Kurze Zusammenfassung des Zustands dieser unserer großen Welt:
Der Mensch ist aus dem Mittelpunkt des Weltalls herausgefallen, und müht sich verzweifelt, wieder Sinn in seinem Dasein zu finden. Unsere politischen, wirtschaftlichen und auch sozialen Systeme dienen nicht länger dem größten Wohl der meisten Menschen, sondern einzig und ausschließlich noch Partikularinteressen. Das ist zwar nicht neu und war wohl schon immer so, ergreift mittlerweile jedoch auch die vorgeblichen Demokratien, also die partizipativen politischen Systeme. Sie krankt, wie auch Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, an der Vereinzelung und passiven Objektivierung des Menschen.
Dies ist etwas, was wir alle zusammen schaffen. Dieser Punkt ist wichtig: Es gibt auf diesem Planeten nur solche Systeme, die von uns selbst getragen, unterstützt oder zumindest passiv zugelassen werden. Das ist der erste Teil der Krankheit, unter der wir Menschen leiden, alle leiden: unsere Passivität, unser Zulassen. Einigen wenigen (die sich allzu oft auch nur als passiv Getriebene verstehen) wird es so möglich, das Wohl und vor allem das Wehe der großen Mehrheit zu bestimmen. Kommt noch hinzu, dass dies in einer Welt, die zu dem vielzitierten Dorf geschrumpft ist, nun die Entscheidungen dieser wenigen die gesamte Welt zu bestimmen beginnen – weil wir anderen es zulassen.
Teil zwei der Krankheit ist noch schwerer zu fassen, obwohl wir ihn wohl schon seit dem Beginn des Menschengeschlechts mit uns herumtragen: es handelt sch hier um die Hätschelung und Päppelung unserer individuellen menschlichen Identität. Dies geht über das Lebenswichtige weit hinaus, und entzieht sich den meisten Menschen so vollständig, dass mit diesem Argument, so sinnvoll und wahrhaftig es aus dem „objektiven“ Zusammenhang heraus es auch sein mag, kaum ein Stich zu machen ist.
Worauf ich hinaus will: Unser körperlich-materielles Überleben steht heutzutage, jedenfalls in diesem Land, nicht mehr zur Debatte. Wenn überhaupt, scheiden wir aus freiem Entschluss aus dem Dasein, nicht aus aussichtsloser Lebenslage heraus – oder doch? Man muss sich hier genauer betrachten, was eine „aussichtslose Lage“ für den Menschen zu sein scheint, tatsächlich immer schon zu sein schien: Die Verzweiflung des heutigen Menschen unseres Landes und Erdteils entspringt seiner Seele, seiner Interpretation der Welt. Überflüssig, an dieser Stelle beispielsweise auf A. T. Beck zu verweisen, dieses Wissen ist ebenfalls schon bekannt, seit es Menschen gibt (Buddha) – jedoch das wirkliche Erkennen und Umsetzen dieses Wissens ist es, woran es mangelt.
Kurze Rückkehr zum Argument, um dieses noch schnell abzuschließen:
Wir handeln heute nicht mehr aus der Motivation der Befriedigung tatsächlicher menschlicher Bedürfnisse heraus. Wir handeln zur Befriedigung unseres Egos, zur Besänftigung unserer Ängste. Wir sind zugleich Urheber und Sklaven der Welt-Interpretation in unseren Köpfen. Weder durchschauen noch beherrschen wir uns selbst, wir sind Getriebene unseres eigenen Geistes – der keinerlei physische, keinerlei weltliche, ja nicht einmal tatsächliche psychische Macht über uns hat. Die Identität (nicht der Geist, noch der Verstand, wohlgemerkt – die Identität!) ist eine Illusion, die aus dem alltäglichen Handeln und Erleben erwächst. Wir denken, dass unser Sein, unsere Person an Bedingungen geknüpft seien, die erfüllt sein müssten, auf Biegen und Brechen, komme was wolle. Dies ist die Quelle, der die Selbstsucht, der Neid und die Gewalt entspringen. Zu einem wirklichen, geistig wie körperlich erfüllten Leben bedürfen wir ihrer nicht. Wir brauchen keine Mercedes, Villen, Schweizer Bankkonten, Hummer jeden Tag, Badeurlaub in St. Tropez, Skiurlaub in St. Moritz, Weisungsgewalt über hundert Untergebene, politische Macht, Ferraris, Porsches, bombensichere Unterstände und Hausbedienstete. Wir brauchen in erster Linie ein menschengerechtes Leben, und eine Kenntnis des menschengerechten Lebens!
Das Leben, wie es zu dieser Zeit prototypisch dargestellt wird, ist ein Leben aus der Illusion heraus, und wie eine Fata Morgana in der Wüste kein lebensspendendes Wasser schenken kann, sondern den verirrten Reisenden immer tiefer in die lebensfeindliche Ödnis hineinzulocken imstande ist, so wird auch aus dem Verfolgen dieses zwar anerkannten, jedoch vollkommen sterilen Leitbildes eines Lebens (dabei ist es alles, nur eben kein „Leben“) keine Erfüllung, sondern in letzter Konsequenz nur noch mehr Leere im einzelnen entspringen. Wir versuchen dies dadurch auszugleichen, dass wir dem Trugbild nur umso eifriger hinterher jagen, oder uns alternativ der Verzweiflung oder dem Freitod anheim geben. Auf den Gedanken, die Grundvoraussetzungen dieses Lebens sowie die tatsächliche Struktur unseres Seins, unseres Verstandes, unserer Schemata und unserer Seele zu untersuchen, kommen wir nicht.
Was uns an den Anfang dieser kurzen Abhandlung zurückbringt. Der Mensch ist aus dem Mittelpunkt des Weltalls herausgefallen, und müht sich verzweifelt, wieder Sinn in seinem Dasein zu finden. Unsere politischen, wirtschaftlichen und auch sozialen Systeme dienen nicht länger dem größten Wohl der meisten Menschen, sondern einzig und ausschließlich noch Partikularinteressen. Die Macht innerhalb unserer Systeme polarisiert sich und wird zugleich immer verborgener. Einzelne nutzen diese Macht, um ihrer Version eines „guten Lebens“ näherzukommen, werden ihr Ziel jedoch niemals erreichen, da sie einer Fata Morgana hinterherjagen. Auf ihrem rücksichtslosen, egoistischen Weg, der ausschließlich ihnen selbst und keinem anderen Menschen gilt, zerstören sie die Leben der anderen – und nicht nur die „geistigen“ Lebens-Interpretationen dieser anderen, sondern allzu oft und wirklich ihre Leben. In ihrer Beschränkung auf sich selbst verstehen sie die Vernetzungen nicht, in die ihr Handeln eingebunden ist, und bringen Schmerz, Leid und Vernichtung über diese Welt.
Es gibt kein Shangri-La. Wir alle sind betroffen. Wir alle sind Teil dieser Welt und dessen, was wir in ihr zulassen. Jene mächtigen Verblendeten haben unser aller Duldung und viel zu oft auch Unterstützung. Es liegt an uns. Nicht „die anderen“ – AN JEDEM EINZELNEN SELBST.
Labels: general thoughts


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