Verdummungswarnung: Langguth bei SPON
Es wurde langsam Zeit für eine neue Rubrik, die "Verdummungswarnung" - denn wenn ich mir die Medien da draußen so anschaute, dann konnte ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass sie (außer Geld, Geld, Geld und Sex) vor allem eines im Sinn hatten: uns zu verdummen. Das folgende Beispiel möge genügen.
SPIEGEL Online, seines Zeichens nicht gerade ein Fackelträger des aufgeklärten und unabhängigen Journalismus, sondern eher in einer Riege mit der BILD-Zeitung zu sehen, postete heute einen neuen Artikel, ein Lob der Kanzlerin und ihrer Machtpolitik (>>). Beliebige Zitate aus diesem:
Aber vermutlich kämen die Tage nur wieder die gleichen unsäglichen Gestalten der INSM zu Wort und zum Einsatz. Es war so vorhersagbar, wie es erbärmlich war.
SPIEGEL Online, seines Zeichens nicht gerade ein Fackelträger des aufgeklärten und unabhängigen Journalismus, sondern eher in einer Riege mit der BILD-Zeitung zu sehen, postete heute einen neuen Artikel, ein Lob der Kanzlerin und ihrer Machtpolitik (>>). Beliebige Zitate aus diesem:
Angela Merkel sitzt als Kanzlerin und Parteivorsitzende fester im Sattel als Helmut Kohl in seinen besten Zeiten. Diese Aussage mag viele überraschen, erst recht angesichts des "fluiden" Parteiensystems der Bundesrepublik und der Tatsache, dass die Wählerschaft immer unberechenbarer wird. "Abstrafaktionen" bei Landtags- und Bundestagswahlen sind heute in einem nie dagewesenen Ausmaß möglich - und eben auch und erdrutschartige Verschiebungen um zehn Prozentpunkte und mehr.Oder wie war es hiermit:
Meine Vorhersage lautet trotzdem: Angela Merkel ist in der Lage, zeitlich an die Amtszeit von 16 Jahren von Helmut Kohl heranzukommen.
Worauf sich diese beiden Thesen gründen? Zunächst ist die CDU als "bürgerliche Partei" der Mitte eine sehr pragmatische, zugleich regierungszentrierte und machtorientierte Partei. So lange die Meinungsumfragen den Unionsparteien auf Bundesebene den Verbleib an der Macht signalisieren, so lange dürfte Merkel nicht gefährdet sein. Sie ist Vorsitzende einer Partei, die sich nicht durch ein Höchstmaß an theoretischen Auseinandersetzungen aufreibt, sondern die pragmatisch Mehrheitspositionen - wenngleich in Koalitionen - erarbeitet.
Die Kanzlerin umgibt sich mit sehr effektiv arbeitenden, selber politisch nicht im Rampenlicht stehenden Abteilungsleitern. Insgesamt hat sie bei deren Auswahl eine gute Hand bewiesen, auch bei der Auswahl des Regierungssprechers. Das Kanzleramt läuft reibungslos, was nicht zuletzt auch der Verdienst ihres ersten Chefs des Kanzleramtes, Thomas de Maizière, ist. Die Scharnierfunktion zwischen Kanzleramt und Partei beziehungsweise Fraktion wird durch die Merkel-Getreue Beate Baumann vorgenommen, in Staatsgeschäften vertraut Merkel auf den neuen Kanzleramtsminister Ronald Pofalla.Nun war derlei Lobhudelei gleich besser zu verstehen, wenn man sich den Werdegang des Autors, Gerd Langguth (Wikipedia (>>)), anschaute - sogar SPON kam nicht darum herum, diesen wenigstens anzudeuten. Beim SPIEGEL las sich das dann so:
Gerd Langguth, Jahrgang 1946, unterrichtet Politische Wissenschaft an der Universität Bonn. Er ist ehemaliges Mitglied des Bundestages und des CDU-Parteivorstandes. Von 1988 bis 1993 leitete er die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland.Demgegenüber las sich die bei Wikipedia frei zugängliche Vita des Herrn Politologen, wie er bei SPON gelabelt wurde, so:
Gerd Langguth besuchte das Humanistische Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Wertheim am Main (Baden-Württemberg).Ein in der Wolle konservativ gefärbter Politologe wurde als Kronzeuge für die Gloria Angela Merkels bemüht, seine CDU-Verbindungen im Seitentext angedeutet. Hurrah, das war SPIEGEL-(Gast-)Journalismus, wie ich ihn mittlerweile erwartete, aber noch immer bedauerte. Als nächstes wartete ich mal auf eine Heiligsprechung der LINKSpartei, am besten durch einen ehemaligen Kommunisten, im Idealfall ein Mitglied des Zentralkommittees - ich meinte, fair war fair, oder was?
Während des Studiums war Langguth von 1970 bis 1974 Bundesvorsitzender des RCDS. Anschließend arbeitete er im Bildungswerk der Konrad-Adenauer-Stiftung in Stuttgart.
Gerd Langguth war von 1976 bis 1980 Bundestagsabgeordneter der CDU. Er war Mitglied des CDU-Bundesvorstandes und zweier Grundsatzprogrammkommissionen der Union. Zwischen 1981 und 1985 war Langguth Direktor der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn. Zwischen 1986 und 1987 war er Staatssekretär und Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund. Anschließend wurde er von 1988 bis 1993 Leiter der Vertretung der EG-Kommission in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn. Zwischen 1993 und 1997 war Gerd Langguth geschäftsführender Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin. 2003/04 engagierte er sich als Geschäftsführender Vorstand beim Verein Bürgerkonvent.
Heute lehrt Langguth Politische Wissenschaft an der Universität Bonn.
Aber vermutlich kämen die Tage nur wieder die gleichen unsäglichen Gestalten der INSM zu Wort und zum Einsatz. Es war so vorhersagbar, wie es erbärmlich war.
Labels: politics, press, Verdummungswarnung


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