Fern wie die Zeit (XXIX)
Das Gesicht war das Tante Emmas, der aktuellen Ausgabe Tante Emmas – jedenfalls soweit, wie ich mich ihrer entsann. Der Strich hingegen war Hendrichs. Es war kein Zweifel möglich, entweder es war eine Zeichnung Hendrichs oder einer seiner Epigonen, wenn er denn welche hatte. Es waren die gleichen, auf den ersten Blick unbeholfenen Striche, die sich insgesamt dann doch zu einem Ganzen fügten, aber zu einem Ganzen, das auf seltsame Art und Weise lebendig wirkte. Soll heißen, Strich für Strich war die Zeichnung nichts Besonderes, aber in ihrer Gesamtheit, im Zusammenspiel all ihrer Bestandteile gewann sie eine Intensität, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte, unausweichlich und nicht zu leugnen, sogar hier in diesem dämmrigen Licht. Hier waren es nicht mehr nur die Augen, die lebendig waren, wie auf der anderen Zeichnung Hendrichs‘ in meinem Besitz, sondern das ganze Gesicht schien eine seltsame Art von Lebendigkeit zu atmen, und plötzlich lief es mir eiskalt über den Rücken. Ich setzte mich auf die Bettkante und sah mir das Bild lange an. Phil setzte sich neben mich und beobachtete mich interessiert.
„Und, was ist? Was denken sie?“
Ich stellte zu meiner eigenen Überraschung fest, dass ich schwer atmete. Ich sammelte mich einen Moment, bevor ich ihr antwortete.
„Das... das ist ein sehr lebendiges Bild, meinst du nicht auch?“
„Finden sie?“ Sie blickte auf das Bild. „Ja, das kann man schon sagen.“
„Ist dir das noch nie aufgefallen?“
„Ich weiß nicht. Es ist nichts Besonderes für mich, verstehen sie?“
Ich warf einen letzten Blick auf das Bild und gab es Phil zurück. Sie verstaute es wieder unten in der Truhe.
„Wie meinst du das, nichts Besonderes?“
„Bis ich fünf oder sechs Jahre alt war, kannte ich gar keine anderen Bilder. Meine Mutter besaß ein paar, die genauso gezeichnet waren, und sie hingen in unserer Wohnung.“
Sie hatte das Portrait wieder an Ort und Stelle bugsiert, schloss die Truhe und setzte sich neben mich.
„Ich dachte früher, alle Bilder wären so – lebendig und voller Energie. Ich fand sie wunderschön, und ich verbrachte ganze Tage vor den Bildern. Meine Mutter musste sie mir von der Wand nehmen, damit ich sie betrachten konnte.
Meinem Vater gefiel es nicht. Er hatte etwas gegen die Bilder. Warum, habe ich nie erfahren. Meine Mutter hängte die Bilder schließlich ab. Sie verstaute sie unten im Keller, und andere, normale Bilder kamen in unsere Wohnung. Ich war so enttäuscht. Ich konnte nicht verstehen, warum sie so langweilig waren.“
Während sie erzählte, rückte sie mir Millimeter für Millimeter näher. Ich war zu sehr in eigenen Gedanken, die in meinem Kopf tanzten, und merkte es nicht. Sie saß ganz dicht neben mir jetzt. Ich konnte ihren Atem an meinem Hals spüren. Meine Gedanken kehrten ins Hier und Jetzt zurück, und ich erschrak.
Großartig. Hier saß ich in auf dem Bett, und neben mir ein Mädchen, das ich nicht einschätzen konnte, und sie rückte immer näher und benahm sich auf eine, jedenfalls nach meinem Dafürhalten, höchst verdächtige Art. Und ich war kein Waisenknabe in diesen Dingen. Dazu das Ganze in einem fremden Schlafzimmer. Ganz einfach großartig.
„Und dann?“ fragte ich, um das Gespräch in Gang zu halten.
