Dienstag, Februar 23, 2010

Astral Travelling

On Thembi, that was the first time that I ever touched a Fender Rhodes electric piano. We got to the studio in California — Cecil McBee had to unpack his bass, the drummer had to set up his drums, Pharoah had to unpack all of his horns. Everybody had something to do, but the piano was just sitting there waiting. I saw this instrument sitting in the corner and I asked the engineer, "What is that?"
He said, "That’s a Fender Rhodes electric piano."
I didn’t have anything to do, so I started messing with it, checking some of the buttons to see what I could do with different sounds. All of a sudden I started writing a song and everybody ran over and said, "What is that?" And I said, "I don’t know, I’m just messing around." Pharoah said, "Man, we gotta record that. Whatcha gonna call it?"
I’d been studying astral projections and it sounded like we were floating through space so I said let’s call it "Astral Traveling."
(From Wikipedia.org (>>))

That's Jazz in a nutshell. That's the way you should treat the new in the world and its possibilities - curious and curageously. And the result will invariably beggar all description, in a positive way. So listen to it. Here, for example (>>).

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Sonntag, Februar 21, 2010

Das große Irrenhaus der Welt

Die wichtigste Erkenntnis, die ich diese Tage hier anbringen konnte, war eine, die ich schon lange gehabt hatte, die sich aber jetzt gerade erst wieder den Weg an die Oberfläche meiner Gedanken kämpfte: Diese Welt war nichts Anderes als eine einzige, große Irrenanstalt. Es verhielt sich mit ihr sogar noch schlimmer, als ich früher gedacht hatte. Es war wirklich alles verrückt: das gesamte System war verrückt, und die Menschen, die unter und in und ihm und durch es lebten, waren ebenfalls verrückt, verrückter sogar noch als einfach nur verrückt. Ich wandelte hier in dieser Stadt, in diesem Land, auf diesem Kontinent, ja auf diesem Planeten unter Irren. Ich war selbst irre, zu einem gewissen Grad, aber weitaus weniger irre als die meisten anderen. Ich begann, mich zu heilen. Ich bemühte mich seit langem schon darum, und es war ein langsamer, schmerzhafter Prozess.

Was mich früher am Leben gehalten hatte, war die Natur um die Stadt herum gewesen, am See, der See. Was immer Schlimmes passierte, welche traurigen oder grausamen Gedanken auch meinen Geist beschäftigten, ich konnte immer an den See gehen und mir den Kopf vom unablässig wehenden Wind durchpusten lassen. Der Kosmos hielt mich angesichts der Welt, die wir Menschen geschaffen hatten, am Leben, ja er ermöglichte es mir überhaupt erst.
Hier in Berlin hatte ich keinen See, und hier in Berlin hatte ich keinen Kosmos. Hier hatte ich nur Berlin, nur den Moloch Stadt, nur die verdammte Welt und nichts sonst. Der Kosmos war weit weg, irgendwo hinter der Stadtgrenze, und auch dort nur ein armseliger solcher eingedenk der Schönheit anderer Orte, des Sees.

Ich meinerseits lebte ein verzweifeltes Leben, denn ich erkannte immer mehr vom Wahnsinn der Welt. Tatsächlich ging mein Wissen über diesen Wahnsinn weit über alles hinaus, was ich während meines Studiums gewusst oder gar geahnt hatte, und es stellte sich als schlimmer heraus als in meinen übelsten Träumen. Ich hatte schon seit langem gewusst, dass unsere Bewusstseine das Urproblem hinter allem waren, beziehungsweise unser Umgang mit ihnen, aber wie verkommen und verkorkst die ganze Welt, die ganze Gesellschaft tatsächlich waren, das wurde mit erst nach und nach klar, jetzt, zu dieser Zeit, und meine Verzweiflung wuchs mit jeder neuen bitteren Erkenntnis.

Wie lagen die Dinge nun? Ich musste mir einmal wirklich darüber klar werden, wenn ich die Puppen zum Tanzen bringen wollte. Eigentlich war ich verzweifelt, und immer mehr so, je tiefer ich in den tatsächlichen Zustand der Welt eindrang; nur brachte mich auch das verzweifelte Auf-dem-Arsch-Sitzen ja nicht wirklich voran. Wir waren hier auf diesem Planeten, in dieser Realität, ob Kosmos oder Welt, um etwas zu vollbringen, um einen Vers beizusteuern zu diesem wahnsinnigen Spiel oder gar, und das war das eigentliche, das einzig sinnvolle Ziel, um die Regeln selbst zu ändern, gemeinsam – denn dass wir neue Regeln brauchten, das stand vollkommen außer Frage, denn so, wie die Welt war, war sie wahnsinnig und konnte nicht mehr lange bestehen.

Was aber, fürs Erste ins Unreine gesprochen, den Zustand der Welt anging, so war der sogar sehr leicht zu diagnostizieren: Es ging, auf der oberen, offensichtlicheren Ebene, nur ums Geld – Geld Geld Geld Geld Geld, und die Macht, die dieses verdammte Geld mit sich brachte oder wenigstens mit sich zu bringen schien, und die die Akteure des Wahnsinns mit Glück verwechselten. Auf der anderen, der subtileren, der eigentlichen Ebene ging es natürlich um etwas ganz Anderes, von dem das Geld nur ablenken sollte – um das Leiden an sich selbst und der eigenen Existenz, von der gerade die Hauptprofiteure des Systems betroffen waren; um die Unfähigkeit von ihnen und uns allen, nicht nur im eigenen Interesse und überhaupt an mehr als nur sich selbst zu denken; und damit um das eigentliche, jahrtausendealte Rätsel: Wie konnten wir mit unserem Bewusstsein und alle zusammen gut leben; wie konnten wir dieses Bewusstsein endlich so beherrschen, wie es notwendig war?

Wir hatten noch nicht einmal an der Oberfläche gekratzt. Wenigstens hatten wir 2400 Jahre Buddhismus und 100 Jahre Psychologie, auf denen wir aufbauen konnten. Von der Psychologie sprach ich an dieser Stelle allerdings eher halbherzig. Ich kannte sie ein bisschen.

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Sonntag, Januar 31, 2010

Das Goldene Blatt

Liebe Katharina Peters (>>):

Ich bin nicht soviel älter als du, deshalb gestatte bitte, dass ich dich duze. Katharina, ich habe eine schlechte Nachricht: Dein Artikelchen Indiskretes vom Gatten aus Irland (>>) ist weder indiskret noch eine Nachricht. Der verantwortlichen Chefredakteur, der dir diesen Artikel zuwies und/oder durchgehen ließ, mag in seinem SPON-gemäßen pathologischen Hass auf die LINKE mit deiner Arbeit zufrieden gewesen sein (wenn man schon nicht mehr behaupten kann, dass die Sahra mit dem Lafo, nicht wahr, weil Krebs und so); doch alles in allem ist selbst SPIEGEL Online die falsche Postille für derlei hanebüchene Firlefanz. Ich meine, hey, manchmal versucht sogar dein Laden noch, sowas wie Nachrichten zu verkaufen. Ich weiß, selten, aber es soll vorkommen.
Für deine weitere Arbeit und folgende
Epistel dieser Sorte empfehle ich dir daher wahlweise das Goldene Blatt (>>) oder die Gala. Macht sich im Lebenlauf sicher auch ganz toll und entspricht inhaltlich auch eher der Güte des Vorliegenden.
Habe die Ehre.

- - - - -

(Und wo wir gerade bei halbgarem Unsinn sind: "kgp", na, das klingt ja fast wie KGB, nicht wahr, also was sich der linksphobische Chef da denkt... Ginge da denn keine andere Mittelinitiale? Wie hältst du's denn eigentlich mit der Mauer?)

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Samstag, Januar 30, 2010

Leistung - "Es gibt kein gerechteres Kriterium"

Wenn es kein gerechteres Kriterium als dieses gibt (>>), Frau Schavan, sollten Sie sich vielleicht einfach verpissen. Das wäre wenigstens einmal konsequent. Denken Sie drüber nach.

Wer in diesem Bildungssystem die sogenannte "Leistung" erbringen kann, hat in seinem Leben meist schon sowieso vermehrt bildungsbezogene Zuwendung erfahren - der Sohn des Akademikers hat einfach eine andere Startposition für den Bildungsweg als der Sohn des Hartz-IVlers. Dass man diesen Sachverhalt nach zig PISA-Studien ausgerechnet der Ministerin für Bildung und Forschung (!) noch vorbeten muss, sagt über diese Dame genug aus, denke ich.

Setzen, Frau Schavan, Sechs. Nicht versetzt, nicht lernfähig, nicht kritikfähig - ich empfehle Sonderbeschulung. Wofür haben wir denn unser wunderbares mehrgliedriges Schulsystem?

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Mittwoch, Januar 06, 2010

"25 deutsche Kriegsbilder" - geht's noch?!?

Immer wenn man dachte, es ginge nicht mehr schlimmer, setzten sie noch einen drauf. Meistens kamen diese Schmutzfinken vom SPON, so auch jetzt wieder (>>). Das neueste Glanzstück dieser BILD-Postille für Arme trug die beherzte Überschrift "25 deutsche Kriegsbilder", und ich dachte mir, geht's noch?

