Fern wie die Zeit (XIV)
Mein erster Blick erfasste eine ziemliche Unordnung: ein einzelner großer Raum im Lichtkegel, mit einem ungeschlachten Tisch in der Mitte und zwei Stühlen, einem grob gezimmerten, schmalen Bett an einer Wand und einem schlichten Ofen an der anderen. Eine ruhende Petroleumlampe hing über all dem. Kreuz und quer lagen Gegenstände und Kisten herum, auch eine einfache, offenbar selbstgebaute Staffelei. An einer Wand lehnte eine unbemalte Leinwand. Mein zweiter Blick sagte mir, dass tatsächlich niemand hier war, nicht im Bett, nicht unter dem Tisch, und nicht hinter den Kisten und Fässchen. Andere Verstecke gab es nicht. Mein dritter Blick sagte mir, dass mir die Kisten und Fässchen hier drin bekannt vorkamen.
Es waren die Kisten und Fässchen, die ich gestern Nacht an Bord der Seestern gesehen hatte. Die Größe und ungefähre Menge passte. Ich hob eine Kiste hoch: auch das Gewicht kam hin, danach zu urteilen, wie sich der Typ am Kai mit den damit angestellt hatte. Diese hier wog gut und gerne ihre dreißig Kilo plus Zugabe. Das passte zu den Spuren, die ich am Weg gesehen hatte.
Einige der Kisten waren offen, und ich lugte hinein. Nichts Besonderes in der ersten, Vorräte, wie es aussah, Zwieback und Brot und luftgetrocknete Wurst und Hartkäse und auch Kaffee. In der zweiten Kiste stieß ich auf Malutensilien – Farbe in Tuben, Graphitstifte und solches Zeug, dazu Pinsel und eine Flasche Terpentin. Auch die dritte Kiste enthielt Zeugs für die Malerei, in diesem Fall eine Anzahl kleinerer Leinwände, ordentlich auf Holzrahmen gezogen. Es war ein verdammter Jahresvorrat für einen produktiven Künstler, was hier herumstand. Nur der Künstler dazu fehlte.
Ich sah mich weiter um. Die Fässchen enthielten Trinkwasser, das hier draußen im Wald wahrscheinlich nicht überall zu finden war. Eines enthielt Rotwein, und das letzte tatsächlich eine Ration Bourbon, jedenfalls nach dem, was auf dem Fässchen stand. Leider war es schon leer. Wer hier hauste, hatte einen kräftigen Zug. Auf dem Tisch lag eine Kladde, mit einem dunklen Wachstuchbezug. Sie erinnerte mich an das Büchlein, das ich bei Tuft gesehen hatte, nur war sie deutlich größer. Ich sah hinein. Eine Loseblattsammlung mit einer Anzahl Zeichnungen, gar nicht einmal schlechte, die meisten mit Bleistift oder Graphit ausgeführt, ein paar wenige Aquarell, zart wie Gänsedaunen. So sah es im Funzellicht der Taschenlampe jedenfalls aus. Ich blätterte sie langsam durch. Die meisten zeigten Landschaften oder Häuser oder beides, oder das Meer. Andere zeigten Menschen, Portraits, leidlich ausgeführt. Sie erinnerten mich an das Bild von Hendrichs, das ich in meinem Zimmer hatte. Keine der Personen hatte seine Augen, aber die Bilder waren ähnlich ausgeführt, von einem naiven Charme, und es war, als fingen sie die Essenz des Dargestellten ein, der Menschen, der Orte, die unter der mittelmäßigen Oberfläche waberten. Plötzlich lockerte sich das Brett vor meinem Kopf, und ich begriff: die Zeichnung von Hendrichs, die ich bekommen hatte, war ein verdammtes Selbstportrait. Jedenfalls war sie vom gleichen Mann, der diese hier gezeichnet hatte.
Die Spur wurde so heiß, dass man sich die Finger verbrennen konnte. Ich steckte die Zeichnungen kurzerhand ein, ohne viel nachzudenken, und legte stattdessen blankes Papier aus einer der Kisten in die Kladde. Ich blickte noch einmal in die Runde. Nichts hier verriet meinen Besuch, jedenfalls nicht auf Anhieb. Ich trat hinaus, schloss die Tür hinter mir und machte mich daran, Riegel und Schrauben wieder an ihren angestammten Ort zu montieren. Die Schritte, die in meine Richtung kamen, hörte ich, als ich gerade damit fertig war.