„Als mein Vater gestorben war, holte ich die Bilder wieder aus dem Keller. Ich musste eine ganze Weile suchen, und ich dachte schon, sie wären verschwunden. Schließlich fand ich sie. Aber sie waren tot.“
„Tot?“
Sie waren wie alle anderen Bilder. Es war kein Leben mehr in ihnen.“
„Kein Leben?“
„Nein...“
Mit diesen Worten überbrückte sie die letzten Zentimeter zwischen uns. Ich stand abrupt auf und ging zum einzelnen Zimmer im Fenster und blickte hinaus. Es war eine dunkle und stürmische Nacht. Der Wind trieb gegen das Fenster und musterte das Dunkel mit seinen hellen Schatten.
„Was ist mit ihnen?“ fragte Phil, und in ihrer Stimme klang ein Hauch von Enttäuschung.
„Sie lässt ein neues Portrait zeichnen. Bist du dir da sicher?“
Sie seufzte tief und schwer, die Quintessenz der Last eines ganzen Erdzeitalters.
„Vorhin waren sie netter zu mir. Als sie mich im Arm gehalten haben.“
Ich ignorierte diesen Satz, hauptsächlich deshalb, weil mir keine schlagfertige und unverfängliche Erwiderung einfiel. Ich wurde älter. In solchen Momenten merkte man, dass man nachgelassen hatte. Falls man jemals so gut gewesen war.
„Das alte Portrait ist doch noch ganz aktuell. Weißt du, bei wem sie es zeichnen lässt? Und warum?“
„Was interessiert mich ihr verdammtes Portrait?“ fuhr Phil auf. „Ich habe keine Ahnung von ihrem Portrait, und ich weiß auch nicht, wo und bei wem sie war.“
Sie war aufgebracht, und in ihren Augen schimmerte schon wieder die Feuchtigkeit. Das hatte mir gerade noch gefehlt.
„Ich möchte nicht hier sein“, brach es aus ihr heraus. „Ich hasse dieses kleine, dumme Dorf mit seinen kleinen, nur sich selbst beachtenden Bewohnern. Ich möchte zurück nach Hause. Ich möchte jemanden, der für mich da ist und mit dem ich Spaß haben kann. Mein Vater ist tot. Meine Mutter ist nie da. Wer fragt nach mir? Wer kümmert sich um mich?“
Sie steigerte sich in etwas hinein, und ich stand dabei und hatte keine Ahnung, was ich jetzt tun sollte, noch was sie von mir erwartete. Verdammt, ich wusste ja nicht einmal, was sie eigentlich von mir wollte. Obwohl, ich hatte eine ungefähre Ahnung, und sie gefiel mir nicht. Sie war ein schönes und attraktives Mädchen, sicherlich. In ihrer Schulklasse, so sie in eine ging, war sie vielleicht ein heimlicher Star. Aber was wusste ich schon. Vor allem und in erster Linie war sie allerdings ein junges Mädchen, und ich war ein Mann und kein leicht zu begeisternder Jüngling mehr. Wenn ich nicht gleich etwas unternahm, hatte ich hier freilich in Kürze wieder ein weinendes und unglückliches Mädchen, eines, das mir nichts mehr von diesem Dorf und seiner seltsamen Bevölkerung erzählen würde. Andererseits, interessierte mich das eigentlich noch?
Sie nahm mir die Entscheidung ab. Mit einem inbrünstigen Laut irgendwo zwischen einem Schrei und einem Seufzen stürzte sie sich in meine Arme.
„Halte mich, bitte!“ sagte sie, und dann hatte ich sie schon am Hals, und ihre Lippen näherten sich mit eindeutigen Absichten den meinen.
„Phil, nein“, sagte ich, und es klang eher wie ein Stöhnen als wie ein Satz.