Neues von der Ostfront, demnächst mit Sammelbildchen von Panini! Adoptiere einen aufrechten deutschen Soldaten, der, von "Aufständischen" und Taliban feige attackiert, treu wie Hasso und zäh wie Kruppstahl seinen Dienst versieht! Eine solche Scheiße hätte ich in einer Postille der NPD erwartet, aber nicht bei SPON, noch immer nicht. Von Konzepten oder Perspektiven hingegen keine Spur, nicht ein Hinweis darauf, dass unsere Kanzlerinnen-Darstellerin und ihre Kollegen von der Laien-Truppe nicht einen Schimmer hatten, was wir da eigentlich machten, was sie erreichen wollten und konnten und wie und wann die Soldaten wieder zurück nach Deutschland in ihre Kasernen kommen würden, nein, alles, was SPON im Angebot hatte, waren heroisch-lauschige Bildchen vom tapferen deutschen Landser an der Ostfront, diesmal noch hinter Moskau.

Highlight aus dem Artikel der SPON-Wehrkraftunterstützer übrigens (von den Bildunterschriften gar nicht zu reden):
Die Zeit der reinen Selbstverteidigung ist vorbei. Von "kriegsähnlichen Zuständen" spricht selbst Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.
Als ob unser GröVaZ mit den gegelten Haaren eine andere Wahl hätte. "Spricht selbst"! Please! Manchmal war sogar ich erstaunt, für wie dumm der SPIEGEL seine Leser hielt.

- - - - -

Ein frohes neues Jahr übrigens allen sporadischen Lesern! All den Umständen zum Trotz.

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Freitag, Dezember 18, 2009

Helft euch selbst, dann hilft euch Gott

Es war etwas dran an diesem Spruch, nachdem in dieser Gesellschaft und in diesem Land langsam keiner mehr Verantwortung für einen anderen als sich selbst übernehmen wollte - nicht der Staat, nicht die Politiker, nicht die Besitzenden und nicht die Führungskräfte, und auch sonst keiner mehr. Die bestehenden Strukturen liefen immer mehr ins Leere, und noch war nichts an ihre Stelle getreten - bisher.

Was wir aber eigentlich brauchten, was den neuen Strukturen zugrunde liegen mussten, war ein neues (altes) Verständnis von Solidarität und Gemeinschaft. Wenn die Menschen wieder füreinander einstanden, wenn gegenseitiges Vertrauen und Achtung wieder zu einer Währung wurden anstelle des (oder neben dem) schnöden Mammon, dann konnte eine andere Kultur wieder wachsen, auch hierzulande, eine Kultur, die auf Opportunismus, Plutokratie und Macht um der Macht willen verzichtete, und die am Ende gar den beteiligten Menschen dienen und nützen konnte. Und was für ein Schock wäre das wohl!

Ein erster Schritt: Raus aus der Lohnsklaverei und der (ökonomischen) Fremdbestimmung, und die Dinge, sprich die eigene Arbeit, selbst in die Hand nehmen. Zwei wunderbare Beispiele gab es hier (>>) und hier (>>). Wenn wir weiter auf Hilfe von oben, unten oder seitlich warteten, dann gute Nacht. Man musste ja nur nach Kopenhagen schauen (>>) um zu sehen, dass es in Politik und Wirtschaft um vieles gehen mochte, aber nicht um Logik, nicht um systemisches Denken, und nicht um die größtte Wohlfahrt für die größtmögliche Zahl, sondern um Macht und Geld, vorzugsweise für die, die sie ohnehin schon hatten.

Eine andere Welt war möglich, wie es so schön hieß. Sie begann mit jedem einzelnen.

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Montag, Dezember 14, 2009

Koch muss zurücktreten

Aus der FR (>>), einer der letzten Zeitungen dieses Landes, für die das Wort "Pressefreiheit" noch mehr war als ein bloßes Lippenbekenntnis:
FR: Der Finanzminister sagt, die Verwaltung habe richtig gehandelt.

Wilhelm Schlötterer: Ich habe in 30 Jahren im bayerischen Finanzministerium einiges erlebt und bin nicht leicht zu erschüttern. Aber dieser Fall ist unfassbar. Gleich vier Steuerfahnder einer Gruppe wurden für verrückt erklärt. Das kann niemals mit rechten Dingen zugegangen sein. Es ist evident, dass hier kriminelle Methoden angewandt wurden. Ich bin entsetzt, dass so etwas in einem Rechtsstaat möglich ist. Da läuft es einem kalt den Rücken herunter. Den Beamten wurde Paranoia bescheinigt - als ob das eine ansteckende Krankheit wäre. Ich kann es einfach nicht begreifen, dass so etwas möglich ist.

FR: Der Gutachter ist ja dafür verurteilt worden.

WS: Der Gutachter ist doch nur das letzte Glied in der Kette. So etwas würde auch kein Behördenleiter oder die Oberfinanzdirektion alleine ins Werk setzen. Das muss vom Finanzminister und vom Ministerpräsidenten persönlich entschieden worden sein - anders ist das in einer Verwaltungshierarchie gar nicht möglich. Koch und Weimar sind dafür politisch und rechtlich verantwortlich. Koch wurde ja wiederholt angeschrieben, gab aber keine Antwort. Das ist rechtswidrig, denn der Ministerpräsident muss Petitionen und speziell Dienstpetitionen von Beamten beantworten - hier handelt es sich also um eine doppelte Rechtswidrigkeit.

FR: Ist es vorstellbar, dass Koch nicht informiert wurde?

WS: Nein, ein Ministerpräsident schwebt nicht über solchen Dingen, er ist der bestinformierte Mann des Landes, ihm wird alles vorgelegt. Er hätte handeln müssen. Man kann den Fall gar nicht dramatisch genug sehen: Da sollten vier Menschen den bürgerlichen Tod sterben, persönlich vernichtet werden. Weimar und Koch können nicht so tun, als ob ihnen das nicht glasklar gewesen wäre. Dieser Gutachter hatte ein Gefälligkeitsgutachten zu erstellen. Selbst wenn Weimar und Koch das leugnen, trifft sie die Schuld dafür. Der Rücktritt von Koch und Weimar ist unumgänglich, wenn Verantwortung in Hessen noch irgendeinen Sinn haben soll.
Wenn Deutschland eine Bananenrepublik war, dann war Hessen der Abgrund derselben. Dieser Staat war am Ende, und wenn er's noch nicht war, dann war Hessen es auf jeden Fall.

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Sonntag, Dezember 13, 2009

Er ist tot.

Zeit wurde es. Hätte Otto Graf Lambsdorff seine Schüler doch mitnehmen können, die unsere Welt in seinem Sinne weiter zugrunde richteten.
Ein informativer Nachruf fand sich hier (>>).

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Donnerstag, Dezember 10, 2009

Finanzkrise: Ein Mann sieht rot

...und das zu Recht. Zu dem, was Robert von Heusinger in der FR sagte (>>), war nichts mehr hinzuzufügen, aber auch gar nichts.

Ich hoffte bei Gott, dass jemand die Mischpoke unserer Volks"vertreter" und jene, die von der allgemeinen Regellosigkeit profitierten, zur Verantwortung ziehen würde, wenn es soweit wäre. Warum nicht gleich jetzt eigentlich. Ich fürchtete nur, dass wir das selbst würden tun müssen. L'état, c'est nous!

Im Moment war dieser Staat allerdings nicht mehr als eine beliebige Bananenrepublik: Außen schwarz-gelb, innen schon verfault. Man musste nur bei Roland Koch und seinen Liebesdienern nachfragen, wenn man es genauer wissen wollte (>>).

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Sonntag, Dezember 06, 2009

Verdummungswarnung: Professor ohne Ahnung, ohne Aufrichtigkeit

Professor Doktor Gerhard Schulze verbreitete in der WELT seine bescheidene Meinung zum Klimawandel (>>). Er war Soziologe. Damit mochte er gut aufgestellt sein, um etwas über die Gesellschaft zu sagen. Der Klimawandel hingegen gehörte vermutlich nicht zu seinen Kernkompetenzen. Das war erstmal nicht schlimm. Ich war ja auch nur ein Psychologe und kein Klimaforscher. Ernst wurde es erst dann, wenn man mit seinem legitimen Nichtwissen nicht umzugehen wusste – und in dieser Kategorie war Herr Schulze ein Musterbeispiel, Doktor hin und Professor her. Tatsächlich war der Artikel in der WELT so schlecht, dass ich ihn hier mit Freude sezieren wollte als Beispiel für unlauteren Journalismus und, nein, nicht schlechte Wissenschaft, sondern absolute Unwissenschaftlichkeit per se. Schade drum. Von einem Professor für Empirische Sozialforschung sollte man Besseres erwarten können. Aber sei’s drum. Man sollte, bei Licht besehen, auch von Bundeskanzlern und gewählten Volksvertretern Besseres erwarten können. Man tat’s aber nicht mehr, und man hatte seine Gründe.

