Über die Sprache.
Deutsch und Englisch erscheinen mir manchmal wie zwei Seiten derselben Medaille, als komplementäre Arten, etwas auszudrücken. Zwei verschiedene Modi von Sprache, in denen sich unterschiedliche Dinge auf ihre jeweils eigene Weise ausdrücken lassen.
Deutsch wäre mir dabei die Sprache der „Dichter und Denker“, wie das Sprichwort sagt; die Sprache der Philosophie und Sophisterei, der Details und der Ausdifferenzierung. Deutsch ist mir zugleich technisch und zärtlich.
Englisch ist die Sprache der Direktheit, unumwunden und schnell. Wo das Deutsche verklausuliert und sich nach und nach an den Gegenstand der Aussage heranarbeitet, ja fast heranpirscht, da wirft das Englische sein statement wie mit einem einzigen, schnellen Pinselstrich aufs Papier, und diesem Bild ist nichts mehr hinzuzufügen.
So lässt sich in den beiden Sprachen ganz Verschiedenes sagen und auf ganz unterschiedliche Weisen transportieren – das schönste Beispiel sind wohl Übersetzungen zwischen den beiden Sprachen und ihre Fehler oder, wie es auch vorkommen kann, wunderbaren Erfolge:
Kim Stanley Robinson schreibt wunderbare Bücher, nach meinem Geschmack jedenfalls. Darunter die Mars Trilogie, die „letzte Utopie“, wie ich sie für mich nenne. Auf Englisch lesen sich seine Bücher flüssig, zwingend und angenehm; die Übersetzung jedoch ist so verhunzt, dass ich die Bücher wütend in die Ecke schmiss. Es war alles so ungeschickt und ungeschlacht, dass einem die Tränen kommen konnten.
Henry Miller hingegen: ein wortgewaltiger Autor in englischer Sprache, mit- und hinreißend, und an manchen Stellen an die reine Ekstase in sprachlicher Form anlangend – und kongenial übersetzt, in den meisten Fällen von Kurt Wagenseil. Im Deutschen klingen seine Bücher fast noch besser, noch nahrhafter, als seien sie eigentlich für den Reichtum dieser Sprache geschrieben worden.
Raymond Chandler schließlich: im Deutschen wie im Englischen, der reinste Genuss. Denn auch zwei so unterschiedliche Welten wie die der deutschen und der englischen Sprache können sich begegnen: in den Worten, die zwischen ihnen liegen, in den Gedanken eines Menschen, der ausdrückt, was uns allen eigen ist.
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On language.
German and English sometimes seem like two sides of the same coin to me, as complementary ways of expression. They are two modes of language, capable to convey different things, each in its own way.
To me, the German language would be the language of “the poets and thinkers”, as the German saying goes; the language of philosophy and sophistry, of details and differentiation. To me, German can be at the same time technical and affectionate.
The English language is the language of immediacy, outright and swift. Where German closes in on its subject in a roundabout way, working hard, almost prowling, English puts its statement on paper with a few quick strokes, and nothing is to be, nor can be added to that picture.
So these two languages can say quite different things and convey them in quite different ways – the best examples might be found in translations between the two languages, in their faults and, as it may also happen, their delightful achievements:
Kim Stanley Robinson writes wonderful books, to my taste anyway. Among them is the so-called Mars Trilogy, the “last utopia”, as I am usually calling it. Read in English, these books are fluent, compelling and enjoyable; but the translation is so messed up that I furiously threw the books in the corner. It was so cloddishly and awkwardly done, it brought me on the verge of tears.
Henry Miller instead: a powerfully eloquent writer of the English language, intoxicating and entrancing, and sometimes bordering on sheer ecstasy – and congenially translated, mostly by Kurt Wagenseil. In fact, read in German his books sound even better and even more nourishing, as if they had in fact been written for the abundance of this language.
Raymond Chandler, finally: in German as in English, sheer pleasure. For even two worlds as different as the ones of the German and the English language can merge in the end: in the words that are in between them, and in the thoughts of a man who expresses what’s innate to all of us.
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