Mit einer fließenden Bewegung streifte sie ihren Pullover ab, und darunter trug sie nur ihren Büstenhalter, ein neckisches Ding mit Spitze und klaren Linien, die extra so geschnitten schienen, dass sie möglichst wenig verbargen. Es war ein sehr erwachsenes Kleidungsstück für ein Mädchen. Seltsam, was einem auffiel.
„Halte mich, bitte“, wiederholte sie und nahm meine Hände und versuchte, sie auf ihre Hüften zu legen.
„Phil, nein“, entgegnete ich nochmals.
Sie sah mir direkt in die Augen und drückte sich an mich. Ich musste sie irgendwo festhalten, nur um sie davon abzuhalten, mir noch näher auf die Pelle zu rücken, und so fasste ich sie doch an den Hüften, mit einem Griff, der, wie ich hoffte, eher wie Eisen war denn wie ein Zeichen des Einverständnisses, aber das verstand sie entweder falsch, oder sie stand darauf, hart angefasst zu werden. Ihre Brüste hoben sich mir entgegen, und sie atmete schwer jetzt, und die Röte stieg ihr ins Gesicht. Mit einem Arm klammerte sie sich an meinen Hals, als wollte sie mich in den Schwitzkasten nehmen, und mit der anderen knöpfte sie an ihrer Hose herum. Besser an ihrer als an meiner, konnte ich da nur sagen, aber ich wusste, dass auch das nur eine Frage der Zeit war, falls ich mich nicht irgendwie aus dieser Situation würde herausmogeln können. Junge, glatte Haut und ein Duft von junger Frau und falsch aufgetragenem Parfum wehten mich an. Ihre Haut war wirklich sehr glatt und jung, und ihr Busen war wohlgeformt wie der einer klassischen Statue. Aus ihrem ganzen Körper strahlte plötzliche Erregung, und in meiner Hose formte sich eine verräterische Beule. Gottverdammt, das fehlte noch.
„Sie sind gar kein Buchhalter, nicht wahr?“ flüsterte sie und drückte mir einen Kuss auf den Mund. Ich konnte sie nicht abwehren, ohne ihr eine zu scheuern, und so küsste sie mich, kurz und ungeschickt, und dann fuhr ihre Hand zu meiner Hose und machte sich dort zu schaffen. Sie lächelte schmierig, als sie die eindeutigen Auswirkungen ihrer Bemühungen entdeckte. Ich hatte zu wenig Blut in meinem Kopf und zuviel anderswo, und ich hatte den Eindruck, nicht mehr klar zu denken. Jetzt rieb sie sich an meinem Bein, mit eindeutigen Bewegungen.
„Ich bin ganz heiß“, vertraute sie mir plump an.
Ich wollte es nicht, aber sie machte mich scharf wie einen Zuchthengst, und das irritierte mich am meisten und erregte mich wiederum. Ein junges Mädchen, das ich nichtmal kannte, ging mir an die Wäsche. Was für eine Altherren-Phantasie.
Plötzlich fuhr ihre Hand in meine Unterhose, und mit einem letzten Aufwallen von Anstand und Pflichtgefühl nahm ich meine Hände von ihr und wand ihre Hand aus meinen Klamotten und packte sie an den Handgelenken.
„Phil!“ sagte oder schrie ich, und weniger dieses Wort als vielmehr der Ton in meiner Stimme ließ sie innehalten, wie vom Donner gerührt. Es war ein Weckzeichen für mich wie für sie, und es reichte, um den Bann der Geilheit zu brechen. Sie war noch keine geübte Verführerin. Sie war nur ein kleines Mädchen, das seltsame Ziele hatte. Das sagte ich mir, und es wirkte soweit, dass sich wenigstens mein Puls wieder beruhigte und das Blut in mein Gehirn zurückkehrte.
Ich ließ sie los, knöpfte meine Hose zu und sah sie an. Sie stand vor mir mit einem aufgegangenen Zopf, eine Brust wippte ihr aus dem BH, und ihre Jeans hing auf Halbmast auf Höhe ihrer Kniekehlen. Ihr Blick ging kurz verloren ins Leere, dann stellte er wieder scharf und sie blitzte mich an.