Herr Schulze begann mit einer großen Gesamtschau:
In den Gewässern Europas kann man unbesorgt baden, verspricht der Badegewässerbericht der Europäischen Kommission von 2007. In der ehemaligen Chemiekloake Bitterfeld trifft man auf Erholung suchende Touristen. Sogar im Ruhrgebiet hat die Luft beste Kurortqualität. Das Waldsterben ist ausgeblieben. Die Sahara dehnt sich nicht mehr aus, an ihren Rändern wachsen neue Bäume, die Wüste ergrünt. Es ist etwas wärmer geworden auf der Welt, und das ist auch gut so! Warmzeiten waren erdgeschichtlich immer gute Zeiten: Reiche Ernten, Artenvielfalt, mehr Fortschritt und ein leichteres Leben für alle.
Leider hatte das erstere mit dem letzteren nichts zu tun. Garnichts. Die Gewässerqualität Europas hängt nicht an einer Erwärmung, sondern an Kläranlagen, am Umweltschutz also. Gleiches gilt für Bitterfelder und ruhrgeb
ietliche Erholungsluft, und das Ausbleiben des Waldsterbens. Hier waren es der Niedergang der Stahl- bzw. Chemieindustrie und die Einführung des Katalysators, aber nicht die globale Erwärmung. Die Sahara dehnte sich übrigens noch immer aus. Und die Bäume, die dort dennoch wuchsen, wuchsen nicht aus einer Laune der Natur und weil es dort so schön warm war, sondern weil die Menschen dort versuchten, der fortschreitenden Desertifikation Einhalt zu gebieten (>>). Sie waren von Menschen gepflanzt, diese Bäume, nicht vom guten Wetter.
Nach all d
iesen falschen Pseudobeispielen, die seine folgende Aussage stützen sollten, dies aber nicht taten, schloss Herr Schulze (für die bessere Wirkung hier wiederholt) mit den Worten:
Es ist etwas wärmer geworden auf der Welt, und das ist auch gut so! Warmzeiten waren erdgeschichtlich immer gute Zeiten: Reiche Ernten, Artenvielfalt, mehr Fortschritt und ein leichteres Leben für alle.
Genau, richtig doch! Einen Platz an der Sonne für jeden! Wen interessierten schon die klimatischen Folgen für Ernten in Indien und China oder irgendwo in Afrika! Please! Hier gab es ja genug zu essen und zu trinken. Sonnenschein und ein kühles Bier, so mochte auch der Herr Soziologe seinen Sommer am liebsten! Aber weiter im Text.

Immerhin gab Herr Schulze seine Unbelecktheit in diesem Thema zu:
Wie kann ein einfacher Soziologe den Klimawandel herunterspielen, wo wir doch Milliarden dafür ausgeben, ihn endlich in den Griff zu bekommen? Will er als ahnungsloser Laie etwa abstreiten, dass die Malediven im Meer versinken, die Polkappen schmelzen und die ganze Welt sich langsam in einen Glutofen verwandelt?
Ein ahnungsloser Laie, sehr richtig. Si tacuisses, philosophus mansisses. Leider hielt die Bescheidenheit nicht lange an, sondern schlug unversehens um in einen weiteren Versuch, den existierenden Konsens über globale Erwärmung und ihre Realität ins Lächerliche zu ziehen:
Wenn wir nicht endlich etwas tun, werden Monsterwellen New York unter sich begraben, da sind besorgte Filmemacher und Experten sich einig. Der Mensch killt die Erde, weil er eine Industrie betreibt, weil er Auto fährt, Städte bewohnt, Fernreisen macht, Wohnungen heizt und Glühbirnen benutzt.
Nein, Filmemacher und Experten waren sich da nicht einig. Roland Emmerich hätte wohl zugestimmt, aber den Experten einen solchen Stuss in den Mund zu legen, war mindestens unredlich, und im Übrigen schlichtweg falsch, man konnte auch sagen: eine Lüge. Der Rest des Absatzes entsprach hingegen vermutlich den Tatsachen, denn was Herr Schulze da aufzählte, war nun einmal das, was man landläufig „Zivilisation“ nannte und mit sogenannten Klimagasen (vulgo CO2) zusammenhi
ng, und das war, wiederum im Konsens jener Wissenschaftler, die sich damit auskannten, einer der Gründe für den Klimawandel.

Der folgende Abschnitt entlarvte Herrn Schulze endgültig als einen, der entweder keine Ahnung hatte oder, schlimmer noch, eine solche sein eigen nannte, sie wider besseres Wissen aber für sich behielt:
Jeder einigermaßen kluge Kopf kann sich an einem Wochenende mit dem Hauptargument der Klimaschützer vertraut machen. In den letzten 150 Jahren hat sich der CO2-Gehalt der Luft von 0,028 auf 0,038 Prozent erhöht, also um etwa 0,01 Prozent der Atmosphäre. Auf die Frage, warum eine so winzige Menge Bedeutung haben soll, gibt uns die Chaostheorie eine fast schon volkstümliche, wegen ihrer Poesie allseits beliebte Antwort: Weil der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Taifun auslösen kann.
Wer immer wenigstes ein wenig von Chaostheorie verstand, dem war der Ausdruck des „Tipping Points“ (frei übersetzt als „Umschlagpunkt“) ein Begriff. Wenn man davon nichts wusste, dann vielleicht wenigstens Dinge wie exponentielle Funktionen und exponentielles Wachstum, wovon man als Professor für Empirische Sozialforschung wenigstens schon einmal etwas gehört haben sollte, im Vorübergehen gewissermaßen. Um solche handelte es sich hier nämlich, bei diesen „lächerlichen“ Mengen von 0,01 Prozent der atmosphärischen Gase. Mit Schmetterlingen und ihren Flügelschlägen hatte das nichts zu tun, außer man wollte den Problemkomplex als Ganzes ins Lächerliche ziehen; e
her mit natürlichen CO2-Senken und deren Erschöpfung.

95 Prozent des Kohlendioxids in der Erdatmosphäre waren nicht menschengemacht. Sie waren vielmehr der „natürliche“ Umschlag dieses Gases, freigesetzt durch Flora, Fauna und Geologie (Vulkane beispielsweise). Die anderen fünf Prozent waren das Problem, denn diese kamen von uns, durch Industrie, Verkehr und Landwirtschaft. Für die Einfachheit des Arguments sei an dieser Stelle angenommen, dass sie linear waren, also jedes Jahr mehr oder minder fünf Prozent hinzu kamen. Diese fünf Prozent sammelten sich an, denn
sie blieben in der Atmosphäre. Die natürlichen CO2-Senken, also jene Orte, in denen die „natürlich“ erzeugten 95 Prozent des CO2s endeten, waren für sie nicht ausgelegt. Wälder und Ozeane konnten nur soviel Kohlendioxid aufnehmen, irgendwann war Schluss – besonders, wenn man die Wälder nach wie vor abholzte, anstatt sie zu erhalten, aus welchen Gründen auch immer. Wenn man nun zu einem System Jahr um Jahr fünf Prozent von etwas hinzufügte, so sah das dann aus:

Das nannte
sich eine Exponentialfunktion. Herr Schulze hatte sicherlich schonmal von so einer gehört. Wenn man sich entsprechend die Entwicklung des menschengemachten Kohlendioxidanteils in der Atmosphäre dachte, war das noch der Flügelschlag eines Schmetterlings? Oder nicht eher ein Schlag mit dem Vorschlaghammer?