Ich drückte mich in die Büsche und lauschte. Die Schritte kamen näher auf dem Pfad. Es waren schwere, gleichmäßige Schritte. Eine Silhouette erschien im fahlen Mondlicht, das durch die Äste der Bäume drang. Es war ein Mann. Unter dem einen Arm trug er etwas Schweres, und unter dem anderen ein Gewehr.
Es waren die Kisten und Fässchen, die ich gestern Nacht an Bord der Seestern gesehen hatte. Die Größe und ungefähre Menge passte. Ich hob eine Kiste hoch: auch das Gewicht kam hin, danach zu urteilen, wie sich der Typ am Kai mit den damit angestellt hatte. Diese hier wog gut und gerne ihre dreißig Kilo plus Zugabe. Das passte zu den Spuren, die ich am Weg gesehen hatte.
Einige der Kisten waren offen, und ich lugte hinein. Nichts Besonderes in der ersten, Vorräte, wie es aussah, Zwieback und Brot und luftgetrocknete Wurst und Hartkäse und auch Kaffee. In der zweiten Kiste stieß ich auf Malutensilien – Farbe in Tuben, Graphitstifte und solches Zeug, dazu Pinsel und eine Flasche Terpentin. Auch die dritte Kiste enthielt Zeugs für die Malerei, in diesem Fall eine Anzahl kleinerer Leinwände, ordentlich auf Holzrahmen gezogen. Es war ein verdammter Jahresvorrat für einen produktiven Künstler, was hier herumstand. Nur der Künstler dazu fehlte.
Ich sah mich weiter um. Die Fässchen enthielten Trinkwasser, das hier draußen im Wald wahrscheinlich nicht überall zu finden war. Eines enthielt Rotwein, und das letzte tatsächlich eine Ration Bourbon, jedenfalls nach dem, was auf dem Fässchen stand. Leider war es schon leer. Wer hier hauste, hatte einen kräftigen Zug. Auf dem Tisch lag eine Kladde, mit einem dunklen Wachstuchbezug. Sie erinnerte mich an das Büchlein, das ich bei Tuft gesehen hatte, nur war sie deutlich größer. Ich sah hinein. Eine Loseblattsammlung mit einer Anzahl Zeichnungen, gar nicht einmal schlechte, die meisten mit Bleistift oder Graphit ausgeführt, ein paar wenige Aquarell, zart wie Gänsedaunen. So sah es im Funzellicht der Taschenlampe jedenfalls aus. Ich blätterte sie langsam durch. Die meisten zeigten Landschaften oder Häuser oder beides, oder das Meer. Andere zeigten Menschen, Portraits, leidlich ausgeführt. Sie erinnerten mich an das Bild von Hendrichs, das ich in meinem Zimmer hatte. Keine der Personen hatte seine Augen, aber die Bilder waren ähnlich ausgeführt, von einem naiven Charme, und es war, als fingen sie die Essenz des Dargestellten ein, der Menschen, der Orte, die unter der mittelmäßigen Oberfläche waberten. Plötzlich lockerte sich das Brett vor meinem Kopf, und ich begriff: die Zeichnung von Hendrichs, die ich bekommen hatte, war ein verdammtes Selbstportrait. Jedenfalls war sie vom gleichen Mann, der diese hier gezeichnet hatte.
Die Spur wurde so heiß, dass man sich die Finger verbrennen konnte. Ich steckte die Zeichnungen kurzerhand ein, ohne viel nachzudenken, und legte stattdessen blankes Papier aus einer der Kisten in die Kladde. Ich blickte noch einmal in die Runde. Nichts hier verriet meinen Besuch, jedenfalls nicht auf Anhieb. Ich trat hinaus, schloss die Tür hinter mir und machte mich daran, Riegel und Schrauben wieder an ihren angestammten Ort zu montieren. Die Schritte, die in meine Richtung kamen, hörte ich, als ich gerade damit fertig war.
Ich drückte mich in die Büsche und lauschte. Die Schritte kamen näher auf dem Pfad. Es waren schwere, gleichmäßige Schritte. Eine Silhouette erschien im fahlen Mondlicht, das durch die Äste der Bäume drang. Es war ein Mann. Unter dem einen Arm trug er etwas Schweres, und unter dem anderen ein Gewehr.
Labels: Fern wie die Zeit, fiction, writing


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