„Sie wollen es doch auch!“
„Phil, ich könnte dein Vater sein! Schonmal daran gedacht?“
Es war ein harmloser, unschuldiger Satz, der dazu gedacht gewesen war, den Altersunterschied zu betonen und Vernunft in diesem Zimmer einkehren zu lassen, aber offenbar war es der falsche Satz für dieses Mädchen und für diese Situation. Mit einem spitzen Schrei, der so gar nichts Menschliches hatte, stürzte sie sich auf mich, und diesmal nicht, um mich zu küssen.
„Und, was ist? Was denken sie?“
Ich stellte zu meiner eigenen Überraschung fest, dass ich schwer atmete. Ich sammelte mich einen Moment, bevor ich ihr antwortete.
„Das... das ist ein sehr lebendiges Bild, meinst du nicht auch?“
„Finden sie?“ Sie blickte auf das Bild. „Ja, das kann man schon sagen.“
„Ist dir das noch nie aufgefallen?“
„Ich weiß nicht. Es ist nichts Besonderes für mich, verstehen sie?“
Ich warf einen letzten Blick auf das Bild und gab es Phil zurück. Sie verstaute es wieder unten in der Truhe.
„Wie meinst du das, nichts Besonderes?“
„Bis ich fünf oder sechs Jahre alt war, kannte ich gar keine anderen Bilder. Meine Mutter besaß ein paar, die genauso gezeichnet waren, und sie hingen in unserer Wohnung.“
Sie hatte das Portrait wieder an Ort und Stelle bugsiert, schloss die Truhe und setzte sich neben mich.
„Ich dachte früher, alle Bilder wären so – lebendig und voller Energie. Ich fand sie wunderschön, und ich verbrachte ganze Tage vor den Bildern. Meine Mutter musste sie mir von der Wand nehmen, damit ich sie betrachten konnte.
Meinem Vater gefiel es nicht. Er hatte etwas gegen die Bilder. Warum, habe ich nie erfahren. Meine Mutter hängte die Bilder schließlich ab. Sie verstaute sie unten im Keller, und andere, normale Bilder kamen in unsere Wohnung. Ich war so enttäuscht. Ich konnte nicht verstehen, warum sie so langweilig waren.“
Während sie erzählte, rückte sie mir Millimeter für Millimeter näher. Ich war zu sehr in eigenen Gedanken, die in meinem Kopf tanzten, und merkte es nicht. Sie saß ganz dicht neben mir jetzt. Ich konnte ihren Atem an meinem Hals spüren. Meine Gedanken kehrten ins Hier und Jetzt zurück, und ich erschrak.
Großartig. Hier saß ich in auf dem Bett, und neben mir ein Mädchen, das ich nicht einschätzen konnte, und sie rückte immer näher und benahm sich auf eine, jedenfalls nach meinem Dafürhalten, höchst verdächtige Art. Und ich war kein Waisenknabe in diesen Dingen. Dazu das Ganze in einem fremden Schlafzimmer. Ganz einfach großartig.
„Und dann?“ fragte ich, um das Gespräch in Gang zu halten.
„Als mein Vater gestorben war, holte ich die Bilder wieder aus dem Keller. Ich musste eine ganze Weile suchen, und ich dachte schon, sie wären verschwunden. Schließlich fand ich sie. Aber sie waren tot.“
„Tot?“
Sie waren wie alle anderen Bilder. Es war kein Leben mehr in ihnen.“
„Kein Leben?“
„Nein...“
Mit diesen Worten überbrückte sie die letzten Zentimeter zwischen uns. Ich stand abrupt auf und ging zum einzelnen Zimmer im Fenster und blickte hinaus. Es war eine dunkle und stürmische Nacht. Der Wind trieb gegen das Fenster und musterte das Dunkel mit seinen hellen Schatten.