Auch andere Faktoren, also sozusagen andere Schmetterlinge verändern seit Jahrmillionen das Klima, wahrscheinlich sogar sehr viel mehr, aber man weiß es nicht genau. Das Klimageschehen ist komplex und weitgehend unerforscht. Das ist jedem bekannt, der sich mit der Materie beschäftigt. Trotzdem bleiben beim Klimaschutz alle Faktoren außer CO2 unberücksichtigt. Warum ist das so?
Auch hier offenbarte Herr Schulze vor allem anderen eine hervorragende Unkenntnis verfügbarer Quellen. Ja, es gab andere Faktoren. Doch, man wusste bereits einiges darüber. Ja, das Klimageschehen war komplex (man denke nur an den täglichen Wetterbericht, oder gar die -vorhersage). Und nein, es blieben nicht alle anderen Faktoren unberücksichtigt.
Zum CO2 an dieser Stelle aber erst folgendes: Kohlendioxid war einfach eines der potentesten Treibhausgase, die es in der Atmosphäre gab. Vom Wasserstoff gab es mehr, aber der stammte nicht von uns Menschen; Methan und Ozon waren stärkere Treibhausgase, aber in der Menge (noch) im direkten Vergleich verschwindend gering. Der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre hingegen entwickelte sich laut Datenlage wie folgt:
Die CO2-Konzentration in den letzten 10.000 Jahren blieb relativ konstant bei 280 ppm. Die Bilanz des Kohlenstoffdioxidkreislaufes war somit in dieser Zeit weitgehend ausgeglichen. Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre auf bislang 385 ppm (2008). In den Jahren von 1960 bis 2005 stieg der CO2-Anteil im Mittel um 1,4 ppm pro Jahr. In den 10 Jahren von 1995 bis 2005 betrug die jährliche Anstiegsrate 1,9 ppm. Einer Untersuchung des Global Carbon Projects aus dem Jahr 2008 zufolge ist in den Jahren 2000 bis 2007 der CO2-Ausstoß viermal schneller gestiegen als noch im Jahrzehnt davor.
(Quelle: Wikipedia)
Zusammengefasst: Der CO2-Gehalt stieg. Das Gas wurde von uns in signifikanten Mengen produziert. Die natürlichen Kohlenstoff-Senken konnten es nicht aufnehmen. Es akkumulierte in der Atmosphäre. Der Planet wurde langsam, aber sicher (und exponentiell) wärmer. Also warum zum Kuckuck sollte man nicht versuchen, den CO2-Ausstoß zu regulieren? Mein Gott, sogar Schulze kapierte das, wenigstens das:
Eine Antwort ist: Der Mensch kann die anderen Faktoren, zum Beispiel Sonne, Wolken, Schnee oder kosmische Strahlung, nicht beeinflussen. Was er beeinflussen kann, ist der CO2-Ausstoß - den Flügelschlag eines Schmetterlings im komplexen Klimasystem der Erde.
Yeah, und es war kein Schmetterling, sondern ein Vorschlaghammer. Also warum nicht das Ding nehmen und beiseite legen, anstatt eine Wand nach der anderen einzuhauen? Ja, warum eigentlich nicht?
Die vermessene Idee, um beinahe jeden Preis die globale Durchschnittstemperatur regulieren zu wollen, enthält drei Grundannahmen, die mir nicht einleuchten.
Erstens: Wir verursachen den Klimawandel, also können wir ihn auch wieder abstellen. Was ist in diesem Fall mit den anderen Faktoren, die eine Rolle spielen? Auch sie sind, um im Bild zu bleiben, Schmetterlinge, die mit den Flügeln schlagen. Halten die alle still, nur weil wir die Welt retten wollen?
Die Argumentation als solche war Unsinn: Welchen Sinn hatte es, das Steuer eines Wagens herumzureißen, um an einem entgegenkommenden Baum vorbeizusteuern, wenn auf den Straßen andere Fahrzeuge, Lastwagen gar, unterwegs waren, die wir nicht beeinflussen und die uns jederzeit rammen und ums Leben bringen konnten? Tja, wozu überhaupt noch handeln? Tatsache war, dass der Anstieg der CO2-Konzentration und die Realität der globalen Erwärmung wissenschaftlicher Konsens waren, und dass es Mittel und Wege gab, dagegen anzugehen. Besser als das wurde es nicht. Mehr Sicherheit konnte man nicht erlangen, und nur deshalb gegen eine erkannte Gefahr nicht vorzugehen, weil es noch viele andere gab und diese vielleicht auch ihre Finger im Spiel hatten, war Unsinn. Es war sogar mehr, es war zutiefst fahrlässig. Und auch für fahrlässige Tötung konnte man in den Knast gehen.
Zweitens: Wer die Klimaerwärmung seit Beginn der Industrialisierung pathologisch nennt, muss eine Vorstellung davon haben, was normal ist. Was ist ein normales Klima? Diese Frage muss offenbleiben, denn normal ist nur eines: Das Klima ändert sich fortwährend. Seit Jahrmillionen, auch ohne menschengemachtes CO2.
Auch das war so irrelevant, wie es richtig war. Sicherlich änderte sich das Klima fortlaufend. Im Devon-Zeitalter war es lauschig warm, im Pleistozän eher kalt. Im einen von beiden zu leben würde allerdings keinen großen Spaß machen. Der Verweis auf natürliche Klimavariation war Unsinn, denn um diese ging es hier nicht: Es ging vielmehr um die Möglichkeit, 6,8 Milliarden Menschen recht und schlecht überleben zu lassen, und wenn man diesen Ansatz zugrundelegte, dann nützten Klimavarianz und Konsorten gar nichts, dann musste man zusehen, dass der Meeresspiegel bleib, wo er war, im Großen und Ganzen zumindest, und genügend Nahrung zur Verfügung stand (was schon wieder ein ganz anderer und ebenso schlimmer Problemkomplex war). Aber so zu tun, als könne man sowieso nichts machen, war wiederum nichts Anderes als fahrlässig oder zumindest faul, und von beidem hatte keiner was, nicht einmal der Faule selbst.
Drittens: Trotz aller Freiheiten, die das Klima sich nimmt, haben viele Klimaschützer einen ganz bestimmten Bezugspunkt, und das ist die Zeit vor Beginn der Industrialisierung. Damals, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, endete in Europa die vorläufig letzte Kaltperiode, die sogenannte Kleine Eiszeit. An ihr scheiterte die Expedition Sir John Franklins auf der Suche nach der Nordwestpassage, von ihr erzählt die Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts. Sie sorgte in ganz Europa für Hunger und Not. Die Winter waren lang und kalt, die Sommer verregnet, die Ernten schlecht. Vor dieser Eiszeit begünstigte eine lang andauernde Warmzeit die Geschicke Europas. Sie brachte eine nie da gewesene kulturelle und wirtschaftliche Blüte, sie erlaubte bis in den hohen Norden hinauf den Weinbau und andere Annehmlichkeiten. Würden Klimaschützer diese Warmzeit in ihr Normalitätsmodell mit einbeziehen, hätten wir kein Problem. Es wäre nicht wärmer, als es schon einmal war, und niemand müsste sich Sorgen machen.
Die Kleine Eiszeit als globale Erscheinung war mittlerweile umstritten, umstrittener jedenfalls als die globale Erwärmung. Wen es genauer interessierte, der mochte auf Wikipedia nachlesen (>>). Aus der Perspektive der Nordhalbkugel war wärmer sicherlich ganz toll: Wein für alle, schneefreie Winter und Kulturelle Blüten! Wie großartig. Was Herr Schulze geflissentlich ausblendete, waren die vorliegenden Daten, die als solche nicht disputabel waren:
Seit wenigstens 650.000 Jahren lag der Anteil jedoch immer unterhalb von 280 ppm. Die CO2-Konzentration in den letzten 10.000 Jahren blieb relativ konstant bei 280 ppm. Die Bilanz des Kohlenstoffdioxidkreislaufes war somit in dieser Zeit weitgehend ausgeglichen. Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre auf bislang 385 ppm (2008).
(Quelle: Wikipedia)
Das CO2 war da. Sein Anstieg fiel mit der Industrialisierung zusammen. Es wurde mehr. Wir kannten den verdammten Mechanismus des Triebhauseffekts, und man konnte extrapolieren, wie sich die Temperaturen verändern würden. Das bedeutete nicht nur Wein in Schweden, es bedeutete auch schmelzende Gletscher, schmelzendes Eis an den Polarkreisen, auftauende Tundra-Permafrostböden, freigesetzt werdendes Methan (ein Treibhausgas, gegen das CO2 ein billiger Witz war), steigende Meeresspiegel, all solche Dinge. Aber Hauptsache, Europa hatte es warm und gemütlich. Mir fehlten die Worte angesichts solcher Unverfrorenheit.

Der von den Klimaschützern erwartete dramatische, unheilvolle, katastrophale Klimawandel beruht auf Prognosen, Computersimulationen und einer selektiven Auswahl von CO2-Messwerten, wie Kritiker ebenfalls beklagen.
Worauf sollten sie denn sonst beruhen, Himmelherrgott? Sollten wir warten, bis die Hütte unbestreitbar brannte, bevor wir uns Gedanken über die Feuerwehr machten? Benutzten Sie Ihr Hirn, Schulze! Es befand sich vermutlich irgendwo zwischen Ihren Ohren!
Mithilfe solcher spekulativen Daten wird dann zum Beispiel vorausgesagt, dass die Malediven demnächst im Meer versinken. Aktuell sind sie jedoch nicht vom Untergang bedroht, da der Meeresspiegel viel geringfügiger ansteigt als vorausgesagt. Auch der Klimawandel selbst macht seit einigen Jahren eine Pause, es wird nicht mehr wärmer.
Wieder das gleiche: Weil ich es jetzt nicht sehen kann, wird es auch in der Zukunft nicht eintreten. Das war lineares Denken, und es war einer der größten denkbaren logischen Kurzschlüsse. Was kümmerte mich die Sintflut morgen! War doch hier und jetzt noch alles in Ordnung mit dem verdammten Ding! Die Malediven gingen jetzt nicht unter, also würden sie es auch morgen nicht tun. Wer wollte einer solchen Logik widersprechen?
Das Argument mit der angeblichen Pause des Klimawandels war hingegen schon so oft wiedergelutscht worden, dass man annehmen sollte, inzwischen hätte sich herumgesprochen, dass nichts daran war. Aber als Strohmannargument diente es offenbar noch immer vorzüglich. Die vollständige Widerlegung des Pseudoarguments gab es hier auf RealClimate (>>).
Trotz aller berechtigten Zweifel an der Idee des Klimaschutzes findet ein Diskurs nicht statt. Aber wie lange noch lässt sich eine Diskurskultur fortführen, in der Skepsis beschimpft und offen gefragt wird, ob Demokratien überhaupt geeignet sind, den Herausforderungen des Klimaschutzes zu begegnen?
Die „berechtigten Zweifel“ waren, wie wir gesehen hatten, unberechtigt. Ein Diskurs fand statt: ein Blick in die entsprechenden Journals und Veranstaltungen sollte genügen, um das zu erkennen. Skeptiker wurden nicht beschimpft, sondern durften offenbar sogar in der WELT publizieren. Und die Frage nach der angeblichen Eignung oder Nicht-Eignung von Demokratien war reine Augenwischerei, dazu gedacht, den Diskurs aus dem Bereich wegzunehmen, wo der Autor Schulze verlieren musste, nämlich dem Reich der Fakten, und ihn ins wertend-politische zu überführen, wo man weiterhin hervorragend um den heißen Brei reden konnte. Kein Klimaforscher forderte eine Klima-Diktatur, und nicht einmal der kleine Mann auf der Straße. Das war alles, was es zu diesem Phantasiegebilde Schulzes zu sagen gab.

