Montag, April 23, 2007

All Good Things...

... must come to an end.

Letzten Endes blieb nichts Anderes übrig, als uns zu trennen. Mein Weg führte von hier aus in die eine, und ihr Weg in die entgegengesetzte Richtung. Unser gemeinsamer Weg hingegen führte nirgendwo mehr hin. Wir hatten uns vorgemacht, dass wir die Mauer der Sackgasse niederreißen, weitergehen und zueinander finden könnten, doch hinter dieser Mauer war kein Land mehr, auf dem wir gehen, geschweige denn bauen konnten. Hinter dieser Mauer war nichts.

Wir hatten unser Bestes gegeben, waren aber an der Realität gescheitert – an unserer eigenen Realität. Wir dachten, wir müssten nur über unseren Schatten springen, doch in diesem schmalen Spalt des Nichts lagen ganze Welten. Der kleine Sprung wurde zu einem Ding der Unmöglichkeit.

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Dienstag, April 17, 2007

Über die Sprache / On language

Über die Sprache.

Deutsch und Englisch erscheinen mir manchmal wie zwei Seiten derselben Medaille, als komplementäre Arten, etwas auszudrücken. Zwei verschiedene Modi von Sprache, in denen sich unterschiedliche Dinge auf ihre jeweils eigene Weise ausdrücken lassen.

Deutsch wäre mir dabei die Sprache der „Dichter und Denker“, wie das Sprichwort sagt; die Sprache der Philosophie und Sophisterei, der Details und der Ausdifferenzierung. Deutsch ist mir zugleich technisch und zärtlich.

Englisch ist die Sprache der Direktheit, unumwunden und schnell. Wo das Deutsche verklausuliert und sich nach und nach an den Gegenstand der Aussage heranarbeitet, ja fast heranpirscht, da wirft das Englische sein statement wie mit einem einzigen, schnellen Pinselstrich aufs Papier, und diesem Bild ist nichts mehr hinzuzufügen.

So lässt sich in den beiden Sprachen ganz Verschiedenes sagen und auf ganz unterschiedliche Weisen transportieren – das schönste Beispiel sind wohl Übersetzungen zwischen den beiden Sprachen und ihre Fehler oder, wie es auch vorkommen kann, wunderbaren Erfolge:

Kim Stanley Robinson schreibt wunderbare Bücher, nach meinem Geschmack jedenfalls. Darunter die Mars Trilogie, die „letzte Utopie“, wie ich sie für mich nenne. Auf Englisch lesen sich seine Bücher flüssig, zwingend und angenehm; die Übersetzung jedoch ist so verhunzt, dass ich die Bücher wütend in die Ecke schmiss. Es war alles so ungeschickt und ungeschlacht, dass einem die Tränen kommen konnten.

Henry Miller hingegen: ein wortgewaltiger Autor in englischer Sprache, mit- und hinreißend, und an manchen Stellen an die reine Ekstase in sprachlicher Form anlangend – und kongenial übersetzt, in den meisten Fällen von Kurt Wagenseil. Im Deutschen klingen seine Bücher fast noch besser, noch nahrhafter, als seien sie eigentlich für den Reichtum dieser Sprache geschrieben worden.

Raymond Chandler schließlich: im Deutschen wie im Englischen, der reinste Genuss. Denn auch zwei so unterschiedliche Welten wie die der deutschen und der englischen Sprache können sich begegnen: in den Worten, die zwischen ihnen liegen, in den Gedanken eines Menschen, der ausdrückt, was uns allen eigen ist.

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On language.

German and English sometimes seem like two sides of the same coin to me, as complementary ways of expression. They are two modes of language, capable to convey different things, each in its own way.

To me, the German language would be the language of “the poets and thinkers”, as the German saying goes; the language of philosophy and sophistry, of details and differentiation. To me, German can be at the same time technical and affectionate.

The English language is the language of immediacy, outright and swift. Where German closes in on its subject in a roundabout way, working hard, almost prowling, English puts its statement on paper with a few quick strokes, and nothing is to be, nor can be added to that picture.

So these two languages can say quite different things and convey them in quite different ways – the best examples might be found in translations between the two languages, in their faults and, as it may also happen, their delightful achievements:

Kim Stanley Robinson writes wonderful books, to my taste anyway. Among them is the so-called Mars Trilogy, the “last utopia”, as I am usually calling it. Read in English, these books are fluent, compelling and enjoyable; but the translation is so messed up that I furiously threw the books in the corner. It was so cloddishly and awkwardly done, it brought me on the verge of tears.