„Was ist mit ihnen?“ fragte Phil, und in ihrer Stimme klang ein Hauch von Enttäuschung.
„Sie lässt ein neues Portrait zeichnen. Bist du dir da sicher?“
Sie seufzte tief und schwer, die Quintessenz der Last eines ganzen Erdzeitalters.
„Vorhin waren sie netter zu mir. Als sie mich im Arm gehalten haben.“
Ich ignorierte diesen Satz, hauptsächlich deshalb, weil mir keine schlagfertige und unverfängliche Erwiderung einfiel. Ich wurde älter. In solchen Momenten merkte man, dass man nachgelassen hatte. Falls man jemals so gut gewesen war.
„Das alte Portrait ist doch noch ganz aktuell. Weißt du, bei wem sie es zeichnen lässt? Und warum?“
„Was interessiert mich ihr verdammtes Portrait?“ fuhr Phil auf. „Ich habe keine Ahnung von ihrem Portrait, und ich weiß auch nicht, wo und bei wem sie war.“
Sie war aufgebracht, und in ihren Augen schimmerte schon wieder die Feuchtigkeit. Das hatte mir gerade noch gefehlt.
„Ich möchte nicht hier sein“, brach es aus ihr heraus. „Ich hasse dieses kleine, dumme Dorf mit seinen kleinen, nur sich selbst beachtenden Bewohnern. Ich möchte zurück nach Hause. Ich möchte jemanden, der für mich da ist und mit dem ich Spaß haben kann. Mein Vater ist tot. Meine Mutter ist nie da. Wer fragt nach mir? Wer kümmert sich um mich?“
Sie steigerte sich in etwas hinein, und ich stand dabei und hatte keine Ahnung, was ich jetzt tun sollte, noch was sie von mir erwartete. Verdammt, ich wusste ja nicht einmal, was sie eigentlich von mir wollte. Obwohl, ich hatte eine ungefähre Ahnung, und sie gefiel mir nicht. Sie war ein schönes und attraktives Mädchen, sicherlich. In ihrer Schulklasse, so sie in eine ging, war sie vielleicht ein heimlicher Star. Aber was wusste ich schon. Vor allem und in erster Linie war sie allerdings ein junges Mädchen, und ich war ein Mann und kein leicht zu begeisternder Jüngling mehr. Wenn ich nicht gleich etwas unternahm, hatte ich hier freilich in Kürze wieder ein weinendes und unglückliches Mädchen, eines, das mir nichts mehr von diesem Dorf und seiner seltsamen Bevölkerung erzählen würde. Andererseits, interessierte mich das eigentlich noch?
Sie nahm mir die Entscheidung ab. Mit einem inbrünstigen Laut irgendwo zwischen einem Schrei und einem Seufzen stürzte sie sich in meine Arme.
„Halte mich, bitte!“ sagte sie, und dann hatte ich sie schon am Hals, und ihre Lippen näherten sich mit eindeutigen Absichten den meinen.
„Phil, nein“, sagte ich, und es klang eher wie ein Stöhnen als wie ein Satz.
Mit einer fließenden Bewegung streifte sie ihren Pullover ab, und darunter trug sie nur ihren Büstenhalter, ein neckisches Ding mit Spitze und klaren Linien, die extra so geschnitten schienen, dass sie möglichst wenig verbargen. Es war ein sehr erwachsenes Kleidungsstück für ein Mädchen. Seltsam, was einem auffiel.
„Halte mich, bitte“, wiederholte sie und nahm meine Hände und versuchte, sie auf ihre Hüften zu legen.
„Phil, nein“, entgegnete ich nochmals.