Ich kürzte nun ein bisschen ab, neue Argumente von Seiten Herrn Schulzes kamen sowieso nicht mehr. Er endete schließlich mit den pathetischen Worten:
Wir sind die Geldgeber, und wir sind das Volk. Und je mehr auf dem Spiel steht, je mehr man uns abverlangt, desto mehr sind alle Beteiligten, also Wissenschaftler, Politiker und ihre Wähler zum Diskurs verpflichtet. Dieser findet jedoch nicht statt. Noch tragen wir brav alle Anstrengungen mit, aber die Anzeichen verdichten sich, dass wir unser gutes Geld für eine fixe Idee ausgeben. Es spricht alles dafür, dass das Klima bleibt, was es immer war: ein sich selbst regulierendes System.
Ach wie hehr, und ach wie edelmütig. Nochmal: der Diskurs fand statt (beispielsweise hier (>>) ). Auf Politiker und Wähler zu verweisen, hatte wenig Sinn, denn das Problem gestaltete sich insgesamt folgendermaßen: Die Wissenschaft stellte fest, anhand der wissenschaftlichen Methode (>>), die das Beste war, was wir hatten und jemals gehabt hatten, dass die Temperatur stieg. Global. Ebenso wie der CO2-Gehalt der Atmosphäre. Sie überlegte sich, was das bedeuten und nach sich ziehen könnte, und die Folgen waren nicht so toll (siehe oben). Also schlugen sie Alarm, wie der Hahn auf dem Mist. Aufgabe erledigt. Das war es, wozu Wissenschaft da war: die Realität zu untersuchen und systematische Zusammenhänge zu erkennen. Sie war nicht da zum Kaffeekochen, nicht zum Wäscheaufhängen und auch nicht für die politischen Entscheidungen. Sie war dazu uns zu sagen, wie die Realität möglicherweise aussah und was auf uns zukam. Für die Entscheidungen waren wir zuständig, das Volk, und die Flaschen, die wir gewählt hatten. Was aber machten die und wir? Wir führten folgende Diskussion:
„Ach nö, die ist ja scheiße, die Vorhersage. Die stimmt doch sicher eh nicht“, „Mein Onkel/Schwippschwager/Freund eines Freundes meint, dass das sowieso nicht stimmen kann (eigentlich: darf)...“, „Und dann nich mehr Auto fahren oder was?“, „Belastungen der deutschen Industrie sind mit mir nicht zu machen“, und so weiter und so fort.
Sicherlich, wir konnten uns dafür entscheiden, und falsch zu entscheiden. Scheiß aufs Klima, scheiß auf den Rest der Welt, war ja alles nicht erwiesen (wenn man sich dafür entschied, die Fakten zu ignorieren), Rotwein für alle, auch in Schweden, und weiter wie bisher! „Nach uns die Sintflut!“ – und vermutlich ahnte wieder mal keiner, wie Recht er oder sie damit letztendlich haben würde...
Das Klima war nämlich ein selbstregulierendes System, sicherlich - nur leider nicht mit einem anthropozentrischen Balancepunkt. Auch zu Zeiten der Dinosaurier war es hier auf Erden gemütlich - für die Dinosaurier.

Artikel wie dieser Essay Gerhard Schulzes leisteten einen wertvollen Beitrag zu dieser sich der Realität verschließenden Realitätsauffassung (>>). Im Nachgang muss man jedenfalls feststellen: Herr Schulze hatte sich entweder
a) einen Scheißdreck um das Eruieren der vorliegenden Fakten gekümmert, dann ließ er jegliche Sorgfaltspflicht vermissen, um ein Tendenzstück zu konstruieren, oder
b) die Fakten zwar erkannt, sich aus persönlichen oder politischen Gründen jedoch dafür entschieden, sie zu ignorieren und das Gegenteil zu propagieren.
Beides war, gelinde gesagt, unlauter und unverantwortlich. Schulze hatte einen einzigen Strohmann-Artikel geschrieben, und kaum eines seiner "Argumente" entsprach der Wahrheit, er drehte sie nur immer so, wie er sie gerade brauchte. Verdummung war für diesen Essay noch gar kein Ausdruck. Aber er stand ja auch in der WELT.

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Sonntag, November 22, 2009

Verdummungswarnung: Klimawandel noch nicht abgesagt

Ich hatte echt die Schnauze voll, aber so richtig. Man konnte langsam ein eigenes Blog aufmachen, um die Verzerrungen des SPIEGEL zu beobachten *), aber ich wollte verdammt sein, wenn ich es wäre, der sich mit der ganzen Scheiße herumschlug.

Seit einigen Tagen bemühte sich der SPIEGEL auffällig, den Klimawandel zu leugnen, hier (>>) und hier (>>) beispielsweise. Der erste Artikel behauptete, dass der Klimawandel Pause machte - was es hingegen war, war eine Fehlinterpretation und Vorauswahl der vorliegenden, fehlerhaften Daten, beispielhaft erklärt hier (>>), auf RealClimate.org (>>). Der andere war quasi ein offenes Forum für Leugner des Klimawandels. Gut, auch die brauchten Publicity. Sie mussten das Geld der Strom-, Öl- und Autokonzerne ja irgendwie verdienen. Aber auch dieser Artikel war ein reines Strohfeuer, dem hier (>>) der Wind aus den Segeln genommen wurde. Wenn man keine Ahnung von Wissenschaft hatte, musste man einfach mal einen fragen, der sich damit auskannte, bevor man seine Tendenzartikel schrieb; und wenn man Ahnung hatte und trotzdem so einen Mist verzapfte, na, dann war ja klar, wes Geistes Kind man war.

Der SPIEGEL hatte eindeutig seine Agenda: Er war immmer mehr ein neoliberales Kampfblatt, für den status quo und ansonsten gegen alles, und von wem er sein Geld bekam, wurde mit jedem Tag eindeutiger. Man musste sich nicht einmal mehr die Anzeigen anschauen, um das herauszukriegen.

Die ganze Angelegenheit mit dem Datenklau auch noch einmal hier (>>), auf Telepolis, wenn man auf englische Webseiten keine Lust hatte.

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*) Für die BILD-Zeitung gab es sowas ja schon (>>). Und für den SPIEGEL wurde es langsam höchste Zeit.

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Freitag, November 20, 2009

Alte Links, noch immer aktuell

Es war erstaunlich, was ich alles bookmarkte (Achtung, Neudeutsch) - und noch erstaunlicher war, was ich alles gebookmarkt (dito) und danach nicht nochmal gelesen hatte.

Wenn ich mich diesem ganzen alten Krempel dann aber nochmal zuwandte, dann sprossen die Ideen wie die Blümchen im Mai. Die nächsten Tage und Wochen konnten interessant werden hier auf dem Blog, wenn ich die Zeit dazu fand.

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Der (Denk-)Fehler im System

Es gab eine Sache, die begriff ich nicht. Ich konnte mich auf den Kopf stellen wie ich wollte, grübeln, bis mir die Birne rauchte, nüchtern oder stockbesoffen sein, für mich allein oder in heißer Diskussion mit Freunden oder Feinden, aber diese eine Sache ging mir nicht auf. Ich war, so dachte ich, nicht blöd – vielleicht nicht unbedingt ein Genie, aber auch nicht zu blöd, um mir die Schuhe zu binden, meinen Haushalt selbst zu führen und mein Leben irgendwie auf die Reihe zu kriegen, im Großen und Ganzen. Also ein ganz normaler Typ, und als solcher verstand ich es nicht:

Warum sägte der kleinere Teil unserer Gesellschaft so eifrig an dem Ast, auf dem er ganz komfortabel saß?

Nein, die Rede war hier nicht von den Hartz-IV-Empfängern, die sowieso schon am Arschloch unserer Gesellschaft angekommen waren, von all jenen biertrinkenden, faulen, vaterlandslosen Gesellen, die ja schon könnten wenn sie wollten, nicht wahr, Herr Baron? Nein, ich meinte das andere Ende der Skala, jene Menschen in unserem Land, die hervorragend gebettet waren und ohnehin schon genug hatten, den Hals aber offenbar noch immer nicht voll genug bekommen konnten und gerade dabei waren, sich so richtig zu verschlucken – und das Heimlich-Manöver, dass da am noch Ende noch retten konnte, musste erst noch erfunden werden.

Wir waren zu dieser unserer Zeit die Zeugen einer großen Spaltung: in jene, die immer mehr, und die anderen, die immer weniger hatten. Die letzteren waren die Habenichtse, deren Zahl immer mehr zunahm; die anderen waren die oberen Zehntausend, denn sehr viel mehr würden sie am Ende, wenn das Spaltungs-Spiel bis hin zur letzten Konsequenz gespielt war, auch nicht sein. Dem Spiel zugrunde lag eine Ideologie, ein Denksystem, das die Hirne und Herzen der Menschen erobert und vergiftet hatte. Es nannte sich „Profit“ oder einfach nur „Mehr“, oder, wenn man es komplizierter haben wollte, landläufig „Neoliberalismus“. Es bedeutete, dass auf alle Regeln, die ein gemeinsames Miteinander in der Gesellschaft möglich machten, sukzessive geschissen wurde; dass Dinge, die einmal allen gehörten, nun wenigen gehören sollten, die mit diesem Besitz dann den anderen das Geld aus der Tasche angelten; und dass es ein gemeinsames Interesse nicht mehr gab, sondern nur noch die Interessen der einzelnen. In letzter Konsequenz waren diese Interessen der einzelnen natürlich dann die Interessen jener, die die Kohle hatten.

