Sonntag, November 23, 2008

Am Kaminfeuer

Die besten Momente im Leben waren die Momente des gemeinsamen Kaminfeuers. Damit meinte ich folgendes, ein Bild:

Es war Herbst. Ein altes Haus, inmitten eines Wäldchens, auf dem Land. Ein unbefestigter Weg führte unter den Bäumen dorthin. Ihre Blätter verfärbten sich, sie wurden golden und rot. Die Stimmung eines Endes lag über allem wie feiner Nebel, aber ebenso offensichtlich war, dass dieses Ende noch nicht da war, und alles erstrahlte in einer letzten Schönheit. Feiner Dunst lag in der Luft, von der Sonne golden durchwirkt. Des Hauses aus grobem Stein, zweigeschossig, mit einem dunklen Dach; große führten Fenster hinaus auf das Wäldchen und eine Lichtung und luden sie ein in die alten Mauern. Im Haus selbst ein offener, großer Kamin, alt wie die Zeit. Auf dem Bord fand sich eine kleine Sammlung Flaschen der hochprozentigen Sorte, daneben eine Karaffe Wasser, kleine Gläser, oft benutzt und ebenso oft gereinigt. Am Abend brannte ein Feuer in diesem Kamin, und die Flaschen kreisten. Durch das Feuer kam eine wohlige Wärme von außen, und vom Schnaps eine ebenso wohlige Wärme von innen. Zwei Sessel vor dem Feuer, darin zwei Freunde, alte Freunde, Menschen, die alles geteilt hatten und viel voneinander wussten, alles eigentlich. Sie redeten das leichte und tiefe Gespräch der Freundschaft, und je länger der Abend, desto tiefer drangen sie, desto tiefer wurden schließlich die Wahrheiten, die sie miteinander teilten, so altbekannt und dennoch so frisch und unverbraucht. Der nächste Morgen war dann in blendendes Sonnenlicht getaucht, und der Duft frischen Kaffees durchzog, von der großen, offenen Küche kommend, das gesamte Haus.

Naja, so stellte ich mir das vor. Dieses Bild enthielt all jene Dinge, die mir im Leben am wichtigsten waren, als Stimmung gewissermaßen. Diese Unterstreichung war wichtig: es war die Stimmung dieses Bildes, die, in der besten aller Welten, mein Leben beschreiben sollte. Im Moment war ich von dieser Stimmung noch ein Stück entfernt, von dieser Sorglosigkeit und Tiefe. Ich hatte auch keine Ahnung, ob und wie ich dort hinlangen konnte. Aber ich kannte kannte das Ziel, immerhin.

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Eingestellt von MwaH Am/um

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