Freitag, August 24, 2007

Ein ferner, fremder Ort

Ich saß erst an der Place de la Contrescarpe und trank ein überteuertes Bier, und dann wechselte ich die Straßenseite und das Café und und trank einen ebenfalls überteuerten Café Crème. Aber ich war in Paris, und es war nicht mein eigenes Geld, was ich ausgab, und so regte sich mein schlechtes Gewissen nicht besonders. Die meisten hier hielten mich für einen Franzosen, jedenfalls bevor ich den Mund aufmachte, und wenn ich allein unterwegs war, wie ich es gerade war, und so saß ich hier und war recht zufrieden. Ich war an einen fernen, fremden Ort gereist, und dort machte ich das Gleiche, was ich sonst auch immer machte, und wälzte meine Gedanken und sah den schönen Frauen hinterher, und von beiden gab es hier eine ganze Menge, und so hatte ich gut zu tun.

Ich saß auf der Terrasse des Café de la Contrescarpe, und mein Café Crème war noch heiß und ich trank ihn und rauchte dazu eine Zigarette. Der Springbrunnen unter den Bäumen in der Mitte des Platzes plätscherte. Wolken zogen langsam auf. Es wurde kühl. Das gute Wetter war vorbei. Aber um mich herum redeten die Menschen Französisch, und tranken Kaffee, und noch leuchteten ein paar letzte Strahlen der Sonne, und daher war ich glücklich.
Mädchen liefen auf der Straße vor der Terasse vorbei, und ihre Augen blitzten und ihre Lippen leuchteten, und ihre hohen Absätze klackten, erst laut und dann leiser, und schließlich verlor sich das Klacken irgendwo in der Rue Mouffetard. Die Französinnen waren sehr schön. Sie waren so schön, dass sie mich fast um den Verstand brachten, und sie hätten mich um den Verstand gebracht, wenn ich nicht ein Mädchen gehabt hätte, das mich liebte und das ebenso schön war wie sie.
Es war eine Stadt für Träumer und Träume, und es war noch immer eine wunderschöne Stadt, auch wenn es keine billige Stadt mehr war, wie sie es einst gewesen war. Ich trank meinen Kaffee und dachte an die Liebe und an die Menschen und an Paris, und an sonst nicht viel. Die Stadt jedenfalls war inzwischen sehr teuer, aber sie war auch immernoch leicht und schwerelos, und ich mochte sie sehr. Es war ein Ort, an den man allein oder zu zweit reisen konnte, und in beiden Fällen hielt er viel für einen bereit. Ich war alleine an diesem Ort, jedenfalls ohne ein Mädchen, und so verbrachte ich keine langen Morgende im Bett, ihren warmen Körper an mich gekuschelt, und ich küsste sie nicht unter den Bäumen des Jardin du Luxembourg, und ich schlenderte nicht mit ihr entang der Seine oder durch die Gassen der Île de Saint-Louis, und ich schlief nicht mit ihr in der Nacht im schmalen, französischen Bett auf dem Hotelzimmer. Diese Zeiten würden kommen, ein andermal. Unterdessen fand ich Mittel und Wege, mich selbst zu beschäftigen.


Ich war an einen fernen, fremden Ort gereist, aber so fern und fremd war er mir garnicht. Er schien mir sehr vertraut, und ich fand mich bald zurecht, und es war mir wie ein alter, bekannter Ort, und ich war sehr glücklich.

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Eingestellt von MwaH Am/um

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