Sonntag, April 19, 2009

Like Hem said... (the sun also rises)

Leider hatte Hemingway Recht: die erste Fassung war immer Mist. Ich las die erste Fassung meines ersehnten Buches, und siehe da, es war weder Fisch noch Fleisch, sondern, naja, Mist eben. Falsche Spuren noch und nöcher, und ich behauptete allzu oft anfangs das Gegenteil der Dinge, die am Ende meiner Geschichte standen. Also, es war Mist. Ich musste noch eine ganze Menge Arbeit hineinstecken. Schade. Aber so war es eben.
Trotzdem fühlte ich mich alles in allem gut. Ich wusste nun, dass alles, was ich über das Schreiben gehört und nicht hatte wahrhaben wollen, wahr war. Die erste Fassung war Mist, es waren zehn Prozent Genie und neunzig Prozent Handwerk, und dieses Handwerk musste ich eben erbringen, anders ging es nicht – jedenfalls wenn ich ein Autor werden wollte. Und ich wollte, immernoch.

Schreiben bedeutete eine seltsame „single-mindedness“ – Zielstrebigkeit in der wörtlichen Übersetzung, aber zugleich ein Zustand der absoluten Fokussierung, in dem nichts Anderes mehr Bedeutung hatte als das gesetzte Ziel. Genau so war es beim Schreiben – ein halbes Jahr, ein Jahr mit nichts Anderem im Kopf als das Buch, die Geschichte, mit dem Bemühen, am Ende genau das stehen zu haben, was man am Anfang im (eben) Kopf hatte. Ein seltsamer und ein sehr undankbarer Beruf, wenn man darüber nachdachte. Diese Kunst war eine der am schwersten zu meisternde, kein Zweifel – Chandler hatte auch dies bereits einmal gesagt.


Gut, ich wollte es. Ich wollte es noch immer, trotz meiner verkorksten ersten Fassung. Ich wollte es unbedingt, und ich würde es erreichen. Ich hatte die notwendige Zeit, und ich sah keinen anderen Weg – nichts, was ich lieber wollte, obwohl ich es hasste. Ja, ich hasste den Gedanken, diese ganze Geschichte noch einmal überarbeiten zu müssen, und doch musste ich es tun und wollte es zugleich, denn ich wollte es zu einem Abschluss bringen, auch wenn es noch viel Schweiß und Mühen kosten würde.

Und danach wollte ich etwas Anderes beginnen – nach dem Gesellenstück ein Meisterwerk. Deshalb war es wichtig für mich, das Gesellenstück auch abzuschließen. Nur so konnte ich lernen. Sogar ich sah das ein.

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Eingestellt von MwaH Am/um

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