Sie sah mir direkt in die Augen und drückte sich an mich. Ich musste sie irgendwo festhalten, nur um sie davon abzuhalten, mir noch näher auf die Pelle zu rücken, und so fasste ich sie doch an den Hüften, mit einem Griff, der, wie ich hoffte, eher wie Eisen war denn wie ein Zeichen des Einverständnisses, aber das verstand sie entweder falsch, oder sie stand darauf, hart angefasst zu werden. Ihre Brüste hoben sich mir entgegen, und sie atmete schwer jetzt, und die Röte stieg ihr ins Gesicht. Mit einem Arm klammerte sie sich an meinen Hals, als wollte sie mich in den Schwitzkasten nehmen, und mit der anderen knöpfte sie an ihrer Hose herum. Besser an ihrer als an meiner, konnte ich da nur sagen, aber ich wusste, dass auch das nur eine Frage der Zeit war, falls ich mich nicht irgendwie aus dieser Situation würde herausmogeln können. Junge, glatte Haut und ein Duft von junger Frau und falsch aufgetragenem Parfum wehten mich an. Ihre Haut war wirklich sehr glatt und jung, und ihr Busen war wohlgeformt wie der einer klassischen Statue. Aus ihrem ganzen Körper strahlte plötzliche Erregung, und in meiner Hose formte sich eine verräterische Beule. Gottverdammt, das fehlte noch.
„Sie sind gar kein Buchhalter, nicht wahr?“ flüsterte sie und drückte mir einen Kuss auf den Mund. Ich konnte sie nicht abwehren, ohne ihr eine zu scheuern, und so küsste sie mich, kurz und ungeschickt, und dann fuhr ihre Hand zu meiner Hose und machte sich dort zu schaffen. Sie lächelte schmierig, als sie die eindeutigen Auswirkungen ihrer Bemühungen entdeckte. Ich hatte zu wenig Blut in meinem Kopf und zuviel anderswo, und ich hatte den Eindruck, nicht mehr klar zu denken. Jetzt rieb sie sich an meinem Bein, mit eindeutigen Bewegungen.
„Ich bin ganz heiß“, vertraute sie mir plump an.
Ich wollte es nicht, aber sie machte mich scharf wie einen Zuchthengst, und das irritierte mich am meisten und erregte mich wiederum. Ein junges Mädchen, das ich nichtmal kannte, ging mir an die Wäsche. Was für eine Altherren-Phantasie.
Plötzlich fuhr ihre Hand in meine Unterhose, und mit einem letzten Aufwallen von Anstand und Pflichtgefühl nahm ich meine Hände von ihr und wand ihre Hand aus meinen Klamotten und packte sie an den Handgelenken.
„Phil!“ sagte oder schrie ich, und weniger dieses Wort als vielmehr der Ton in meiner Stimme ließ sie innehalten, wie vom Donner gerührt. Es war ein Weckzeichen für mich wie für sie, und es reichte, um den Bann der Geilheit zu brechen. Sie war noch keine geübte Verführerin. Sie war nur ein kleines Mädchen, das seltsame Ziele hatte. Das sagte ich mir, und es wirkte soweit, dass sich wenigstens mein Puls wieder beruhigte und das Blut in mein Gehirn zurückkehrte.
Ich ließ sie los, knöpfte meine Hose zu und sah sie an. Sie stand vor mir mit einem aufgegangenen Zopf, eine Brust wippte ihr aus dem BH, und ihre Jeans hing auf Halbmast auf Höhe ihrer Kniekehlen. Ihr Blick ging kurz verloren ins Leere, dann stellte er wieder scharf und sie blitzte mich an.
„Sie wollen es doch auch!“
„Phil, ich könnte dein Vater sein! Schonmal daran gedacht?“
Es war ein harmloser, unschuldiger Satz, der dazu gedacht gewesen war, den Altersunterschied zu betonen und Vernunft in diesem Zimmer einkehren zu lassen, aber offenbar war es der falsche Satz für dieses Mädchen und für diese Situation. Mit einem spitzen Schrei, der so gar nichts Menschliches hatte, stürzte sie sich auf mich, und diesmal nicht, um mich zu küssen.
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