Geschichten etc.
Ich hänge herum und warte, dass der Tag vorübergeht. Habe ein paar Bruchstücke gelernt und stehe noch nicht soweit unter Stresseindruck, um mehr zu tun. Komme mir ziemlich nichtsnutzig vor, noch zusätzlich in der Hinsicht, als dass das Schreiben, wie ich mittlerweile für mich entdeckt habe, eigentlich gar kein Problem sein dürfte. Was tut man schon groß? Man erfindet eine Geschichte, die der Leser fühlen soll. Man erzählt etwas. No big deal. Ziemlich simpel, das alles.
Ich habe mir angeschaut, was so in den Buchhandlungen ausliegt, und von tatsächlichem Bedeutungsgehalt her ist das ziemlich dürftig. Seit Hesse (und in etwas geringerem Umfang Murakami) ist nicht mehr viel losgewesen auf dem Selbstfindungssektor. „Simplify your Life“ der letzte Versuch, dem Menschen Anleitung zu geben, aber mit welchen Mitteln... Erschröcklich!
Die Geschichte erzählst du nicht für dich, dass st der eigentliche Trick. Deine persönliche Selbstfindung und –erkennung musst du mit dir selbst ausmachen, an anderer Stelle (in deinen "Selbstanalysen", in Tagebüchern zum Beispiel). Bürde sie nicht dem Leser auf.
Nimm ihn gefangen – metaphorisch gesprochen. Biete ihm einen Inhalt und darum herum eine Entwicklung, die ihn bei Laune hält und fasziniert.
Denke nicht, alles auf einmal behandeln zu müssen. Du wirst noch viele weitere Gelegenheiten haben, und viele weitere Bücher schreiben können. Erschlage den Leser nicht, sondern schenke ihm Ausschnitte aus der Welt, die du eigens für ihn erfunden hast.
Denn das ist recht eigentlich das, was du tust: Du erfindest eine Welt und begibst dich, so du es richtig und „mit reinem Herzen“ tust, unter die Schöpfer. Warum schon lesen wir Bücher, hören wir Hörspiele, sehen wir Filme? Wir sehnen uns nach Geschichten, die uns mehr über uns selbst und unsere Möglichkeiten erzählen. Wir wollen eine bestimmte Art von Orientierung, jene, die von außen gegeben werden kann. Im besten Fall erfahren wir auf diese Weise von einem neuen Blickwinkel, unter dem wir unser eigenes Innenleben auf eine neue Weise anschauen können.
Die andere Sorte Geschichten dient der Unterhaltung, Zerstreuung, Spannung. Gegen diese ist nichts zu sagen. Auch wenn (beispielsweise) Dan Browns Epistel wenig zu einem lebenswerteren Leben und einer grundsätzlichen Orientierung beitragen. Von Zeit zu Zeit müssen wir uns allerdings auch von der Suche nach Sinn freimachen, und einfach ein wenig „abhängen“, die Seele baumeln lassen. Wie ich gerade, am heutigen Tag, zu dieser Stunde.
(Produktiv arbeiten wäre mir lieber. Nur einer allein hat Schuld an alledem: ich selbst. Aber dies ist eine andere Geschichte, vielleicht der Inhalt eines Buches...)
Labels: factual, general thoughts, meditations


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