Samstag, November 18, 2006

Sinn und Auftrag des Autors II

Zum Abrunden des Ganzen und zwecks Einordnung unter noch einem anderen Blickwinkel hier doch noch einige Worte Henry Millers, entnommen dem kurzen Essay „Mein Leben als Echo“ (Von der Unmoral der Moral, rororo):

„Schriftsteller werden! Als ich den Schöpfer um diese Gnade bat, ahnte ich nicht, welchen Preis ich für das Privileg würde zahlen müssen. Auch ahnte ich nicht, dass ich mich mit so vielen Idioten und Tölpeln würde befassen müssen, wie mir in den letzten zwanzig, fünfundzwanzig Jahren über den Weg gelaufen sind. Ich hatte mir beim Schreiben meiner Bücher vorgestellt, ich wendete mich an verwandte Geister. Nie kam ich auf die Idee, ich würde, aus ganz anderen Gründen, als ich im Sinn hatte, von der gedankenlosen Masse akzeptiert werden, die mit der gleichen Wonne die Comic strips, die Sportmeldungen und die Finanzberichte im Wall Street Journal liest. Wer mein Buch über Big Sur (wo ich jetzt seit vierzehn Jahren lebe) gelesen hat, weiß, dass mein Leben an diesem abgeschiedenen Ort das eines Eichhörnchens im Käfig ist: ständig den Blicken ausgeliefert, ständig Neugierigen, Autogrammjägern und drittklassigen Zeitungsreportern ausgesetzt. Vielleicht war es die Vorahnung eben einer solchen Absurdität, die mich dazu bestimmte, in mein allererstes Buch, ‚Wendekreis des Krebses’, ein Zitat aus Papinis ‚Uomo Finito’ aufzunehmen. Heute habe ich, ähnlich wie Einstein, das Gefühl, dass ich, würde mir noch ein zweites Leben gewährt, vielleicht Schreiner oder Fischer werden möchte – alles, nur kein Schriftsteller. Die wenigen, die ein Schriftsteller mit seinen Büchern erreicht, denen seine Worte etwas sagen, denen sie Freude und Trost bieten, werden weiter das sein, was sie sind, ob sie seine Bücher lesen oder nicht. Dieses ganze verdammte Schreibgeschäft, Buch um Buch, Zeile um Zeile, läuft auf einen Spaziergang im Park hinaus, auf ein Hutlüften hin und wieder und ein ‚Guten Morgen, Tom, wie geht es Ihnen?’ – „Danke, gut... und Ihnen?Keiner wird dadurch klüger, trauriger oder glücklicher. C’est un travail du chapeau, voilà tout!

Labels:

Bookmark and Share
Eingestellt von MwaH Am/um

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Links zu diesem Post:

Link erstellen

<< Startseite