Ich dachte also wirklich angestrengt hierüber nach, und ich versuchte, mich auch in die Rolle jener zu versetzen, die da profitierten – man musste die Welt ja auch mal durch die Augen seiner (moralischen) Feinde zu betrachten versuchen. Naja, eines war sicher: Jene Menschen waren der Sphäre der banalen Notwendigkeiten längst enthoben – wenn man ein Vermögen von 13+x Milliarden Dollar sein eigen nannten, wie es beliebigerweise herausgegriffen die Otto-Familie tat (>>), dann musste man sich über Alltäglichkeiten keine Gedanken mehr machen. Man bewegte sich in anderen Dimensionen, man hatte vermutlich andere Bewertungsmaßstäbe, zuerst für andere, vor allem aber für sich selbst. Geld verlor den Charakter einer (Lebens-)Notwendigkeit (irgendwie mussten die Rechnungen ja bezahlt werden, nicht wahr?), es wurde zu einem Code, der direktes Feedback über den eigenen Lebenserfolg hab, ganz nach dem Vorbild des seligen Calvinismus und seiner Arbeitsethik (>>). Und um immer erfolgreicher, immer wertvoller, immer besser zu sein, für alle zu sehen, brauchte man natürlich mehr von dem, was dem Code zugrunde lag – also mehr Geld. Woher nehmen und nicht stehlen? Natürlich von den anderen, die (noch) welches hatten, womit wir bei der heutigen, aktuellen Situation unserer Gesellschaft angekommen waren.

Und jetzt zurück zur Frage: Warum machten sie es?

Sie hatten doch kange Jahre gut gelebt, auch im sogenannten „Rheinischen Kapitalismus“. Sicherlich, 25 Prozent Rendite waren das nicht gewesen, aber naja, unter Freunden, und wenn man sowieso schon ein paar Milliönchen auf der Kante hatte... Sie waren oben, die anderen waren unten, in paar in der Mitte, und alle jene hatten gedacht, dass sie es ja vielleicht bis oben schaffen konnten, vielleicht... Das System war in der Balance gewesen, bis, ja bis die Ideologie und der Code sich änderten.

Dabei war der Code die eine Sache, das Untergraben der Grundlagen der eigenen Existenz eine ganz andere. Je mehr Geld man hatte, umso mehr musste man, natürlich, zuerst von anderen genommen haben. Tatsächlicher Wert entstand ja nicht aus dem Nichts, außer an der Börse; wenn man allerdings von anderen nahm, hatten die immer weniger. Solidarität wurde kleingeschrieben, warum sollen wir (Besserverdienende) für euch zahlen? Also zum Teufel mit Sozialhilfe und Arbeitslosengeld; zum Teufel mit Arbeitgeberanteilen, gleicher Medizin für alle, also wirklich, warum sollen wir die Unterschicht finanzieren? Ja, warum?

Dabei ging es nicht in erster Linie um Finanzierung, egal von wem. Es ging darum, dass ein unmenschlicher Code unsere Gesellschaft unterwandert hatte. Unmenschlich deshalb, weil er mit dem Menschen nichts zu tun hatte – einen Menschen konnte man nicht auf einen Euro-Wert reduzieren, egal, wie sehr manche das auch versuchten. Es ging um ganz andere, augenscheinlich viel kleinere und tatschlich viel größere Dinge als das – um ein menschenwürdiges Leben, gerechte Chancen, soziale Gerechtigkeit, ein Begrenzen des Auseinanderklaffens zwischen ganz oben und ganz unten (die ganz oben konnten ihr Geld sowieso nicht ausgeben), um eine Gesellschaft, die ihren letzten noch so behandelte, dass es dem ersten nicht zur Schande gereichte. Sicher, manche nannten das „utopisch“ oder „sozialromantisch“ oder einfach nur „links“, und deshalb waren wir auch in dieser Situation. Ich nannte es gesunden Menschenverstand. Wir hatten (oder taten jedenfalls so) zu dieser Zeit nur noch das Geld als Messinstrument *), und alles, was nicht in Geld, auf Heller und Pfennig, messbar war, fiel unter den Tisch. „Zahlen | Nicht zahlen“ war laut Luhmann die Leitdifferenz der Geschäftswelt, die alle anderen Welten vereinnahmt hatte, und so wenig ich von Luhmann als Theoretiker hielt, so musste ich ihm bei diesem dennoch zustimmen: Wer nicht mehr zahlen konnte in unserer Welt, der war draußen.

Und jetzt endlich zum Fehler, der eigentlich ein ganz offensichtlicher war: Wer andere Menschen an die Wand drückte, der kam vielleicht einige Zeit damit durch, vielleicht sogar sehr gut. Aber je mehr andere er ausgrenzte, abzog, marginalisierte, desto größer wurden der Groll, die Wut und am Ende die Rache. Mein Gott, die Sozialgesetzgebung war unter Bismarck aus keinem anderen Grund eingeführt wurden, als die Arbeiter im Zaum und befriedet zu halten (>>); nun wurde all das in den Gully gekehrt, die Tricks des großen konservativen Lehrmeisters selbst, weil man dachte, den anderen Menschen noch mehr zumuten zu können – und vielleicht konnte man das, vielleicht sogar noch einige Zeit, aber am Ende wäre irgendwann die Grenze erreicht, und dann half vielleicht kein Geld mehr, dann war der Code am Ende, dann war alles am Ende – das Geld, der Code, die oberen Zehntausend und das ganze System, das ihnen bei ihren Raubzügen zu Diensten gewesen war. Und dann würde eine andere Zeitrechnung beginnen; ob sie besser werden würde, das stand in den Sternen (und eine Menge Wolken waren am Himmel). Ein geteiltes Haus jedenfalls konnte nicht stehen, das war die eine Sache, die so sicher war wie das Amen in der Kirche.

Die Frage aber, die ich nicht beantworten konnte, die lautete:
Warum sägten diese Idioten an ihrem eigenen Ast?

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*) Interessant: andere Bemessungsgrundlagen für den Zustand der Gesellschaft als Geld allein – Joseph Stiglitz et al. Im Bericht an den französischen Präsidenten (>>).

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Donnerstag, November 19, 2009

Verdummungswarnung: Alles diskutiert die SZ, nur das Gerücht selbst nicht

Gerade erst geschaffen, ging mir diese Rubrik schon wieder auf den Geist: Es wurde so viel verdummt, dass ich zu gar nichts anderem mehr kam. Jetzt war die Süddeutsche Zeitung an der Reihe, mit diesem vordergründig nachdenklichen Artikel (>>).

Es ging darin um die Frage, wann, und wenn ja, wie man über das Privatleben von Politikern, in diesem Fall Lafontaine, berichten durfte. Nico Fried dachte hin und her, um manche Ecke und wieder zurück, und kam dann zu dem Ergebnis, dass... Ja, was denn eigentlich? Ach ja, dass das Argument, dass Privates berichtet werden durfte, wenn es politische Folgen hatte, eine Krücke sei, deren Stabilität davon abhing, wie stark man sich darauf stützte. Was für ein Satz. Letztlich läge die Entscheidung beim Journalisten. Es sei seine Freiheit und seine Verantwortung.

Das war ja soweit ganz toll. Was Nico Fried allerdings auch schrieb, waren Absätze wie dieser:
Der Fall Lafontaine hat nun eine besondere Note bekommen, weil der Linken-Chef mittlerweile eine Krebserkrankung öffentlich gemacht hat. Das lässt den Artikel über sein Privatleben peinlich erscheinen, obgleich der Vorwurf in diesem speziellen Punkt ungerechtfertigt ist, weil ja das eine das andere nicht widerlegt.
Na, merkte man da was? Lafontaine hätte "mittlerweile" eine Krebserkrankung öffentlich gemacht. Der vorher bereits geschriebene Artikel, der ihm eine Affäre anhängte (und über den ich schon genug geschrieben hatte, zum Beispiel hier (>>)) war also peinlich. Er sei aber durch den Krebs nicht widerlegt worden. Nicht widerlegt? Augenblick mal!

Der Artikel der SPIEGEL-Schmierer musste nicht widerlegt werden, denn er war gar nicht bestätigt. Die Nullhypothese galt, bis die Alternativ-Hypothese bestätigt war, oder umgangssprachlich: Im Zweifel für den "Angeklagten". Wenn irgendeiner in der Schmierenbrigade einen Beleg für eine wie auch immer geartete persönliche Liebesbeziehung hatte, dann her damit. Aber den hatten sie nicht. Was sie hatten, war ein politisches und monetäres Ziel, politisch deshalb, weil sie die LINKE offenbar nicht mochten, und monetär, weil sie für ihren Unfug ja wahrscheinlich bezahlt wurden. Aber einen Beleg gab es offenbar nicht, sonst hätten wir den mittlerweile schon alle gekannt.

