihren geheimen Kriterien. Dann räusperte sie sich.
„Also, sie können sich natürlich das Meer anschauen. Das ist ja selbstverständlich. Von der Steilküste hat man einen ganz guten Blick. Oder gehen sie in den Wald, aber passen sie auf, dass sie auch wieder rausfinden. Die Wege im Wald gehen ziemlich kreuz und quer, und man kann das Meer hören, aber es ist nicht immer klar, von wo das Rauschen kommt.“
Sie dachte noch einmal kurz nach, ehrlich angestrengt. Sie schien doch nicht so übel zu sein. Immerhin zerbrach sie sich für mich den Kopf.
„Und es gibt das Haus von Tuft auf der Steilküste“, sagte sie schließlich, als sei ihr der Gedanke plötzlich gekommen, „mit der Galerie, wenn sie sowas interessiert.“
„Eine Galerie?“
„Ja, er stellt in seinem Haus Bilder aus. Es geht eigentlich kaum jemand hin, aber er tut es trotzdem. Er ist ein bisschen seltsam.“
„Wer ist dieser Tuft?“
Sie holte Luft. Sie setzte zu einer längeren Geschichte an. Ich lehnte mich an den Türrahmen. Alles, was ich erfahren konnte, konnte mir nur helfen.
„Eigentlich ist er ja keiner von uns. Ich meine, er ist vor zwanzig Jahren hergezogen. Er gehört dazu zum Dorf. Es ist eben der Unterschied, ob man hier geboren ist oder nicht, und ob man hier lebt oder nicht.“ Das Letzte mit einem schnellen Blick zu mir.
„Und er mag Bilder. Manchmal können sie ihn auf der Steilküste oder im Wald treffen, mit einer Leinwand und Farben. Ich weiß nicht, ob er ein richtiger Maler ist“, sie meinte wohl Künstler, „jedenfalls ist er hier so etwas wie eine Respektsperson. Ich würde auch nie schlecht über ihn reden. Wenn nur seine Besucher nicht wären.“
„Seine Besucher?“, hakte ich instinktiv nach. Aber das war genau das Falsche. Sie blickte erst auf und dann weg, und ihr Gesicht und ihr Mund verschlossen sich wie eine Auster.
„Ich habe schon zuviel erzählt. Ich klatsche nicht über andere Leute, junger Mann.“
„Sicherlich. Danke für ihre Empfehlungen, Mam. Ich schätze, ich werde mir heute Abend das Dorf anschauen. Es ist wirklich sehr schön hier.“
Das lockerte sie wieder ein wenig auf. Ich tippte mir an den Hut und ließ sie in ihrer Küche zurück. Die Haustür quietschte in ihren Angeln, und ich war auf der Straße und ging langsam in Richtung Café. Es war ein lauer, beginnender Herbstabend, der wie von innen heraus leuchtete. Das Dorf war in diesem diffusen Licht tatsächlich schön, eine blanke Leinwand für das Spiel der Farben, die die Natur hier um sich streute, in einem eng umgrenzten Raum am Ende der Welt, fern von allem und nur auf sich selbst bezogen. Irgendwo hier war der Mann, den ich suchte. Da war ich mir mit einem Mal sicher. Ich zog eine Zigarette heraus, und der warme Rauch vermischte sich mit dem würzigen Duft des Meeres und des beginnenden Abends.

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Freitag, Oktober 03, 2008

What's at Stake

If you want to know what is at stake at this very moment in time, go here.
Im curious how this narrative will develop. It would be worth a little more scrutiny. Perhaps one of the next days.

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Out of the Night

Ich wusste, ich sollte ins Bett gehen. Es war spät, und ich war fix und fertig. Mein Körper war es. Mein Kopf nicht. Mein Kopf sagte: Bleib wach. Es ist Nacht. Es ist deine Zeit.

Es war die Zeit nach Mitternacht, in der der Whisky floss, um das Hirn zu umnebeln, und die Nacht ruhig und dunkel und schwer war. Es war die Zeit, zu der meine Gedanken anfingen, ein Eigenleben zu führen, und ich mich von einer Assoziation zur nächsten hangelte. Es war meine Zeit. Es war die Zeit, zu der mein Leben stattgefunden hatte. Dabei war ich kein Mensch, der nachts arbeitete oder arbeiten konnte. Ich war ein Mensch, der nachts das Leben spürte. Es pulsierte in meinen Adern. Es war da. Immer nachts.

