Freitag, November 07, 2008

Fern wie die Zeit (XIII)

Ich machte einen großen Bogen um Tufts Haus. Es lag dunkel auf den Klippen, nur in einem kleinen Fenster in der oberen Etage brannte ein unstetes Licht, wie von einer flackernden Kerze. Aber ich wollte sichergehen, dass ich nicht gesehen wurde. Speziell Tuft musste nicht unbedingt wissen, wohin ich in dieser Nacht unterwegs war. Der Mond war herausgekommen mittlerweile, und tauchte die Landschaft und das bleiern daliegende, blinde Meer in silbriges Licht. Ein paar letzte Fischerboote kehrten von ihrer langen Tagesfahrt wieder, es waren Schatten da draußen auf dem Wasser.
Die Klippen hinab benutzte ich meine Taschenlampe. Ich trat in den Hohlweg, und dann dauerte es nicht mehr lange bis zur ersten Abzweigung vom Hauptpfad. Diese Strecke ging ich wieder im Dunkeln. Sicher war sicher.

Ich hatte eine ungefähre Ahnung, an welcher Stelle ich beschossen worden war. In der beinahe Grabesschwärze hier unter den Bäumen konnte man es schlecht sagen. Zum Teufel, was sollte es. Ich schaltete die Taschenlampe wieder ein. Kein Schuss peitschte durch die Nacht, und nichts regte sich, außer einem kleinen Tier, das erschreckt durchs Unterholz davonraschelte.
Mit ein bisschen Suchen fand ich die abgeknickten Äste wieder, und schließlich auch die Stelle, an der ich zu Boden gegangen war. Die Erde war hier besonders zerwühlt. Leichtfüßig war ich nur auf denselben, auf meinen Knien nicht. Auch das Einschussloch im Baum war schnell gefunden. Ich musste nur in Augenhöhe suchen. Mit dem Taschenmesser puhlte ich eine Weile darin herum, und hatte schließlich ein verformtes Stück Blei in der Hand. Ich würde es mir später in Ruhe anschauen.
Ich ging eine Strecke ins Unterholz, in die ungefähre Richtung, aus der, wie ich annahm, die Kugel gekommen sein musste. Die Richtung war zu ungefähr. Ich fand nichts, Taschenlampe hin oder her. In diesem Dickicht hätte ich einen Meter an der richtigen Stelle vorbeigehen können und hätte es trotzdem nicht gemerkt. Ich fand schon kaum mehr zurück zum Weg. Also ging ich weiter zu der Hütte, die am Ende des Pfades lag. Nummer fünfundzwanzig.

Die Hütte war ein dunkler Kasten am Ende des Pfades. Im Schatten der Dunkelheit unterschied sie sich durch nichts von all den anderen Hütten, denen ich heute meine Aufwartung gemacht hatte. Viereckig und einfach, vermutlich mit einem großen Raum, und einem Ofenrohr, das aus dem groben Dach ragte. Aber an der Tür hing nur ein einzelnes, frisch geöltes Schloss, und die Läden waren zwar vor die Fenster geklappt, aber nicht verriegelt. Hinter ihnen war kein Licht. Ich zog mich von der Hütte zurück und schlich hinter einen Busch, wo ich ein paar Steinchen vom Boden nahm und gegen die Fensterscheiben warf. Ich hielt die Luft an und verharrte. Nichts regte sich drinnen. Ich nahm einen etwas größeren Kiesel und warf den ebenfalls. Noch immer nichts. Dann ging ich zur Tür und klopfte. Totenstille im Wald, und genauso im Inneren der Hütte.
Ich besah mir das Schloss. Eine einfache Arbeit, aber doch so, dass ich meine Dietriche gebraucht hätte, um es aufzubekommen. Ich frickelte ein bisschen mit den verschiedenen Klingen meines Taschenmesser daran herum, aber es regte sich nicht viel. Ich dachte an die Fenster, aber eine Scheibe einzuschmeißen hätte wahrscheinlich nur einen unangenehmen Hinweis auf mich gegeben. Schließlich klappte ich den Schraubenzieher heraus und machte mich an die mühsame Arbeit, den Außenriegel, an dem das Schloss hing, im Dunkeln aus der Bretterwand zu schrauben. Ab und an hielt ich inne und lauschte, aber die Hütte war offensichtlich leer, und wer immer dem Anschein nach noch vor kurzem darin gewesen war, war jetzt gerade jedenfalls woanders.
Mit einem leisen Knirschen kam die letzte der acht Schrauben aus dem Holz, und ich fing den Riegel, bevor er zu Boden klirren konnte. Ich legte den ganzen Mist zur Seite, trat auf meinen Katzenpfoten näher und öffnete langsam die Tür.
Drinnen war es genauso dunkel wie draußen. Kein Geräusch, und keine heimlichen Bewegung. Ich trat unauffällig ein, schloss die Tür und lauschte nochmal. Dann schaltete ich die Taschenlampe ein.

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Eingestellt von MwaH Am/um

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