Was machte Nico Fried hier also? Er tat implizit so, als sei an dem Gerücht was dran und die Affäre existent, denn das eine widerlegte das andere ja nicht, und wer Krebs hatte, hatte ja vielleicht genau deswegen auch gleich noch eine Affäre, Torschlusspanik sozusagen.
Was man Herrn Fried vorwerfen konnte, war auf jeden Fall sprachliche Ungenauigkeit, gerade soviel Unschärfe, dass implizit das Unausgesprochene gestärkt wurde - und das war, soviel musste man der SZ lassen, auf jeden Fall schonmal um Welten eleganter als alles, was der SPIEGEL in den letzten Wochen und Monaten zustande gebracht hatte. Chapeau!

Und selbst wenn an all den Gerüchten etwas dran gewesen wäre, es hätte mich nicht interessiert. Alle Vorwürfe der Wählertäuschung liefen ins Leere, und das auf eine Weise, die sich all jene, die nun Zeter und Mordio schrien, wohl nicht vorstellen konnten. Ich hatte die LINKE gewählt, und ich hatte das nicht getan, um Oskar Lafontaine in Berlin als Fraktionsvorsitzenden zu sehen, auch wenn das schön gewesen wäre. Ich hatte es getan, weil ich nach wie vor an Dinge wie Solidarität, Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und an die Gestaltungsmacht des Staates und seines Souveräns, also uns, glaubte. Wer immer die Kärrnerarbeit im Bundestag machte, war da nebensächlich.

Aber solche Dinge wie Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und so weiter waren für das Personal mancher Zeitungen wohl so etwas wie ein Buch mit sieben Siegeln. Und nicht nur für jene.

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Mittwoch, November 18, 2009

Verdummungswarnung: Was man nicht sieht, das gibt es nicht

Kaum zu glauben, aber wahr: Unter dem Link, unter dem gestern noch der politische Rufmord an Lafontaine zu finden war, hatte der SPIEGEL nun diesen Artikel gepostet (>>) - der eine weitere Abrechnung mit dem Politiker und Menschen Lafontaine war, natürlich, der nun aber Textstellen wie diese nicht mehr enthielt:
Die Kommunistin Sahra Wagenknecht, intime Kennerin von Lafontaines Positionen und nicht nur in Streikfragen mit ihm auf Augenhöhe, verlangt wie er regelmäßig französische Verhältnisse.
Ha ha ha, ein Schenkelklopfer sondergleichen. Dass solche Epistel nach der aktuellen Nachrichtenlage nicht mehr opportun waren, war nun offenbar sogar Markus Deggerich und seinen Kumpanen aufgefallen.

Man konnte dem SPIEGEL nur Glück damit wünschen,
die eigene track record zu fälschen - am Ende kämen ihm ansonsten noch Leser anhanden! Also sowas.

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Last Man Standing: Politische Gestaltungsmacht vs. gelebte Ohnmacht

No peace for the wicked: Die Meinungsmache ging ordentlich weiter, jetzt wieder im stern, worauf ja auch schon Albrecht Müller selbst auf den Nachdenkseiten hingewiesen hatte (>>).

Den stern-Artikel gab es hier (>>): In ihm demontierte ein gewisser Tilman Gerwien die Präsentation von "Meinungsmache" letzten Donnerstag hier in Berlin (>>). Vielleicht war das Ganze witzig oder ironisch gemeint, immerhin lief es unter der Überschrift "Abwasch der Woche", die sowas implizieren konnnte; das entzog sich meiner Kenntnis. Da der kurze Text aber viele Tatsachen vollkommen verdrehte und sämtliche Teilnehmer außer Hans-Ulrich Jörges als realitätsfremd darstellte, war eine Antwort fällig.

Das Publikum war sich laut Gerwien einig mit Müller und Lafontaine, ewig Gestrige, die zurück in die siebziger Jahre wollten, eine Zeit, da alles besser gewesen sei:
Die Renten waren sicher, die Bundeswehr blieb in ihren Kasernen (andere vergossen im Zweifel ihr Blut für unser Öl), der öffentliche Dienst war fett und im Fernsehen gab es nur drei Programme, ab 23.00 Uhr hieß es: Ab in die Heia, aber ganz schnell, da kam nämlich nur noch das Testbild.
Ich fragte mal provokant: und? Wo war das verdammte Problem hierbei? Seien Sie mal nicht so wählerisch, Herr Gerwien, Ihr Bild der "alten Bundesrepublik" war unvollständig. Es war außerdem die Zeit, da nationale Politik noch etwas beschließen und bewirken konnte; da die Menschen noch nicht von Existenzangst bedroht in beschissenen "Jobs" ausharrten; da die gesellschaftliche Ideologie in Zeiten des sogenannten "Rheinischen Kapitalismus" noch nicht "Mehr, mehr, mehr!" lautete oder "Geiz ist geil", und da es, dem Hörensagen nach wenigstens, auch noch so etwas wie Anstand und Moral in den höheren Etagen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gegeben haben soll, ab und an zumindest. Eine Scheißzeit, nicht wahr? Heute war alles besser, der Rubel rolllte, und wenn er weiter brav das berichtete, was von ihm erwartet wurde, dann rollte er vielleicht sogar zu Herrn Gerwien und rieb sich zutraulich an seiner Wange.
Aber das war ja nichtmal das eigentliche Problem, weder das Personal beim stern, noch der dämliche Rubel.

Denn was erstaunlicherweise während der Veranstaltung nicht in den Kopf von Jörges und später offenbar nicht in den Kopf von Gerwien wollte, war, dass das Publikum vielleicht Recht gehabt haben könnte. Noch auf der Veranstaltung posaunte Jörges immer wieder vom Podium, "die Leute sind nicht so dumm wie Sie [angeblich] denken", aber das Publikum der Veranstaltung war ihm offensichtlich zu dumm. Es erkannte seine Weisheit nicht und sah offenbar nicht ein, sich irgendwelchen postulierten Sachzwängen zu beugen zu müssen, wenn man die Gegenwart und Zukunft auch anders gestalten konnte.

Wofür Lafontaine als weiterer Teilnehmer der Diskussion in meinen Augen stand, war, dass er als einer der letzten auf Bundesebene tätigen Politiker noch an so etwas wie die Gestaltungsmacht des Staates glaubte. Er war kein Getriebener, er war kein Erfüllungsgehilfe irgendwelcher Sachzwänge, und er hatte sich, jedenfalls meiner bescheidenen Meinung nach, nicht dem blinden Wirtschaftsglauben und den mit ihm einhergehenden "Werten" (absichtlich in Anführungszeichen gesetzt) unterworfen.

Und tatsächlich hatte er Recht: Letztendlich entschied der Souverän in seiner Gesamtheit, wir alle, wie wir leben und welchen Götzen wie dienen wollten, und nicht jene, die sowieso schon am Besten dastanden qua Milliardenvermögen, Medienbesitz, Managerpositionen mit goldenen Fallschirmen etc. pp. Naja, so sollte es wenigstens sein. Mit Realitätsverweigerung hatte das nichts zu tun, und auch nicht mit einer Rückreise in die siebziger Jahre, wie es offenbar Jörges und Gerwien schien - eher damit, dass wir die Realität, in der wir leben, gestalten konnten und noch immer wollten.

Dafür standen Albrecht Müller als Mahner und besonders Oskar Lafontaine als Politiker, jener gewissermaßen als "last man standing". Ich hoffte ehrlich, dass er in der Lage sein würde, diesen seinen Mann noch etwas länger zu stehen. Denn der Glaube an die tatsächliche und noch immer vorhandene Gestaltungsmacht des Staates war es, der uns bitter fehlte; er war das Gegenteil zu dem, was in den letzten elf Jahren unter Rot/Grün und Schwarz/Rot geschehen war und jetzt unter Schwarz/Gelb wohl weiter geschehen würde. Diese Nachlassverwalter des demokratischen Staates verkörperten nichts weiter als gelebte Ohnmacht, ohnmächtig in ihren Rollen, in denen sie eigentlich Handelnde und Gestaltende sein sollten, in unser aller Interesse, und doch allzu oft nichts Anderes waren als Diener des Geldes und der Sach- und Gewinn"zwänge", die man ihnen ins Ohr gesetzt hatte.

Wir brauchten wieder Politiker, die zu uns allen sprachen. Das war ein kaum noch bestelltes Feld.

- - - - -
Herzlichen Dank an Margareth Gorges (>>) für die Motivation zu diesem Post.

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Mein ursprünglicher Bericht über die Präsentation fand sich übrigens hier (>>).

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Und das Video der Veranstaltung, heute von den NDS hochgestellt, hier (>>).

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Verdummungswarnung: Der SPIEGEL setzt weiter auf tote Pferde

Oskar Lafontaine war an Krebs erkrankt, und alle berichteten darüber - wenn auch die meisten distanziert und matter-of-fact (eine Ausnahme war der stern (>>)). Auch der SPIEGEL sah sich gezwungen, die Fakten anzuerkennen, mehr als das jedoch nicht: Noch im Artikel über Lafontaines Krankheit (>>) wurde das Gerücht einer Beziehung zu Sahra Wagenknecht gleich wiederholt:
Lafontaines Erklärung kommt kurz nach einem Bericht des SPIEGEL, zu dem er sich vergangene Woche vor Drucklegung nicht äußern wollte und der an diesem Montag zu einem Krisentreffen von führenden Linken in Berlin führte. Nach Informationen des SPIEGEL wurden in der Parteispitze andere Gründe für Lafontaines Rückzug ins Saarland diskutiert: Lafontaine sei seiner Parteigenossin Sahra Wagenknecht nicht nur inhaltlich näher gekommen, hieß es, von einem Verhältnis sei die Rede. Daher habe er sich auf Druck seiner Ehefrau vom Vorsitz der Bundestagsfraktion in Berlin zurückgezogen.