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Mittwoch, Oktober 01, 2008

Fern wie die Zeit (II)

Ein paar Minuten später brachte mir der alte Mann eine dampfende Schüssel und einen Kanten Brot. Frugal, aber nicht übel. Ich griff zum Löffel und wollte mich an die Arbeit machen, als er mich fragte:
„Wie soll er denn aussehen, ihr Freund? Vielleicht haben sie ja Recht mit der Hütte. Es gibt ne ganze Menge Jagdhütten und Blockhäuser hier draußen, von den Städtern. Schneien überraschend hier rein, bleiben ne kurze Zeit und sind schon wieder weg. Aber die Zäune um ihre Hütten, die bleiben das ganze Jahr.“
Ich legte den Löffel wieder hin. Die Suppe war sowieso noch zu heiß.
„Er hat ne Zottelmähne und wahrscheinlich einen Schnurrbart. Und leuchtende Augen.“ Das war meine beste Chance. Die Zeichnung konnte ich ihm nicht gut zeigen, ohne den letzten Rest meiner gerade erst gefundenen Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen. Wer reiste schon mit einer naiven Zeichnung eines seit Jahren verschollenen Freundes in der Gegend herum?
„Wie meinen sie das, leuchtende Augen?“
„Ist schwer zu sagen. Wenn man’s sieht, ist‘s einem gleich klar. Es sind irgendwie mongolische Augen, verstehen sie? Alte Augen. Älter als das Gesicht, zu dem sie gehören. Ich kann’s nicht gut sagen“, das Letzte zu seinem Stirnrunzeln gesprochen.
„Mongolisch? Asiatisch, oder wie? Fällt mir keiner ein, der solche Augen hat hier im Dorf. Tut mir leid.“
Ich konnte sehen, wie es in seinen Gehirnwindungen ratterte. Wie’s aussah, hatte ich hatte ihm in einer halben Stunde Stoff für mehrere Winterabende geliefert. Bevor ich jetzt mit meiner Suppe anfangen konnte, fragte er mich:
„Und, was wollen sie jetzt tun?“
„Werd mich noch ein bisschen umschauen, schätze ich, wo ich schonmal hier bin. Vielleicht hab ich ja Glück. Und wenn nich, dann kann man eben nichts machen.“
Er nickte. „Sie werden ‘n Zimmer brauchen.“ Da hatte er Recht.
„Ich hab früher auch was vermietet, aber das mach ich jetzt nicht mehr. Es lohnt sich nicht wirklich. Zu wenig Besucher hier in den letzten Jahren. Deshalb denk ich auch, dass ich ihren Freund kennen müsste, wenn er hier gewesen wäre. Es laufen nicht viele Fremde hier rum. Und ich werd auch nicht jünger. Da ist das mit den Zimmern langsam zuviel Arbeit, meine ich. Aber gehen sie nachher mal zu Fanny Gros, am andern Ende der Hauptstraße. Sie vermietet noch was an Feriengäste, wenn mal welche da sind. Ich wette, sie hat noch was frei. Alles, meine ich.“
Ich bedankte mich, und Jenkins schlurfte zurück hinter seinen Tresen. Bald kam der Busfahrer zusammen mit ein paar offenbar Einheimischen herein, um Schnaps zu bestellen und sich für die Rückfahrt zu stärken. Sie hielten Jenkins ganz gut beschäftigt. Ich aß in der Zeit meine Suppe und mümmelte mein Brot, und sieh an, es schmeckte hervorragend. Und es kostete mich nicht mehr als einen Pappenstil.

Vor der Tür war der Herbst mit einem Mal so golden, wie er nur sein konnte. Ich nahm das als gutes Zeichen, wenn ich schon sonst noch kein einziges gutes Zeichen gesichtet hatte. Das Gespräch mit Jenkins war ein ziemlicher Reinfall gewesen. Ich glaubte ihm, dass ihm hier nicht viel entging. Das Dorf war klein, und er schien so was wie der Neuigkeiten-Umschlagplatz hier zu sein. Andererseits war das hier meine beste Spur. Ich würde sie einfach noch ein bisschen ausreizen.
Ich schob mir den Hut in den Nacken, zog meinen Mantel wieder aus, und ging mit dem Koffer in der einen und der Tasche in der anderen Hand die Straße hinunter. Fanny Gros war wahrscheinlich nicht zu verfehlen. Es gab nur diese eine Richtung.