Henry Miller instead: a powerfully eloquent writer of the English language, intoxicating and entrancing, and sometimes bordering on sheer ecstasy – and congenially translated, mostly by Kurt Wagenseil. In fact, read in German his books sound even better and even more nourishing, as if they had in fact been written for the abundance of this language.

Raymond Chandler, finally: in German as in English, sheer pleasure. For even two worlds as different as the ones of the German and the English language can merge in the end: in the words that are in between them, and in the thoughts of a man who expresses what’s innate to all of us.

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Montag, April 16, 2007

Die Seele einer Stadt

Reisen bildete, und jede Reise bildete einen auf eine andere Weise. Jede Reise hatte mich auf eine andere Weise verändert. In England begegnete ich der Verliebtheit. In Rumänien lernte ich, was Leidenschaft war, im Guten wie im Schlechten. In Frankreich lernte ich die Arroganz und die Freundschaft kennen. Auf Sizilien begegnete mir tiefe, echte Verbundenheit, und in der Schweiz verstand ich, wie sich Einsamkeit anfühlte, selbst inmitten von Menschen. Ungarn zeigte mir, wie man wirklich feierte, und in Italien sah ich, was Licht auch noch sein konnte – das wahre, wirkliche Licht, nicht das, was man in Deutschland (jenseits von Konstanz) im Allgemeinen dafür hielt.

Was ganze Länder tun konnten, schafften Städte manchmal auf eine noch pointiertere Weise. London war Eleganz und Rastlosigkeit; Oxford Gemütlichkeit und Ruhe. Satu Mare war Verfall und ein Ende, dem damals noch kein neuer Anfang gefolgt war; Klausenburg der erste Beginn eines neuen Frühlings. Paris war Paris, und ich könnte nichts sagen, wie man ihm mehr gerecht würde. Biarritz war unser Tor zu den Pyrenäen und damit dem Frieden, den wir dort fanden, versteckt in einem Hochtal. Palermo war das Paradies und der Moloch Stadt, wie ich ihm seitdem nicht mehr begegnete. Es war dort von allem genug, und damit vom meisten zuviel. Budapest war ein Fest, und die Städte Norditaliens waren Theaterbühnen, die auf das nächste Stück warteten, mit jener Geduld, wie sie die Jahrtausende hervorbringen, und nur sie. Sie badeten im Licht wie Eidechsen, und eine seltsame Schwere überkam jeden Tag und jede Stunde zwischen Morgen und Abend. München schließlich war einsam, und sein Herz war so kalt wieder der Winter, den ich dort verbrachte.

Nun also Berlin. Ich kam hierher, um alte Bande wieder aufzunehmen, und fester zu knüpfen, was die Zeit zertrennt hatte. Berlin war eine chaotische Stadt, groß und laut, und soviel grüner als ich erwartet hatte. Auf eine seltsame Weise war es wie heimzukommen, als hätte ich diesen Ort schon gekannt. Seine Dimensionen erschienen mir vertraut, und ich genoss den Duft der sonnenwarmen Luft. Ohne einen Übergang oder einen Bruch fügte sich Berlin in mein Leben, wie aus einem Stück.

Ich besuchte keine einzige Kirche. Im Nachhinein wunderte ich mich, warum, aber im Nachhinein wunderte ich mich über viele Dinge, über die einen mehr, über die anderen weniger. Für gewöhnlich, so fand ich, waren Kirchen die Orte, an denen und um die herum sich die Seele einer Stadt feststellen ließ; jener Teil der Seele, der der Ruhe und der Hingabe bedurfte. Vielleicht war es, weil ich diese Stadt durch die Herzen der Menschen erfuhr, die ich dort traf, die sich mir öffneten und denen ich mich öffnete, und ich mich so wohl fühte dort mit ihnen. Die Ruhe war im Herzen, und so brauchte ich keine Kirchen. Da war viel freundliches Schweigen in dieser Woche, von jener Art, die gut tat und mehr sagte als Worte.

Letztendlich war es wohl egal, wo man sich befand. Worauf es tatsächlich ankam, waren die Menschen, denen man begegnete, und mit denen man das teilte, was wir alle gemeinsam hatten, dies seltsam’ Ding genannt „Leben“. Der Ort war wundervoll - doch von wirklicher Bedeutung war, was wir im Herzen trugen. Die Seelen der Stadt waren nicht nur in den Steinen ihrer Gegenwart und Vergangenheit zu finden. Sie waren in dem, was wir mitbrachten, und in dem, was wir mitnahmen.

Gedanken, die mir auf dem Rückweg kamen.

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