Mittwoch, September 19, 2007

September

Der Herbst war da und machte sich breit, packte die Taschen aus und hängte seine Sachen in den Schrank. Es blieb allerdings kalt. Die Temperaturen waren gestern mit allem Drum und Dran in den Keller gefallen, und während die Sonne sich erholt hatte und wieder zurück nach oben gekrochen war, war die Wärme auf der Strecke geblieben wie weiland Günther Messner am Nanga Parnat. Wenigstens regnete es nicht mehr.

Ich war zu lange auf Sizilien gewesen. Der Straßenverkehr hielt mit einem Mal neue alte Gefahren für mich bereit. Drei Jüngelchen in ihrem Wagen nieteten mich fast um, als ich die Straße überquerte. Sie gestikulierten wild und riefen mir Dinge hinterher. Ich blieb stehen, drehte mich um und ging zurück und machte ihnen ein bisschen Angst. Auf der Straße galt in diesem Land das Recht des Stärkeren, in der einen wie der anderen Hinsicht. Das wild auf die Straße Rennen musste ich mir in den nächsten Tagen aber jedenfalls wieder abgewöhnen.


Ansonsten war dies der Herbst meines Lebens – wie ein Sequel zu den Dingen, die ich letztes Jahr bereits einmal erlebt hatte. Ich las viel von meinen Texten aus diesem letzten Jahr, und sie sagten mir viel, auch Dinge, die ich in der Zwischenzeit vergessen hatte. Ich hatte noch immer das Gefühl, dass es mir besser ging als letztes Jahr, und dass die Dinge nun endlich in Bewegung kamen. Das Telefonat mit A. gestern war nur eines dieser Dinge, aber das augenfälligste. Da war einer, der offenbar im Leben stand und Interesse an mir hatte und an meinen Fähigkeiten. Ich hatte mich außerdem gut geschlagen und das Gespräch nicht aus der Hand gegeben, sondern kollegial mitgeführt, und die richtigen Fragen gestellt, und all das tat mir gut. Es steigerte mein Selbstvertrauen. Das war vorher auch schon ein gutes gewesen, aber ich freute mich und nahm gern – besonders, was den endlichen Einstieg in die Arbeitswelt anging, konnte mir das nicht schaden. Das Beste war: ich bekam langsam richtig Lust dazu. Ich wollte mich endlich ein wenig beweisen und ein wenig Geld verdienen, und am Besten in Berlin, und am Allerbesten mit dem Mädchen zusammen, nach dem ich mich so sehnte und das ich liebte. All das wäre gar nicht schlecht. Es würde mir wahrscheinlich sogar gefallen.

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Eingestellt von MwaH Am/um

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