Am Weg stand ein Tante-Emma-Laden, der laut dem Schild neben der Tür zugleich als lokales Postamt diente. Ansonsten gab es nicht viel.
Die Häuser hier waren schlicht, auch im vollen Glanz der Sonne. Holz, Stein, Zement, mit den Spuren der vergangenen Zeit, aber der eigentlichen Vergangenheit beraubt. Ein wenig zeitlos, nicht aus eigenem Antrieb, sondern einfach weil die Zeit sich davongestohlen hatte. Es gab solche Orte, die vor sich hin existierten, uralt und zugleich ohne jedes Alter. Ich hatte solche Orte in Italien gesehen, unter ganz anderen Vorzeichen, und hier war wieder so ein Ort. Als wäre er aus der Landschaft herausgewachsen, dachte ich mir. Das traf es ganz gut.
Das Wasser sah dunkel und kalt aus, nur in der Bucht, in der die Fischerboote auf den Strand gezogen waren, kleine Kutter und Trawler, kräuselten sich ein paar hellere Wellen. Am Horizont über dem Meer stand noch immer der Nebel wie eine massive Wand, und weiter hinten, hinter den letzten Häusern des Dorfes, begann die Steilküste. Man konnte die Wellen bis hierher hören.
Ich stellte meinen Krempel am Wegrand ab, nahm den Hut ab, wischte mir kurz die Brille und trat dann in den Laden ein. Es war dämmrig hier drin, und zuerst sah ich nicht viel. Dann gewöhnten sich meine Augen an das Halbdunkel nach dem hellen Sonnenlicht draußen, aber vorher noch hörte ich eine Stimme, nölig und schnippisch:
„Was darf’s für sie sein?“
Die Frau passte zur Stimme dazu. Auf den ersten Blick war sie eine sauertöpfische alte Ziege. Auf den zweiten auch. So was gab es in jedem Dorf, und komischerweise immer im Dorfladen. Weiß der Kuckuck, woran das lag.
„Zigaretten“, sagte ich, und holte meine Geldbörse aus der Tasche und zählte das Kleingeld ab. Sie reichte mir eine Packung, deren Name mir überhaupt nichts sagte.
„Luckys haben sie wohl nicht“, fragte ich.
„Ich habe nur was ich habe. Seien sie mal nicht wählerisch, junger Mann.“
Sie warf mir einen Blick zu, der wohl schneidend gemeint war, aber nur altjungfern rüberkam. Sie nahm mein Geld und stellte fest, dass ich ihr fünfzig Cent zuviel gegeben hatte, die sie prompt in die Tasche steckte, wie gedacht. Das qualifizierte mich für einen weiteren Wortwechsel.
„Machen sie Urlaub hier?“
„Ja, ich will ne Woche ausspannen. Bin gerade auf dem Weg zu Fanny Gros.“
„Die alte Fanny.“ In ihren Augen blitzte es ein wenig, soweit ich das in dem schlechten Licht erkennen konnte.
„Passen sie mal auf, dass sie ihnen nichts aus dem Portmonee nimmt.“
„Wie meinen sie?“
„Nichts, gar nichts. Ich habe gar nichts gesagt. Ich meinte nur, nehmen sie ihren Zimmerschlüssel mit.“ Noch so ein funkelnder Blick, und sie wandte sich ab.
Ich ließ meinen Blick über die Regale schweifen. Alles da, was man brauchte, und nicht viel mehr. Ich nahm mir eine Halbliterflasche Bourbon, der in einer Ecke versteckt stand, aus dem Regal. Ich hatte so ein Gefühl, dass ich den brauchen konnte.
Die Dame kassierte mich nochmal ab, diesmal ohne einen Wortwechsel, und ich beschloss, ihr später auf den Zahn zu fühlen, falls sich das als notwendig erweisen sollte. Vorerst wollte ich mal die Zimmerlage klären und hier ankommen, an diesem seltsamen Ort. Ich tippte mir an den Hut und ließ sie in ihrem Halbdunkel zurück. Wahrscheinlich war es so dunkel, damit man die Preisschilder nicht richtig lesen konnte. Das hätte irgendwie gepasst.

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Author's Note

Ich musste meine Meinung revidieren. Die Geschichte schrieb sich praktisch von allein. Schön, das auch mal zu erleben. Es fühlte sich gut an. Wie bei einem Bergarbeiter, der auf eine Goldmine gestoßen war. Als was auch immer es sich am Ende entpuppen würde.

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