Das Ehepaar Lafontaine und sein Parteikollege Gregor Gysi wollten zu den Gerüchten keine Stellung nehmen, Wagenknecht dementierte eine private Beziehung.
Wieder: Konkrete Quellen wurden nicht genannt, zu Nachfragen würde "keine Stellung genommen", als sei irgendein Mensch verpflichtet, solchen Humbug, egal ob wahr oder unwahr, auch noch zu kommentieren - hier wurde versucht, noch über den Krebs hinaus die Stellung eines unangenehmen Politikers weiter zu beschädigen. Wenn man die Lüge nur lange genug wiederholte, dann setzte sie sich auch fest - das schien mir die Hoffnung dieser Lohnschreiber zu sein. Ein Genesungswunsch an den Menschen Lafontaine übrigens? Fehlanzeige.

Das Schmankerl am Rande: Auch diesen Artikel verfasste federführend - Markus Deggerich. In Sachen Rufmord musste man sich diesen Namen merken. Slander, anyone?

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Dienstag, November 17, 2009

Lafontaine hat Krebs, wird gemobbt

Das (den Krebs) berichtete zumindest die SZ (>>). Na toll. Ich erinnerte mich an ein Zitat meines Deutschlehrers aus gefühlt vorgeschichtlicher Zeit:
Du lebst, und einer wie Goethe musste sterben.
Oskar Lafontaine hatte Krebs, und Merkel war Bundesmatrone und Schröder arbeitete über eine Ecke für einen lupenreinen Demokraten.
Manchmal war das Leben wirklich zum Kotzen.

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Das Schmierentheater, das dieser Meldung vorausging, konnte man übrigens beim Spiegelfechter (>>) und dem Oeffinger Freidenker (>>) bewundern. Mir fehlten die Worte. Wer jetzt noch SPIEGEL-Leser war, kaufte auch bald keinen mehr.

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Der bodenlose Tendenzartikel des SPIEGELS, verfasst von den Herren Stefan Berg und Markus Deggerich, fand sich übrigens hier (>>), auch wenn er bei SPON dann ganz schnell in den hinteren Schubladen verschwunden war.

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Warum kein Journalismus mehr stattfindet

Ich beklagte es oft, und (formalige) Leitmedien wie der SPIEGEL und sein Ableger SPON, die Süddeutsche Zeitung, die taz, die Zeit, die FAZ und wie sie alle hießen gaben alle mehr oder minder Exempel für die Situation ab, die ich da bedauerte: Richtiger Journalismus fand kaum noch statt. Zeitungen, die ich hier vergessen hatte, standen nur aus Mangel an Lust nicht hier: Die meisten von ihnen konnte man in denselben Sack stecken und zumachen, so schlimm war die Lage.

Was meinte ich mit richtigem Journalismus?
Zum Teufel, einfach, dass Dinge und Behauptungen und Versicherungen und Entwicklungen kritisch begleitet und, wo nötig, auch hinterfragt wurden, dass sich einer auf seinen Hosenboden setzte und recherchierte, dass den Dinge auf den Grund gegangen und nicht nur die immer selben Presse- und Agentur-Meldungen wieder und wieder wiedergekäut wurden. Vielleicht war ich blauäugig, aber gemäß der Auffassung von Journalismus als der vierten Gewalt (>>) im Staate durfte man auch ein paar Ansprüche haben, fand ich. Aber wie es aussah, hinterfragte keiner mehr, keiner kontrollierte; Pressemitteilungen wurden unkommentiert abgeschrieben, Gewäsch von Think Tanks und Vereinigungen gleich welcher Couleur kritiklos wiedergegeben (solange es nicht etwa von Links kam, denn Links war böse, Links besaß nicht das Geld), und die Politik konnte oftmals machen, was sie wollte - nicht immer, so weit waren wir noch nicht, aber viel zu oft, und die immer öfter auftretende „Hofberichterstattung“ mancher Medien (>>) machte die Sache nicht besser, sondern setzte ihr die Krone auf.

Woran lag es also? An dieser Stelle gab ich die Bühne frei für Tom Schimmeck (>>), laut dem DLF (>>) ehemaliger Spiegel-Redakteur, taz-Mitbegründer und renommierter freier Autor, der die Dinge aus der Innensicht des Journalisten hier (>>) hervorragend beim Namen nannte. Die vollständige Lektüre war wärmstens empfohlen. Kostprobe:
Honorare stehen nur selten noch in einem halbwegs angemessenen Verhältnis zum betriebenen Aufwand. Wenn Sie es richtig gut machen – wenn Sie wirklich recherchieren, telefonieren, nachlesen und nachhaken, wenn Sie nochmal losfahren und richtig hingucken, sind Sie ökonomisch betrachtet ein Vollidiot. Auch „Qualitätszeitungen“ zahlen wahrlich keine Qualitätshonorare mehr.
Und so ging es weiter:
Leipziger Journalismus-Forscher haben 235 Journalisten in Tageszeitungen, Hörfunk, Fernsehen und Online-Redaktionen beobachtet und festgestellt, dass diese pro Tag im Schnitt noch 108 Minuten für sogenannte Überprüfungs- und Erweiterungsrecherchen aufwenden. Für die Kontrolle der Glaubwürdigkeit und Richtigkeit von Quellen und Informationen bleiben gerade elf Minuten. Raus in die weite, wahre Welt kommen sie gar nicht mehr. Der Anteil der Ortstermine und leibhaftigen Begegnungen an der knappen Recherchezeit beläuft sich auf sagenhafte 1,4 Prozent. Der deutsche Journalist, könnte man folgern, ist der letzte, der mitkriegt, was in Deutschland los ist.
Geld war noch da. Es wurde nur nicht mehr ausgegeben. Sicher, man war immer groß am Jammern was das Geldverdienen anging diese Tage, aber in den meisten Fällen, jedenfalls am oberen Ende der Einkommensskala, mehr aus Gier denn aus Not. Zeitungen mochten keine Gelddruckmaschinen mehr sein angesichts des Internet und der informationstechnischen Quellenfragmentierung, aber vom Mediensterben der USA (was immer dort dran war) waren wir noch immer weit entfernt. Wie Schimmeck es ausdrückte:
Das notorische Endzeit-Gezeter der Verleger aber ist nicht konstruktiv. Es dient vor allem dazu, besser Kasse zu machen. Im dritten Quartal 2009 wurden laut IVW 115,79 Millionen Publikumszeitschriften verkauft – etwa 1,8 Prozent mehr als im zweiten Quartal. Der Kioskverkauf ist um 5,9 Prozent gestiegen. Pro Erscheinungstag konnten außerdem 23,25 Millionen Tageszeitungen einschließlich Sonntagszeitungen abgesetzt werden. Das sind gerade mal 1,17 Prozent weniger als im Vorquartal. Der Einzelverkauf ist mit aktuell 7,16 Mio. Stück sogar leicht gestiegen.

Auf den Milliardärs-Listen von Forbes finde ich neben Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch, neben Schlecker und Thurn und Taxis weiterhin auch Hubert Burda, Friede Springer, Heinz Bauer, Anneliese Brost (WAZ), drei Holtzbrincks sowie die Familie des im Oktober verstorbenen Reinhard Mohn. Wir müssen also vielleicht doch nicht sofort sammeln.
Journalismus richtig zu betreiben war immer auch eine politische Entscheidung, und zwar ganz oben im Medienunternehmen, dort, wo das Geld tatsächlich saß. Ein Schelm, wer Böses dabei dachte.

Abschließend eine Bemerkung von John Cusack, der schlaueste Satz aus einem Interview mit dem SPIEGEL (>>), der sich zwar nicht exakt auf den Journalismus per se bezog, jedoch dennoch gut passte. John Cusack kritisierte ausdrücklich die Filmkritik, aber zugleich war es Lagebeschreibung für das journalistische Handwerk allgemein:
Ich denke jedenfalls, dass sich Politikjournalismus und Filmkritik mittlerweile sehr ähneln. Ernsthafte Stimmen gehen inmitten billiger Kommentare unter, die sich den Strategien des Spiels widmen, aber kein größeres Bild dessen entwerfen, was das Spiel selbst überhaupt ist. Die Leute drehen die immergleichen Spin-Argumente hin und her, das ist fauler Journalismus. Dabei kann die Demokratie ohne wirkliche Journalisten gar nicht überleben. Aber wie sollen die gehört werden zwischen all den Image-Sprechpuppen und den O-Ton-Schnipseln von Politikern?
Wenn man Hans-Ulrich Jörges vom stern bei Albrecht Müllers Buchvorstellung der
Meinungsmache in Berlin (>>) gesehen hatte, wusste man genau, wovon Cusack da sprach.

So war die Lage.
Richtig gut war sie nicht.

- - - - -
[Bild: Daniel R. Blume (>>) bei
Wikipedia]

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